Dax: Dank Draghi bald bei 17.400 Punkten?

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Sind die Saison-Muster in diesem Jahr außer Kraft?

Eine der ältesten Börsenweisheiten lautet: Sell in May and go away. Beim Dax lässt sich der Wahrheitsgehalt dieser Empfehlung durch eine Kursanalyse der letzten Jahrzehnte durchaus untermauern.

Allerdings wäre die Mai-Regel nur dann eine aussichtsreiche Handlungsanweisung, wenn es gleichzeitig in anderen Anlageklassen wie bei Festverzinslichen noch einigermaßen gute Renditen zu erzielen gebe. Das ist jedoch bei konventionellen Anleihen mitnichten der Fall. Also ist der Zuspruch zu Aktien wahrscheinlich nicht die schlechteste Option.

Wird dieses Jahr alles anders, und gilt die alte Börsenregel nicht mehr? Die aktuellen Aktienkurse scheinen unter Bewertungsgesichtspunkten ausgereizt zu sein. Ein schwächerer Aktien-Sommer sollte deshalb niemanden wirklich wundern – oder wenigstens eine viermonatige Seitwärtsbewegung.

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Mittelfristiges Potenzial bis 14.762 Punkte

Der Dax stieg am Dienstag, dem 9.5.2017, auf ein neues Allzeithoch von 12.783,20 Punkten und setzte damit seinen Rekordlauf seit Montag, dem 24.4.2017, dem Sprung über die in zwei Jahren nicht erreichte Höchstmarke vom 10.4.2015 bei 12.390,80 Punkten, fort.

Weitere Ziele liegen bei 12.800 und 13.000 sowie rechnerisch bei 14.672 Punkten. Das ist die 161,8-Prozent-Extension des letzten Anstiegs über die 12.390er-Marke, die bei 100 Prozent lag.

Der deutsche Leitindex profitierte vom europafreundlichen Wahlausgang in Frankreich am Sonntag, dem 7.5.2017. Zudem gab es positive Konjunkturdaten aus dem Euroraum: Der europäische Einkaufmanagerindex liegt im Plus, und der deutsche Ifo-Index über das Wirtschaftsklima des Euro-Raums kletterte auf den höchsten Wert seit 2007. Damit sind Europas Unternehmen für internationale Investoren wieder kalkulierbarer geworden.

Der Nachholbedarf bei den Kursen im Vergleich mit den US-amerikanischen Börsen trifft mit dem allmählich Fahrt aufnehmenden Konjunkturaufschwung in der EU zusammen, der von der Europäischen Zentralbank weiterhin mit vielen Millionen Euro unterstützt wird. Das ist ein Umfeld, das für Anleger attraktiv erscheint und deshalb Anlagegelder aus verschiedenen Regionen der Welt nach Europa bringt.

Langfristiges Potenzial bis 17.400 Punkte

Betrachten wir die Entwicklung des Dax-Kurses mit dem Fernrohr, lässt sich auf längere Sicht ein noch höheres Anstiegspotenzial ausmachen. Nach seinem ersten offiziell festgestellten Kurs am 1.7.1988 bei 1.164 Punkten und einer mehrjährigen Seitwärtsphase, explodierte der Deutsche Aktienindex in den Jahren 1995 bis 2000 auf 8.136 Punkte, die am 7.3.2000 erreicht wurden (Dot-com-Blase). Nach diesem steilen Anstieg um fast 7.000 Punkte (plus 600 Prozent) folgte eine dreijährige 6.000-Punkte-Talfahrt auf 2.189 am 13.3.2003.

Anschließend ging es vier Jahre und vier Monate lang bis zum 13.7.2007 um fast 6.000 Punkte aufwärts (plus 270 Prozent), und zwar bis auf 8.152 Punkte (US-Immobilien-Blase). Danach folgte eine halbjährige Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau, bis der Kurs ab Januar 2008 rund 13 Monate lang um 4.500 Punkte abwärts ging, auf 3.589 Punkte am 9.3.2009.

Der Dax erholte sich in den folgenden zwei Jahren und zwei Monaten bis auf 7.528 Punkte am 2.5.2011 (plus 110 Prozent), um dann innerhalb von vier Monaten um 2.500 Punkte einzubrechen (Euro-Krise). Am 12.9.2011 wurden 4.966 Punkte als Tiefstand markiert. Danach lief der Dax-Kurs ein Jahr lang volatil seitwärts, bis am 26. Juli 2012 EZB-Chef Mario Draghi die Spekulationen um die Schulden der südeuropäischen Staaten und die Zukunft des Euros beendete, indem er ankündigte, so viel Geld in die Märkte zu pumpen, wie erforderlich sein würde, um die europäische Wirtschaft zu stabilisieren ("whatever it takes").

Seither sind die Geldhähne der Europäischen Zentralbank weit geöffnet. Der Leitzins, also der Preis des Geldes, wurde fast auf Null Prozent gesenkt, sodass die Unternehmen und die Konsumenten gezwungen sind, ihr angehäuftes Geld zu investieren und zu konsumieren. Dieses sogenannte Fiat-Geld der EZB (fiat = es werde) kursierte nun an den Finanzmärkten und trieb die Börsenkurse in gut dreieinhalb Jahren um 7.500 Punkte in die Höhe – auf 12.391 Punkte am 10.4.2015 (plus 150 Prozent).

Ein über zehn Monate langgezogener 3.700-Punkte-Rücksetzer schloss sich an. Diese Dax-Konsolidierung erreichte am 11.2.2016 bei einem Kursstand von 8.699 ihren Tiefpunkt. Diese Delle wurde in den folgenden 15 Monaten mit über 4.000 Punkten aufgefüllt und ein neues Allzeithoch bei 12.783 erreicht.

Doch dieses Rekordhoch dürfte längerfristig noch nicht das Ende der Dax-Hausse bedeuten. Erstens steht für dieses Jahr 2017 noch die 161,-Prozent-Strecke als offenes Ziel im Raum (14.672 Punkte), und zweitens ergibt sich aus der bald 30-jährigen Geschichte des Deutschen Aktienindex, dass langfristige Steigerungen von mindestens 100 Prozent am Stück die Regel sind. Das würde bedeuten, dass etwa im Jahr 2020 Kurse um 17.400 Punkte (2 x 8.700 Punkte als Ausgangswert) denkbar sein könnten.

Diese technischen Prognosen setzen fundamental voraus, dass die EZB-Milliarden weiter fließen, der Leitzins niedrig bleibt, die EU nicht zerbricht und in Europa kein Weltkrieg ausgetragen wird. Dax-Kurse unter 12.390 bzw. maximal 11.500 Punkten wären dann nicht zu befürchten – es sei denn, am 24.9.2017 würde bei der deutschen Bundestagwahl eine rot-rot-grüne Regierungskoalition zustande kommen.

Dax-Marken

Datum

Punkte

Differenz

Prozent

Dauer

01.07.1988

1.164

07.03.2000

8.136

+6.972

+599

11 J. + 7. M.

13.03.2003

2.189

-5.947

-73

3 J.

13.07.2007

8.152

+5.963

+272

4 J. + 4 M.

09.03.2009

3.589

-4.563

-56

1 J. + 7 M.

02.05.2011

7.528

+3.939

+110

2 J. + 2 M.

12.09.2011

4.966

-2.562

-34

4 M.

10.04.2015

12.391

+7.425

+150

3 J. + 7 M.

11.02.2016

8.699

-3.692

-30

10 M.

09.05.2017

12.783

+4.084

+47

1 J. + 3 M.

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