Die Anlage in dividendenstarken Aktien: Stabile Erträge für Anleger

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Die Zeit scheint reif für einfache Strategien. Nach dem kräftigen Börsenabsturz im letzten Sommer und der Erholung seit Anfang dieses Jahres besinnen sich viele Investoren wieder auf die echten Werte an der Börse. Dazu gehören von jeher Aktien mit hohen Dividendenausschüttungen. Studien zufolge sind die gezahlten Dividenden längerfristig für rund zwei Drittel des gesamten Ertrags eines Aktienportfolios verantwortlich. Diese Ergebnisse beziehen sich zwar auf den US-Markt, lassen sich aber auch auf andere große Aktienmärkte übertragen. In Deutschland z.B. legte der DAX seit 1990 inklusive Dividenden fast doppelt so stark zu wie ohne.

Traditionell gelten dividendenstarke Titel als defensive Anlage. In mageren Börsenjahren behaupten sie sich gut und verlieren verglichen mit schwankungsfreudigen Wachstumswerten weniger. Darüber hinaus zeigen Studien, dass in Aufschwungphasen defensive Titel durchaus Kursanstiege mitmachen und kaum hinter den Wachstumswerten zurückbleiben. Anleger erwerben sich somit über dividendenstarke Aktien eine gewisse Absicherung gegenüber unruhigen Zeiten am Aktienmarkt. Die Höhe der Dividendenrendite ist eines der wichtigsten fundamentalen Kriterien bei der Bewertung von Aktien. Unternehmen, die hohe Dividenden ausschütten, zeigen, dass sie über eine gesunde finanzielle Solidität und eine starke Substanz verfügen.

Allein die DAX-Konzerne schütten in diesem Jahr mehr als 27 Mrd. Euro an ihre Aktionäre aus. Alle deutschen Aktiengesellschaften zusammengenommen verwöhnen ihre Anteilseigner 2012 mit schätzungsweise 32 Mrd. Euro. Da dürften die Besitzer von deutschen Staatsanleihen vor Neid erblassen. Denn deren Renditen fallen im Vergleich zu den Dividendenzahlungen mager aus. Im Vergleich mit der Umlaufrendite fünfjähriger Bundesanleihen lag die Dividendenrendite von DAX-Unternehmen in den letzten drei Jahren um 1,7 % p.a. höher.

Aktienkurse schwanken zwar ständig und verschrecken damit viele sicherheitsbewusste Anleger, die lieber auf den Kauf festverzinslicher Wertpapiere wie z.B. Staatsanleihen setzen. Aber die meisten Staatsanleihen aus der Euro-Zone sind seit der De-facto-Insolvenz Griechenlands kein sicherer Hafen mehr. Bis dahin konnten sich die wenigsten vorstellen, dass ein europäischer Staat die Käufer seiner Staatsanleihen derart abzockt. Weitere Wackelkandidaten gibt es mit Spanien, Italien, Portugal und Irland zur Genüge.

Mittlerweile muss sich ein sicherheitsbewusster Investor die Frage stellen, ob er mit seinem Geld bei einem global aufgestellten Konzern nicht besser aufgehoben ist als bei disziplinlosen Schuldenstaaten. Selbst die öffentliche Hand in Deutschland hat in der Vergangenheit Schulden angehäuft, die mehr als 80 % der jährlichen Wirtschaftsleistung entsprechen. Hinzu kommen noch milliardenschwere Bürgschaften für die angeschlagenen Länder in der EU.

Dividenden wieder reinvestieren, und zwar in denselben Basiswert

Eine Untersuchung in den USA zwischen den Jahren 1970 bis 2007 ergab, dass Anleger mit den 20 % dividendenstärksten Aktien einen durchschnittlich jährlichen Mehrertrag von knapp 4 % erzielten. Besonders hoch ist der Ertrag, wie eine Studie der London Business School ergab, wenn die Dividenden möglichst schnell wieder in den gleichen Wert investiert wurden. Danach hätte sich ein im Jahr 1900 in US-Aktien investierter Dollar bis zum Jahr 2009 auf 582 Dollar summiert. Ohne Dividendenzahlungen hätte sich der Betrag nur versechsfacht – ein Ergebnis des Zinseszinseffekts. Bestätigt wird dies auch durch eine Studie der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors. Laut deren Berechnung hätte sich ein Anleger, der im Jahr 1970 einen Einmalbetrag von 100,00 € in den MSCI Europe investierte und die Dividendenzahlungen jährlich wieder angelegt hätte, Ende 2008 über ein Vermögen in Höhe von 3.708,00 € freuen können.

