Nebenjob für Beamte: Per Minijob zum Rentenanspruch

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Auch Beamte können Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung erwerben. Ob das allerdings sinnvoll ist, hängt von Einzelfall ab. Meistens geht der finanzielle Vorteil durch die Verrechnung mit der Pension verloren.

Bei einem Mini-Job besteht die Möglichkeit, auf die Versicherungsfreiheit in der Rentenversicherung zu verzichten. In diesem Fall zählt die Zeit des Minijobs als ganz normale Rentenversicherungszeit – und schafft entsprechende Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung. Haben auch Beamte diese Möglichkeit? 

Die Antwort lautet: Im Prinzip ja. Der Teufel steckt jedoch im Detail.

Erster Schritt: Prüfen, ob die Rente später mit der Pension verrechnet wird

Wer die Möglichkeit nutzt auf die Rentenversicherungsfreiheit eines Minijobs zu verzichten, erhält später unter Umständen neben der Beamtenpension eine gesetzliche Rente. Ob sich dies rechnet, sollte jedoch vorab geklärt werden. Denn unter Umständen wird die Beamtenversorgung um den Betrag gekürzt, den die gesetzliche Rentenversicherung zahlt. Rechtsgrundlage hierfür ist § 55 Beamtenversorgungsgesetz (BeamtVG), in dem das Zusammentreffen von Versorgungsbezügen und Renten geregelt ist.

Tipp
Bevor Sie auf die Rentenversicherungsfreiheit eines Nebenjobs verzichten, sollten Sie abklären, ob und wie eventuelle Rentenansprüche später mit ihrer Beamtenpension verrechnet werden. Wenn Sie feststellen, dass es sich für Sie nicht lohnt, per Minijob einen Rentenanspruch zu erwerben, sind Ihre Einzahlungen in die Rentenkasse nicht verloren. Wenn Sie das Regelalter für die gesetzliche Rente beantragen, können Sie als Beamter nämlich – falls Sie keine fünf Rentenversicherungsjahre vorweisen können und damit keinen Rentenanspruch erworben haben – eine Auszahlung der von Ihnen gezahlten Beiträge beantragen (nicht jedoch des Arbeitgeberanteils, dieser bleibt in der Rentenkasse).

Zweiter Schritt: Genehmigung vom Dienstherrn einholen

Zunächst einmal: Für den Nebenjob brauchen Beamte die Genehmigung des Dienstherrn. Diese muss schriftlich beantragt werden. Für manche Nebentätigkeiten, vor allem im künstlerischen und wissenschaftlichen Bereich, brauchen sie zwar keine Genehmigung, sie müssen die Tätigkeit jedoch dem Arbeitgeber anzeigen. Diese Hürde dürfte leicht zu meistern sein.

Falls sie einen Nebenjob ausüben, kommt auch für Beamte ein ganz normaler Minijob in Frage. Wenn sie über die 400-Euro-Grenze hinaus verdienen, ist der Job allerdings voll sozialversicherungspflichtig (ggf. mit niedrigeren Beiträgen im Bereich der "Gleitzone").

Dritter Schritt: Auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichten

Bleiben wir jedoch beim Minijob: Für Beamte, die einen solchen ausüben, gilt das gleiche wie für alle anderen Jobber. Sie können auf die Rentenversicherungsfreiheit des Minijobs verzichten und die niedrigen Beiträge, die der Arbeitgeber an die Rentenversicherung abführt, aufstocken. Wichtig: Um diese Aufstockungsoption nutzen zu können, muss der Arbeitnehmer schriftlich gegenüber dem Arbeitgeber seinen Verzicht auf die Rentenversicherungsfreiheit erklären (§ 5 Abs. 2 Satz 2 Sozialgesetzbuch VI). Diese Ankündigung hat nur Folgen für die Rentenversicherung. Die Folge: Die Zeit, in der der Minijob ausgeübt wird, bringt volle Ansprüche an die Rentenversicherung.

Vorteile kann dies vor allem Beamten bringen, die bereits einige Versicherungsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung vorweisen können – etwa aus einer Ausbildungszeit oder einer vorherigen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung.

Um die Aufstockungsoption zu nutzen, muss man keinen vollen 400-Euro-Job ausüben. Ein 155-Euro-Job reicht. Die Rentenversicherungsbeiträge werden nämlich immer mindestens auf der Basis von 155 Euro berechnet. Bei Mini-Jobbern, die mehr verdienen, wird der tatsächliche Zahlbetrag bei der Berechnung des Aufstockungsbetrags zugrunde gelegt. Wer monatlich weniger verdient, bei dem wird immer ein fiktiver Lohn von 155 Euro zugrunde gelegt, wenn die Aufstockungsbeträge berechnet werden. Bei einem 155-Euro-Job im gewerblichen Bereich bedeutet dies: Als monatlicher Aufstockungsbetrag müssen lediglich 7,60 Euro an die Rentenversicherung abgeführt werden. Um diesen Betrag mindert sich der Lohn der Betroffenen. Hierdurch erwerben sie jedoch volle Ansprüche an die Rentenversicherung.

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