Kindergeldansprüche für über 18-Jährige retten

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Für Kinder über 18, die sich noch in der Ausbildung befinden, gibt es weiterhin Kindergeld. Doch sie müssen bestimmte Einkommensgrenzen einhalten.

Am Jahresende wird abgerechnet – auch beim Kindergeld. Wichtig ist das vor allem dann, wenn es um den Kindergeldanspruch für erwachsene Sprösslinge geht. Fielen deren Einkünfte z. B. im vergangenen Jahr 2008 höher aus als der damals geltende Grenzbetrag von (netto) 7.680 Euro, müssen die Eltern u. U. das Kindergeld für das ganze Jahr 2008 zurückzahlen.

Geregelt ist das in § 70 Abs. 4 des Einkommensteuergesetzes. Danach ist eine "Kindergeldfestsetzung aufzuheben oder zu ändern, wenn nachträglich bekannt wird, dass die Einkünfte des Kindes den Grenzbetrag [...] über- oder unterschreiten.". Beim Kindergeld gilt das Prinzip "ganz oder gar nicht". Verdienen die Kinder zu viel, fällt gleich die Leistung für das komplette Jahr weg.

Generell gibt es Kindergeld für erwachsene Kinder, die in Ausbildung sind oder eine solche suchen, ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr absolvieren oder Zwangspausen von bis zu vier Monaten zwischen Ausbildungsabschnitten oder Ausbildung und Dienstzeit einlegen müssen. In diesen Fällen gibt es die Leistung maximal, bis die Kinder 25 Jahre alt sind.

Für arbeitslose Kinder zahlt der Staat Kindergeld bis zum 21. Lebensjahr und für behinderte Kinder, die sich selbst nicht unterhalten können, kann Kindergeld unbegrenzt gezahlt werden. Die genannten Altersgrenzen schieben sich um die Dauer des geleisteten Zivil- oder Wehrdienstes nach hinten. Während der Dienstzeit selbst gibt es kein Kindergeld. Generell gilt jedoch: Das anrechenbare Einkommen der Kinder darf pro Jahr nicht höher als 7.680 Euro sein (bei Behinderten gelten ggf. höhere Beträge).

Die Liste der Einkünfte, die das Kindergeld gefährden können, ist lang. Hierzu gehören nicht nur Arbeitsentgelte (auch Einkünfte aus 400-Euro-Jobs), sondern auch
  • Ausbildungsvergütungen,
  • Fahrtkostenzuschüsse des Arbeitgebers,
  • Zinsen und sonstige Kapitaleinkünfte (vom 51. Euro an),
  • die Hälfte (des Zuschussanteils) des BAföGs.
Wichtig ist es allerdings, zu wissen, wie die Ämter rechnen. So wird der Arbeitslohn, den Azubis nach Ausbildungsende erzielen, nicht berücksichtigt. Es zählt vielmehr nur das Einkommen in der Ausbildungszeit – und nur für diese Zeit gibt es Kindergeld.

Beispiel
Die Ausbildung dauerte bis Ende August, danach wurde der Azubi von seinem Ausbildungsbetrieb übernommen. Für die Zeit bis Ende August gibt es Kindergeld, wenn das Einkommen der Ausbildungs-Absolventen in den ersten acht Monaten des Jahres 8/12 des Grenzbetrags – das sind 5.120 Euro – nicht überschritten hat.

Zudem rechnen die Ämter nicht die vollen Bruttoeinkünfte an. Sie müssen vielmehr die Werbungskosten (mindestens den Pauschbetrag von 920 Euro pro Jahr) und die vollen Sozialversicherungsbeiträge abziehen. Dabei müssen auch Beiträge zu einer freiwilligen gesetzlichen oder privaten Kranken- und Pflegeversicherung berücksichtigt werden, wobei Letztere der gesetzlichen Versicherung entsprechen muss. Bei steuerfreien Bezügen – etwa aus Minijobs oder Arbeitslosengeld – wird ein Pauschbetrag von 180 Euro abgezogen.

Wird trotz dieser Abzugsmöglichkeiten der Grenzbetrag von 7.680 Euro überschritten, so gibt es folgende Möglichkeiten, den Kindergeldanspruch ggf. noch zu retten:
  • Oft wird der Anspruch durch Einnahmen aus Jobs der Töchter oder Söhne gefährdet. Dann lohnt es sich unter Umständen für Kinder und Eltern, einen solchen Job bis zum Jahresende ruhen zu lassen.
  • Soweit die Kinder sozialversicherungspflichtige Einkünfte haben, kann es sich lohnen, per Entgeltumwandlung etwas für die betriebliche Altersversorgung zu tun und so auch das fürs Kindergeld anrechenbare Einkommen zu reduzieren. Durch die Altersvorsorge per Bruttoentgeltumwandlung kann die kritische Einkommensgrenze von 7.680 Euro auf diese Weise wieder unterschritten werden, da der Beitrag für die betriebliche Altersversorgung das Bruttoentgelt entsprechend reduziert.
  • Weiterhin kann es sich für ein kindergeldberechtigtes Kind auszahlen, Werbungskosten zu „produzieren“. Es könnte etwa ohnehin geplante Käufe von z. B. Fachliteratur, PC oder Software vorziehen. Das zahlt sich allerdings fürs Kindergeld nur dann aus, wenn die Werbungskosten insgesamt den Pauschbetrag von 920 Euro übersteigen. Denn so viel wird ohnehin pro Jahr anerkannt. Wer bislang tatsächlich erst 240 Euro Werbungskosten nachweisen kann, hat nur dann Vorteile, wenn dafür zusätzlich noch mehr als 680 Euro anfallen.
Geldtipp
Wer feststellt, dass ihm eigentlich für seine Tochter oder seinen Sohn schon in den Vorjahren Kindergeld zustand, kann einen Antrag noch nachholen. Kindergeld für 2005 kann beispielsweise noch bis Ende 2009 beantragt werden. Geregelt ist das in der Abgabenordnung. § 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 bestimmt, dass die Festsetzungsfrist vier Jahre beträgt. Dies gilt allerdings nicht, wenn in diesen vier Jahren schon einmal rechtskräftig Kindergeld abgelehnt wurde. Dann kann es Kindergeld in der Regel erst frühestens ab dem Monat nach der Bekanntgabe des negativen Bescheids geben.

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