Wenn Sie als Anleger mit dividendenstarken Aktien auf regelmäßige Zahlungen setzen, von denen Sie leben möchten oder die zur Zahlung bestimmter Verpflichtungen dienen, sollten Sie vor allem auf die Nachhaltigkeit der Dividenden setzen. Das können Sie einerseits an der Ausschüttungsquote feststellen – also dem Teil des konsolidierten Gewinns, der als Dividende ausgeschüttet wird. Je niedriger der Anteil daraus ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit der Nachhaltigkeit. Ist die Ausschüttungsquote dagegen zu hoch, kann das Unternehmen zu wenig in die Zukunft investieren oder es geht schlimmstenfalls zulasten der Substanz des Unternehmens. Hier soll die Aktie nur aufgrund des schlechten Kurses aufpoliert werden, um sie für Anleger interessant zu machen. Häufig müssen die Unternehmen in den Folgejahren die Dividende sehr schnell senken – von Nachhaltigkeit kann dann keine Rede mehr sein.

Die Konzentration auf besonders dividendenstarke Titel steigert den Beitrag zur Rendite erheblich

Anfang der 1990er-Jahre sorgte der amerikanische Portfoliomanager Michael O'Higgins mit seinem Anlagemodell Dogs of the Dow für Furore. Dieser etwas seltsam anmutende Name geht auf die US-amerikanische Umgangssprache zurück. Als Dogs (Hunde) werden minderwertige Sachen bezeichnet. Somit fällt auch eine Aktie mit einer schlechten Kursentwicklung unter diesen Begriff. Papiere mit einer schlechten Kursentwicklung kommen oft auf eine hohe Dividendenrendite, weil deren Kurse zuvor gefallen sind.

Das Anlagemodell Dogs of the Dow ist einfach: Anleger kaufen zu Jahresbeginn gleichgewichtet die zehn dividendenstärksten Aktien des Dow Jones-Index. Diese werden ein Jahr gehalten. Im kommenden Jahr beginnt der Prozess von Neuem. Diese Vorgehensweise hat zum Ziel, eine Überrendite gegenüber dem Basisindex zu erzielen. Als Anlagevariante gibt es noch das Low-Five-Depot, bei dem von den 10 Werten diejenigen fünf gekauft werden, die den niedrigsten Kurs aufweisen. Diese Strategie erhöht das Risiko, bringt aber in guten Aktienjahren einen deutlichen Mehrertrag.

Dass solche Dividendenstrategien in der Vergangenheit auch mit Erfolg auf andere Börsenindizes angewandt werden konnten, zeigt folgendes Beispiel: Der deutsche DivDAX-Index besteht aus den 15 Unternehmen des DAX mit der höchsten Dividendenrendite, quasi die Hunde des DAX. Einmal im Jahr wird der Index neu zusammengesetzt. In der Rückrechnung hat sich der DivDAX in den vergangenen zehn Jahren deutlich besser entwickelt als der normale DAX-Index.

Mit dem Kauf eines börsengehandelten Exchange Traded Fund (ETF) von iShares (WKN: 263527) können Sie an der Entwicklung des DivDAX partizipieren. Ein wesentlicher Vorteil dieses Produkts liegt darin, dass Sie sich den Zeit-, Kosten- und Rechercheaufwand ersparen, der anfallen würde, wenn Sie in Eigenregie nach den dividendenstärksten Titeln suchen würden und diese dann jedes Jahr eventuell wieder kostenintensiv umschichten müssten. Die jährliche Verwaltungsgebühr für den Indexfonds beträgt lediglich 0,3 %.

