Brexit: Risiko oder Chance?

 - 

Nach dem EU-Referendum der Briten stehen die Zeichen an den Börsen auf Verkaufen. Doch bietet der Brexit auch eine Chance, die jeder Anleger nutzen kann.

(tm) Großbritannien hat sich mit knapper Mehrheit für einen Ausstieg aus der Europäischen Union (EU) entschieden. Beim Referendum am 23. Juni stimmten 51,1 Prozent der Wähler für den Brexit.

Da Börsenhändler und Privatanleger von einer Mehrheit an EU-Befürwortern ausgingen, konnten die Märkte am Tag des Referendums zunächst Gewinne verzeichnen. Doch nach dem überraschenden EU-Austrittsvotum reagierte der Markt mit einem schwarzen Freitag. So verlor der Deutsche Aktienindex DAX über Nacht etwa 1.000 Punkte. Insbesondere Bankentitel büßten zumeist zweistellig an Wert ein. Das britische Pfund fiel sogar auf ein 30-Jahres-Tief.

Gefährliche Zeit für Privatanleger

Dass sich Anleger nun große Sorgen machen, scheint angesichts der Marktlage nachvollziehbar. Schließlich könnte die Jahresrendite an einem einzigen Tag bereits an den Markt abgegeben werden. Zu dieser Denkweise der Anleger hat beigetragen, dass der DAX unter Druck steht. Dieses Phänomen nennt sich Panikverkauf, da die Angst unter den Investoren bei einem Preisverfall stetig wächst und sich immer mehr Marktteilnehmer für den Verkauf ihrer Papiere entscheiden.

Die Entscheidung scheint auf den ersten Blick logisch, doch damit fällt der Großteil der Anleger in das Raster "Mr. Market". Hier wird erst dann gekauft, wenn die Euphorie groß ist und die erfahrenen Händler bereits Positionen abbauen. Verkauft wird nach Verlusttagen – oftmals am tiefsten Punkt des Kurses.

Auf diese emotionale Weise lässt sich kaum eine solide und risikoarme Rendite an den Börsen erwirtschaften. Nötig ist eine Umstellung der Denkweise.

Brexit als Chance

Die Kursverluste basieren nicht auf realwirtschaftlicher Schwäche, sondern sind lediglich das Ergebnis einer übertriebenen Reaktion der Marktteilnehmer und deren Kapitalflucht. Daraus lässt sich schließen, dass die Unternehmen nicht für den Wertverlust ihrer Titel verantwortlich sind, also auch keine schlechteren Unternehmen sind.

Getreu des Börsengrundsatzes "Kaufe, wenn alle anderen verkaufen, denn dann ist der Preis am günstigsten" lohnt es sich also, genau an diesen Tagen nach lukrativen Unternehmen zu suchen.

Der Brexit sorgt für eine Untertreibung der Unternehmenswerte, weshalb Sie als Anleger nun günstig einsteigen können. Wichtig dabei: Sie sollten einen längerfristigen Anlagehorizont ins Auge fassen, da die Märkte in den nächsten Tagen noch recht volatil sein können.

Das Risiko

Selbstverständlich lässt sich eine solche Strategie nicht vollständig vom Risiko lösen. Dieses besteht in der Gefahr einer Rezession oder eines vollständigen Börsencrashs. Schließlich befindet sich die gesamte Europäische Union in einer politischen und wirtschaftlichen Krise. Der Brexit könnte nun für einen endgültigen Sturz in eine tiefe Depression sorgen.

Dieses Szenario ist allerdings unwahrscheinlich, und da Sie sich längerfristig orientieren, kann Ihrem Ziel – beispielsweise Ihren Vermögensaufbau über ein Jahrzehnt lang zu betreiben – selbst eine Rezession über die nächsten zwei Jahre kaum etwas anhaben.

Wie finden Sie die richtigen Aktien?

Wenden wir uns nun einem konkreten Beispiel zu, anhand dessen wir verdeutlichen können, wie ein solches Investment aufgebaut werden kann. Grundsätzlich benötigen Sie ein Unternehmen, das über ein solides Geschäftsmodell verfügt und bereits einige Jahre besteht. Sie müssen schließlich sichergehen, dass der Kursverlust mit externen Faktoren und nicht mit dem Konzern selbst zusammenhängt.

