Mini-Job: Steuerfreiheit bringt u.U. Nachteile bei Krankenkasse und Wohngeld

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Mini-Jobs sind in der Regel für Arbeitnehmer steuerfrei. Das hört sich gut an. Doch mitunter bringt die Steuerfreiheit sogar Nachteile. Es kann sich deshalb lohnen, auf diesen Vorteil zu verzichten

Normalerweise wird ein Mini-Job vom Arbeitgeber pauschal versteuert, und zwar mit einem Satz von 2 %, bei einem vollen 450-Euro-Job also monatlich mit 9,00 €. Diesen Betrag übernimmt im Regelfall der Arbeitgeber. Er darf die 9,00 € aber auch – anders als die monatlichen Sozialversicherungspauschalen – auf den Jobber abwälzen, was allerdings in der Praxis nicht oft geschieht. Statt der Pauschalbesteuerung durch den Arbeitgeber können die Arbeitnehmer sich für eine ganz normale Besteuerung ihres Mini-Jobs entscheiden. Dann werden die Einkünfte nach den Merkmalen auf der elektronischen Steuerkarte versteuert. Lohnsteuer fällt dann aber nur bei Steuerklasse V oder VI an.

Zwischen beiden Methoden der Besteuerung des Mini-Jobs können Arbeitnehmer sich frei entscheiden. Paradox dabei: In vielen Fällen bringt es Vorteile, sich für die normale Lohnsteuer-Lösung zu entscheiden. Denn nur wer normal besteuert wird, kann den Werbungskostenfreibetrag, der derzeit bei 1.000,00 € im Jahr liegt, geltend machen. Das bringt Vorteile unter anderem bei der Krankenversicherung und beim Wohngeld.

Beispiel:

Krankenversicherung

Eine Ehefrau hat als Zweitverdienerin einen pauschal versteuerten 450-Euro-Job. Hat sie keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte, so kann sie über ihren gesetzlich krankenversicherten Ehepartner kostenfrei familienversichert sein. Die Jobberin hat jedoch neben dem Mini-Job noch Zinseinkünfte in Höhe von jährlich 2.400,00 €. Nach Abzug des Sparer-Pauschbetrags, der derzeit für Ehepaare bei 1.602,00 € liegt, verbleiben 798,00 € an zu versteuernden Zinseinkünften. Deshalb entfällt ihr Anspruch auf die beitragsfreie Familienversicherung, sie muss sich damit freiwillig kranken- und pflegeversichern, wofür mindestens rund 150,00 € pro Monat fällig werden.

Der Anspruch auf die kostenlose Familienversicherung kann aber durch einen Verzicht auf die Pauschalversteuerung des Mini-Jobs gerettet werden. Wenn es um die kostenlose Familienversicherung geht, ist für alle, die einen Mini-Job haben, ein steuerliches Gesamteinkommen von 450,00 € im Monat erlaubt (ohne Mini-Job sind es nur 385,00 €). Gemeint sind damit die Bruttoeinkünfte nach Abzug der Werbungskosten. Allein durch den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000,00 € jährlich vermindert sich das monatliche Arbeitsentgelt für die Krankenkassen-Rechnung um 83,33 € monatlich, die anrechenbaren Einkünfte betragen somit nur 366,67 €. Damit bleibt noch Luft für zusätzliche Einkünfte – im Beispielfall für Zinsen. Hier betragen die auf den Monat umgerechneten Zinseinkünfte (798,00 €:12 =) 66,50 € und liegen damit unter der Grenze des Erlaubten. Der Verzicht auf die Pauschalbesteuerung rettet so den Anspruch der Mini-Jobberin auf die gesetzliche Krankenversicherung zum Nulltarif.

Beispiel:

Wohngeld

Je niedriger die steuerpflichtigen Einkünfte sind, desto höher fällt das Wohngeld aus. Auch beim Wohngeld gilt: Nur wer auf die Pauschalversteuerung seines Mini-Jobs verzichtet, kann den Werbungskostenpauschbetrag in Höhe von 1.000,00 € geltend machen. Seine anrechenbaren Einkünfte sinken damit um 83,33 € pro Monat. Das kann schon knapp 40,00 € mehr Wohngeld im Monat bringen.

Doch wie viel Steuern müssen Mini-Jobber zahlen, wenn sie auf die Pauschalversteuerung verzichten? Klar ist: Lohnsteuer fällt für Mini-Jobber nur dann an, wenn sie Steuerklasse V oder VI haben. Bei einem vollen 450-Euro-Job und Steuerklasse V zieht der Arbeitgeber zunächst monatlich 46,00 € als Lohnsteuer ab. Die (vorausgezahlte) Steuer wird jedoch häufig im Folgejahr nach der Einkommensteuererklärung erstattet. Wie viel Steuern dann tatsächlich unterm Strich gezahlt werden müssen, hängt von der Höhe der Einkünfte des Ehepartners bzw. bei Alleinstehenden von der Höhe der sonstigen steuerpflichtigen Einkünfte ab. Für Familienversicherte gilt: In aller Regel dürfte der Vorteil bei der gesetzlichen Krankenversicherung den Nachteil bei der Steuer deutlich aufwiegen. Und wer Wohngeld bezieht, hat häufig ohnehin so niedrige Einkünfte, dass er kaum Steuern zahlen muss.

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