Ein Nachteil des DivDAX ist jedoch, dass sich seine Zusammensetzung an den zuletzt gezahlten Dividenden orientiert. So kann es passieren, dass dieser Index Unternehmen enthält, die zwar zuletzt eine überdurchschnittliche Dividende zahlten, dieses Niveau aber zukünftig nicht mehr halten können.

Verbesserter Dividenden-Index DAXplus Maximum Dividend

Um dieses Problem zu umgehen, hat die Deutsche Börse mit dem DAXplus Maximum Dividend Index ein weiteres Dividendenbarometer entwickelt. Hier stellt die erwartete Dividendenrendite das Auswahlkriterium dar. Außerdem erfolgt die Indexgewichtung nicht wie beim DivDAX auf Basis der Marktkapitalisierung, sondern richtet sich nach der erwarteten Dividendenrendite. Das heißt: Je höher die erwartete Dividendenrendite ausfällt, desto höher ist das entsprechende Unternehmen im Index gewichtet. Damit eine Aktie keine zu hohe Gewichtung im Index einnimmt, wird der maximale Anteil für einen Titel auf 10 % begrenzt. In der Rückrechnung (10 Jahre) konnte auch der DAXplus Maximum Dividend Index den Mutterindex DAX bei der Wertentwicklung deutlich schlagen.

Ein ETF, der an der Entwicklung des DAX-plus Maximum Dividend Index partizipiert, ist von Anbieter ETFlab erhältlich (WKN: ETFL23). Die jährlichen Verwaltungsgebühren betragen moderate 0,30 %.

Europäische Aktien zahlen oft noch mehr Dividende

Während sich bei den bisher erwähnten Dividendenindizes die Auswahl auf deutsche Aktien aus dem DAX beschränkt, enthält der DJ Euro Stoxx Select Dividend 30 Index die 30 dividendenstärksten Unternehmen aus dem Euroraum. Der Vorteil: Die Dividendenrendite dieses Index fällt höher aus als bei den beiden DAX-Varianten. Der Grund: In diesem Index finden sind aufgrund des länderübergreifenden Ansatzes mehr Aktienwerte aus besonders dividendenstarken Branchen.

Auf den DJ Euro Stoxx Select Dividend 30 Index bieten mittlerweile mehrere Fondsgesellschaften ETFs an. Der mit einer jährlichen Verwaltungsgebühr von gerade einmal 0,25 % günstigste Indexfonds kommt dabei von ComStage (WKN: ETF051). Wem Europa nicht genügt, der findet mit dem iShares STOXX Global Select Dividend 100 eine Anlagelösung, die sogar 100 Dividendenstars aus aller Welt enthält (WKN: A0F5UH). Die breitere Streuung hat jedoch ihren Preis in einer etwas höheren Verwaltungsgebühr von 0,41 %.

Der qualitative Filter für die Auswahl dividendenstarker Werte bei der neuen ETF-Serie von Anbieter State-Street mit seinen SPDR Dividend Aristocrats ist ebenfalls sehr ausgefeilt. Auch hier geht es um Unternehmen, die in den vergangenen Jahren eine konstante Dividendenpolitik verfolgten.

Voraussetzung für eine Aufnahme in den SPDR S&P Euro Dividend Aristocrats ETF (WKN: A1JT1B), der sich auf europäische Aktien konzentriert, sind konstante oder steigende Dividenden in den vergangenen 10 Jahren. Sein US-Pendant, der SPDR S&P US Dividend Aristocrats ETF (WKN: A1JKS0), macht dafür sogar eine konstante Dividendenpolitik in den vergangenen 25 Jahren zur Voraussetzung. Ein Komitee überwacht den Index und veranlasst ggf. Adjustierungen. Neben der üblichen quartalsregelmäßigen Neugewichtung tritt das Indexkomitee auf den Plan, wenn ein Unternehmen zwischen den Überwachungsterminen die Index-Kriterien nicht länger erfüllt. Die Experten können den Wert entfernen, haben aber auch die Möglichkeit, den Wert im Index zu belassen, wenn er absehbar nur temporär die Indexkriterien nicht erfüllt.

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