Ein gutes Beispiel stellt die Versicherungsgesellschaft Allianz dar: Die Aktie fiel am Freitag um acht Prozent, zuvor geriet sie aufgrund der Unwetterkatastrophen in Deutschland und den damit verbundenen hohen Zahlungen an Opfer unter Druck. Die Gesellschaft trägt hier weder eine Schuld, noch ist sie verantwortlich für den Aktienverlauf. Das solide Unternehmen ist nun also wesentlich günstiger zu haben als noch vor ein paar Wochen. Für langfristige Investoren lohnt es sich nun also, einzusteigen. Nach dem gleichen Prinzip könnten auch Scheine der "Münchener Rück" erworben werden, wobei diese nur knapp sechs Prozent gefallen sind.

Um das Risiko bei einer andauernden Rezession zu reduzieren und damit einen Griff ins fallende Messer vorzubeugen, kann es sich lohnen, als Anleger noch einige Tage zu warten, bis sich die Börsen wieder beruhigt haben. Ansonsten sollte man sich von anfänglichen Kursverlusten nicht beunruhigen lassen.

Fazit

Wer eine gesunde Rendite erwirtschaften möchte, sollte sich von Kursverlusten nicht beunruhigen lassen und den Einstieg abwarten, bis die Aktien günstiger zu erwerben sind. Einflussreiche Ereignisse wie der Brexit sollten daher nicht als Bedrohung, sondern als Chance wahrgenommen werden. Es eignen sich insbesondere Unternehmen, deren Kursverluste nicht mit eigenen Verfehlungen erklärt werden können und auf solider Basis wirtschaften. Aufgrund des günstigen Einstiegs sind über einen längeren Zeitraum jährliche Renditen zwischen fünf und zehn Prozent möglich. Der DAX verzeichnete in den letzten Jahren eine Rendite von durchschnittlich 8,8 Prozent p. a.

Als Anleger ist es von Vorteil, sich von Kursverlusten nicht beeindrucken zu lassen. Kurzzeitige Schwächeperioden zu überstehen, kann sogar positiv für die jährliche Rendite sein. Woran das liegt, erfahren Sie in diesem Beitrag: Börse: Bei Kursrückschlägen die Nerven bewahren .

Autor: Timo Munz

Weitere News zum Thema

  • Geldtipps-Blog: Aktien zur Altersvorsorge?

    [] (ms) Da die gesetzliche Rente sinkt, muss zusätzlich für den Ruhestand gespart werden. Rentenversicherungen sind dabei das Mittel der Wahl - am besten mit staatlicher Förderung. Da derzeit die Zinsen extrem mager ausfallen, liegt es nahe, alternativ mit Aktienfonds fürs Alter zu sparen. Doch ist das nicht viel zu riskant? mehr

  • Aktienrente: 20 Prozent Zulage vorgeschlagen

    [] Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hat zusammen mit den Fondsgesellschaften Deka und Union Investment sowie der Privatbank Metzler eine Initiative ergriffen, um die Aktienkultur in Deutschland zu verbessern. Die aktienorientierte Altersvorsorge solle staatlich gefördert werden. mehr

  • Börse: Bei Kursrückschlägen die Nerven bewahren

    [] Nach den Turbulenzen an den Börsen in diesem Jahr dürften sich viele Anleger die Frage stellen, ob ein Engagement in Aktien derzeit nicht zu risikoreich ist. Doch heftigere Schwankungen an den Aktienmärkten sind völlig normal. mehr

  • Jetzt in den DAX investieren?

    [] (tm) Der Deutsche Aktienindex (DAX) hat sich von seiner Korrektur (minus 3.692 Punkte) erholt und könnte in den kommenden Jahren sein Allzeithoch (12.391 Punkte) übertreffen. Welche DAX-Titel bieten jetzt die größten Gewinnchancen? Eine fundamentale Analyse. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.