Kindergeld kann verloren gehen, wenn der Sprössling einen Euro zu viel verdient

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Kindergeld erhalten Eltern auch für erwachsene Kinder – etwa wenn diese noch unter 25 Jahre alt sind und einer Ausbildung nachgehen. Die Kinder dürfen dabei allerdings keinen Cent zu viel verdienen – sonst fällt das Kindergeld sofort komplett weg. Dieses sogenannte Fallbeil-Prinzip hat das Bundesverfassungsgericht mit einem Beschluss vom 27.7.2010 bestätigt (Az. 2 BvR 2122/09). Umso wichtiger ist es für Eltern und Sprösslinge, nun rechtzeitig aktiv zu werden, um den Kindergeldanspruch zu retten.

In dem vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelten Fall ging es um einen jungen Mann, der sich 2005 in Berufsausbildung befand und in diesem Jahr anrechenbare jährliche Einkünfte hatte, die den damals geltenden Jahresgrenzbetrag in Höhe von 7680 Euro um 4,34 Euro überschritten. 2010 wurde der Grenzbetrag zwar auf 8004 Euro angehoben – ansonsten hat sich jedoch an den Anrechnungsregeln nichts Wesentliches geändert. Mithin ist der Karlsruher Beschluss auch heute noch voll anwendbar.

Die Verfassungsrichter befanden: Durch sein Arbeitseinkommen sei das Existenzminimum des damaligen Auszubildenden gesichert gewesen. Genau das sei die Funktion des Jahresgrenzbetrags. Deshalb liege es im Rahmen der dem Gesetzgeber zustehenden "Typisierungs- und Pauschalierungsbefugnis", die Regelung als Grenzbetrag und nicht als Freibetragsregelung mit gleitenden Übergängen auszugestalten. Nach diesem Beschluss aus Karlsruhe ist der Rechtsweg in der Auseinandersetzung um das Fallbeil-Prinzip ausgeschöpft. Eltern und ihre erwachsenen Kinder müssen sich daher mit der geltenden Regel arrangieren. Umso wichtiger ist es für sie wissen, wie die Ämter rechnen.

Die Liste der Einkünfte, die das Kindergeld gefährden können, ist lang. Hierzu gehören nicht nur Arbeitsentgelte (auch Einkünfte aus 400-Euro-Jobs), sondern auch

  • Ausbildungsvergütungen,
  • Fahrtkostenzuschüsse des Arbeitgebers,
  • Zinsen und sonstige Kapitaleinkünfte (abzüglich 51 Euro),
  • die Berufsausbildungsbeihilfe der Arbeitsagentur sowie die Hälfte (der Zuschussanteil) des Bafögs.

Allerdings zählen nicht die vollen Bruttoeinkünfte. Von den Arbeitseinkünften oder vom Ausbildungsentgelt der Kinder müssen nämlich die Werbungskosten (mindestens der Pauschbetrag von 920 Euro) und die vollen Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden. Dabei müssen auch Beiträge zu einer freiwilligen gesetzlichen oder privaten Kranken- und Pflegeversicherung berücksichtigt werden, wobei Letztere der gesetzlichen Versicherung entsprechen muss. Bei steuerfreien Bezügen – etwa aus Minijobs oder Arbeitslosengeld – wird ein Pauschbetrag von 180 Euro abgezogen. Bei Zinseinkünften wird (maximal) der Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 801 Euro abgezogen. Die folgende Tabelle zeigt, wie die Familienkasse bei einem Auszubildenden rechnet, der als Nebenjob einen Minijob ausübt und Zinseinkünfte hat.

Kindergeld retten

Im Beispielfall sind die Einkünfte des Azubi deutlich höher als der Grenzbetrag von 8004 Euro pro Jahr. Doch unter Umständen kann der Kindergeldanspruch gerettet werden.

Die einfachste Lösung wäre im Beispielfall, den Nebenjob ruhen zu lassen. Wenn der Betroffene vier Monate auf die monatlichen Einkünfte in Höhe von 260 Euro verzichtet, sinken die Jahreseinkünfte bereits unter den Grenzbetrag von 8004 Euro. Weiterhin könnte der Betroffene etwas für seine zusätzliche Altersvorsorge tun. Auch Azubis haben nämlich ein Anrecht auf eine betriebliche Altersvorsorge über die sogenannte Entgeltumwandlung. Dabei werden Teile der Vergütung nicht direkt an den Arbeitnehmer bzw. Azubi ausgezahlt. Das Geld fließt stattdessen in eine Renten- bzw. Kapitallebensversicherung. Der Betrag wird dann fürs Alter angelegt und bleibt damit steuer- und sozialversicherungsfrei. Genauso wichtig ist aber auch: Durch die Altersvorsorge per Bruttoentgeltumwandlung kann die kritische Einkommensgrenze von 8004 unterschritten werden, da der Beitrag für die betriebliche Altersversorgung das anrechenbare Bruttoentgelt entsprechend reduziert.

Darüber hinaus könnte der Betroffene noch höhere Werbungskosten "produzieren". Er könnte etwa ohnehin geplante Käufe von Fachliteratur oder Software vorziehen. Das zahlt sich allerdings fürs Kindergeld nur dann aus, wenn die Werbungskosten (etwa für Fachliteratur, einen beruflich genutzten PC oder Gewerkschaftsbeiträge) insgesamt den Pauschbetrag von 920 Euro übersteigen. Denn so viel wird ohnehin pro Jahr anerkannt. Wer bislang tatsächlich erst 240 Euro Werbungskosten nachweisen kann, hat nur dann Vorteile, wenn dafür zusätzlich noch mehr als 680 Euro anfallen.

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