Verschenken Sie keine Ansprüche auf Arbeitslosengeld: ALG I gibt es bis zum Regelrentenalter

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Viele ältere Arbeitnehmer, die mit 60 oder 61 ihre Arbeit verlieren, beantragen umgehend Altersrente – was für Frauen und Schwerbehinderte ja nach wie vor möglich ist. Sie vergessen dabei, dass sie Ansprüche an die Arbeitslosenversicherung erworben haben. Diese Ansprüche zu nutzen lohnt sich.

Gehen Sie so spät wie möglich in Rente. Arbeitnehmer ab 58 Jahren, die ihre Arbeit verlieren, können inzwischen wieder 24 Monate Arbeitslosengeld I (ALG I) erhalten. Auf die Versicherungsleistung haben die Betroffenen durch ihre Beitragszahlung einen Rechtsanspruch erworben. Dabei handelt es sich also keineswegs um ein Almosen. Niemand sollte davor zurückschrecken, einen Antrag zu stellen.

Voraussetzung für zwei Jahre ALG-I-Bezug ist, dass die Antragsteller innerhalb der letzten 5 Jahre vor dem Eintritt der Arbeitslosigkeit vier Jahre lang sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Zeiten des Bezugs von Krankengeld zählen dabei genauso dazu wie Beschäftigungszeiten.

Die neue 63-Jahres-Grenze gilt nur für Arbeitslosengeld II

Zum Jahreswechsel 2007/2008 gab es eine intensive politische Diskussion über die "Zwangsverrentung von Arbeitslosen". Dabei ging es allerdings nur um die Hartz-IV-Leistungen. Resultat der Diskussion war, dass ALG II nun häufig zwar nicht mehr bis 65, aber immerhin noch bis zum Ende des 63. Lebensjahrs gezahlt wird. Diese Beschränkung gilt allerdings nur dann, wenn die Betroffenen mit 63 eine vorgezogene Rente erhalten können.

Wichtig: Die 63-Jahres-Grenze gilt nur für das ALG II und nicht für die Versicherungsleistung ALG I. Wer arbeitslos ist und die Voraussetzungen für ALG I erfüllt, kann dieses ggf. bis zum regulären Rentenalter erhalten – allerdings maximal 24 Monate lang. § 118 Abs. 2 SGB III regelt, dass ein Anspruch auf ALG I im Grundsatz so lange besteht, bis das "für die Regelaltersgrenze im Sinne des Sechsten Buches erforderliche" Lebensalter erreicht ist.

Das bedeutet:
Mit dem stufenweisen Übergang zur Rente mit 67 wird auch die Altersgrenze der Arbeitslosenversicherung Schritt für Schritt angehoben. Für die Jahrgänge, die 1946 oder früher geboren wurden, gibt es ALG I maximal so lange, bis der Arbeitnehmer 65 Jahre alt ist.

Hinweis: Das gilt auch dann, wenn der Betroffene sich für ein vorgezogenes Altersruhegeld entscheiden könnte, statt ALG I zu beziehen. Ob ein Anspruch auf eine Altersrente besteht, geht die Arbeitsagenturen nichts an.

Anders verhält es sich, wenn jemand bereits Altersrente bezieht. Der gleichzeitige Bezug von Rente und Arbeitslosengeld ist nicht möglich. § 142 Abs. 1 SGB III regelt nämlich, dass der Anspruch auf Arbeitslosengeld I während der Zeit ruht, in der dem Betroffenen eine Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung zuerkannt ist.

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