Contracts for Difference: Spekulieren auf die englische Art

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In Großbritannien hat sich für die Spekulation mit Kurshebeln eine neue Anlageklasse herausgebildet. Anleger investieren dort nicht in Optionsscheine, sondern in sogenannte Contracts for Difference (CFDs). Jetzt entdecken die Anbieter dieser Papiere zunehmend den deutschen Markt.

In Großbritannien sind die relativ einfach gestrickten CFDs für rund ein Drittel aller Aktienumsätze verantwortlich. Sehr zum Ärger der Anbieter herkömmlicher Optionsscheine. Denn durch den Markteintritt von CFD-Anbietern wie z. B. CMC Markets, droht nun hierzulande die gleiche Konkurrenz wie auf dem britischen Markt, wo normale Optionsscheine fast keine Rolle spielen.

Hinter CFDs, Turbos oder Optionsscheinen steckt im Prinzip dieselbe Idee: Nämlich mit geringem Kapitaleinsatz möglichst viel Geld zu verdienen. Doch Vorsicht: Geeignet sind die CFDs nur für erfahrene Anleger, die genau wissen, auf welches Risiko sie sich einlassen. Mit CFDs spekuliert der Anleger auf den Unterschied zwischen Eröffnungskurs und Schlusskurs eines Basiswertes. Von der Abwicklung her ähnelt der Handel mit CFDs dem mit herkömmlichen Wertpapieren. Auch ihr Preis entspricht annähernd eins zu eins dem zugrunde liegenden Basiswert. Ausgezahlt bzw. verrechnet wird allerdings stets nur die Kursdifferenz, die sich während des Haltens einer Position ergibt.

Beispiel:
Entschließt sich ein Investor, 1.000 Bayer-Aktien zu kaufen, zahlt er dafür bei einem aktuellen Kurs von 46 Euro genau 46.000 Euro. Wählt er stattdessen CFDs, muss er lediglich eine Sicherheitsleistung (Margin) in Höhe von drei Prozent hinterlegen, umgerechnet Euro 1380. Angenommen, die Papiere des Chemieriesen notieren zehn Tage später bei 47 Euro. Dann erhält der Besitzer der CFDs beim Verkauf dieser Papiere einen Euro pro Aktie ausbezahlt. Insgesamt kassiert der Anleger dann 1.000 Euro. Bezogen auf die hinterlegte Margin und ohne Berücksichtigung von Transaktionskosten hat er bei einem Kursanstieg von 2,2 Prozent bei der Bayer-Aktie eine Rendite von mehr als 72 Prozent auf das eingesetzte Kapital erzielt.

Sicherheitsleistung und Nachschusspflicht

Im Vergleich zum direkten Kauf von Aktien, Anleihen, Devisen oder Rohstoffen ist für die Differenzgeschäfte somit nur ein Bruchteil des Kapitals aufzuwenden. Je nach Volatilität und Liquidität des Basiswertes beträgt die zu hinterlegende Sicherheitsleistung meist zwischen einem und zehn Prozent des Gesamtwertes der Handelsposition. Der Anleger kann somit einen sehr hohen Hebel auf das eingesetzte Kapital erzielen und bereits mit kleinen Beträgen große Gewinne erwirtschaften – oder auch seinen Einsatz verlieren, wenn die Spekulation nicht aufgeht. Darin ähnelt der Handel mit CFDs dem der ebenfalls sehr spekulativen Optionsscheine.

Im Beispiel mit den Bayer-Aktien ist die Sicherheitsleistung schon bei einem dreiprozentigen Kursrückgang der Bayer-Papiere aufgebraucht. In diesem Fall droht bei CFDs eine Nachschusspflicht. Der Anleger ist gezwungen die Sicherheitsleistung wieder auf die ursprüngliche Höhe von 3 Prozent aufzufüllen. Die Verluste sind damit keineswegs auf das eingesetzte Kapital begrenzt. Kommt der Anleger rechtzeitig seiner Nachschusspflicht nach, bleibt er mit seinen CFDs auf die Bayer-Aktien weiterhin im Geschäft. Kommt er der Aufforderung zum Nachschuss nicht nach, wird die Position von der Bank zwangsliquidiert.

Die Konditionen der Anbieter weichen stark voneinander ab

Die Bedingungen für die CFDs, wie z. B. die Höhe der Sicherheitsleistung schwanken von Anbieter zu Anbieter. Anders als beim Handel mit Optionsscheinen oder Hebel-Zertifikaten ist ein Kauf oder Verkauf über die Börse nicht möglich. Stattdessen erfolgt die Abwicklung über einen Broker. Zu diesem Zweck muss dort ein Konto eingerichtet werden. Der Broker bestimmt die Abwicklungs- und Ausführungsmodalitäten sowie den Serviceumfang und die Höhe der anfallenden Gebühren.

Unser Geldtipp
Wer sich für CFDs interessiert, sollte auch die Bonität des Anbieters sowie die Frage nach der Sicherheit der Anlagen berücksichtigen. Denn geht der Broker pleite, ist im schlimmsten Fall das gesamte Geld verloren.


Grundsätzlich lässt sich mit CFDs auf steigende oder fallende Kurse spekulieren. Werden CFDs über Nacht gehalten, sind dafür Zinsen an den Broker zu zahlen. Wenn Sie dagegen mit einem Leerverkauf auf fallende Kurse spekulieren, erhalten Sie eine Zinsgutschrift. Auch die Höhe dieser Zinssätze ist von Anbieter zu Anbieter verschieden. Fallen bei den zugrunde liegenden Aktien Dividendenzahlungen an, werden diese dem Besitzer des CFDs gut geschrieben.

Gegenüber Optionsscheinen liegt der Vorteil der CFDs unter anderem darin, dass die eingegangenen Positionen theoretisch unbegrenzt offen gehalten werden können. Denn CFDs haben im Gegensatz zu Optionsscheinen keinen fixen Fälligkeitstermin. Typische Optionsscheinprobleme wie Zeitwertverlust und Änderungen der Schwankungsbreite (Volatilität) haben deshalb keinen direkten Einfluss auf die Preisgestaltung der CFDs.

Unser Geldtipp
Inzwischen bieten hierzulande eine ganze Reihe von Brokern den Handel mit CFDs an. Beispiele sind CMC Markets (www.cmcmarkets.de), Trading-house (www.tradinghouse.net), Finexo (www.finexo.de) GCI Financial (www.gcitrading.com) und die Saxo Bank (www.saxobank.de). Um Enttäuschungen oder böse Überraschungen zu vermeiden, sollten vor einer Anmeldung die Abwicklungsbedingungen – und hier insbesondere die Vorgehensweise beim Aufbrauchen der Sicherheitsleistung miteinander verglichen werden.

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