Altersvorsorge: Nutzen Sie die Renteninformation als Orientierungshilfe

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Die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung, eine Art Kontoauszug, prognostiziert die Höhe der Regelaltersrente bezogen auf die individuelle Altersgrenze des Versicherten. Mithilfe der Renteninformation lässt sich die Lücke zwischen dem derzeitigen Bruttoeinkommen und künftiger Bruttorente (= Rente vor Abzug von Steuern und Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung) in etwa abschätzen. Auf dieser Informationsbasis lässt sich die private Altersvorsorge planen.

Die Renteninformation enthält:

  • die Höhe einer Erwerbsminderungsrente, die der Versicherte derzeit bei voller Erwerbsminderung erhalten würde,
  • die Höhe der aktuell erreichten Rentenansprüche,
  • eine Übersicht über die bisher von Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder öffentlichen Kassen gezahlten Rentenbeiträge,
  • eine Hochrechnung zur Höhe der Regelaltersrente ab der persönlichen Altersgrenze auf Basis des in den letzten fünf Jahren erzielten Verdiensts, allerdings ohne eine einzige Rentensteigerung,
  • zwei weitere Hochrechnungen zur Regelaltersrente bei einer durchschnittlichen Rentensteigerung von ein  Prozent bzw. zwei Prozent pro Jahr.

Tipp
Betrachten Sie die angegebenen Zahlen kritisch. Bei der hochgerechneten Altersrente handelt es sich um eine Prognose, die nicht mit der tatsächlichen Höhe der künftigen Altersrente übereinstimmen muss, da sie auf Annahmen beruht, die sich ändern können. Außerdem gibt sie die Bruttorente an, von der die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie ggf. die Steuern abzuziehen sind. Nur dieser Nettobetrag steht tatsächlich zur Verfügung.

Abweichende Werte in der Renteninformation

Viele Versicherte, die jedes Jahr auf ihre neue Renteninformation schauen, fragen sich, warum z.B. die prognostizierten Werte für die Altersrente und der Erwerbsminderungsrente im Vergleich zur letzten Renteninformation voneinander abweichen.

Solche Unterschiede lassen sich erklären durch:

  • gesetzliche Neuregelungen,
  • persönliche Änderungen z.B. beim Bruttoverdienst durch Gehaltssprung oder Arbeitslosigkeit,
  • Änderungen in den Berechnungsgrundlagen,
  • der Wechsel vom vorläufigen zum endgültigen Durchschnittsentgelt,
  • fehlende Verdienst-Datenübermittlung durch den Arbeitgeber.

Änderungen in den Berechnungsgrundlagen werden auf der Rückseite der Renteninfo erklärt. Durchschnittsentgelte sind ein wichtiger Faktor für die Prognose der Altersrente, die immer auch von der Entwicklung der Löhne und Gehälter abhängt. Da die ganz korrekte Berechnung des Durchschnittsentgelts bis zu zwei Jahre dauert, rechnet man zunächst nur mit einem »vorläufigen Durchschnittsentgelt« und korrigiert später die Daten. In der Regel ergeben sich hierbei lediglich geringe Abweichungen.

Was die Renteninformation verschweigt

Die Hochrechnungen der Renteninformation sind aus vier Gründen mit Vorsicht zu genießen:

  • Niemand  kann heute sagen, wie hoch die Rentenanpassungen in der Zukunft sein werden.
  • Ungewiss ist, wie hoch die Kaufkraft der Rente künftig sein wird.Neuerdings weist die Renteninformation auf dieses Problem mit der Inflation (Kaufkraftverlust), die von den Rentenerhöhungen nicht ausgeglichen wird, ausdrücklich hin.
  • Rentnern drohen nach 2010 weitere Nullrunden. Die Liste der Ursachen ist lang: Riester-Faktor, Nachhaltigkeitsfaktor, Nachholfaktor für ausgelassene Rentenkürzungen in den Jahren 2004 bis 2006, nachlassende Lohnsteigerungen und sinkende Erwerbsquote wegen der Wirtschaftskrise (höhere Arbeitslosigkeit, mehr Kurzarbeit).
  • In der Renteninformation werden Ihnen Bruttobeträge genannt. Davon müssen Sie noch Ihre Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Steuern abziehen. Außerdem steht jetzt noch nicht fest, wie hoch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zum Zeitpunkt des Rentenbezugs sein werden. Auch ist vorher nicht exakt zu ermitteln, wie hoch die Steuerbelastung der Alterseinkünfte sein wird bzw. wie hoch das gesamte Alterseinkommen sein wird. Je höher Ihr Einkommen ist, desto höher ist der Steuersatz.

Tipp
Die Größe Ihrer Rentenlücke kann die Renteninformation nicht darstellen. Die muss jeder für sich selbst ermitteln.

Wie viel Sie zurücklegen sollten

Zwischen Nettoverdienst und Nettorente klafft die sogenannte Rentenlücke. Diese ist umso größer, je höher der Verdienst ist, da die maximale Höhe der Rentenbeiträge durch die Beitragsbemessungsgrenze vorgegeben ist. Mehr als 2,1 Entgeltpunkte (und eine entsprechende Monatsrente von derzeit  57,12 Euro) bekommt selbst der Einkommensmillionär in den alten Bundesländern nicht gutgeschrieben, weil er aktuell ja nur Beiträge von einem Einkommen bis maximal 5500 Euro monatlich entrichtet.

Um sich rechtzeitig vor einem Verlust des gewohnten Lebensstandards oder vor möglicher Altersarmut zu bewahren, empfehlen sich drei Dinge:

  • ermitteln Sie Ihren Finanzbedarf im Ruhestand,
  • ermitteln Sie Ihre Rentenlücke,
  • ermitteln Sie, wie Sie Ihre Rentenlücke schließen können.

Der Finanzbedarf sinkt im Ruhestand

Allerdings ist eine Rentenlücke von 40 Prozent noch kein Grund zur Panik. Von den persönlichen Lebensumständen und Ansprüchen hängt es nämlich ab, wie viel Geld Sie im Alter tatsächlich benötigen. Private Finanzberater empfehlen zwar, die Rente auf 90 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens aufzufüllen. Aber muss es wirklich so viel sein?

Im Ruhestand fallen schließlich einige Kosten weg:

  • Ausgaben für die tägliche Fahrt zur Arbeit entfallen.
  • Die Kosten für das Auto sinken (geringere Betriebskosten, weniger Inspektionen und Reparaturen).
  • Aufwendungen für Arbeitskleidung entfallen.
  • Die Kinder sind aus dem Haus und haben ihre Ausbildung abgeschlossen.
  • Sie benötigen weniger Versicherungen und müssen auch nicht mehr in die gesetzliche, betriebliche und private Altersversorgung einzahlen.
  • Vielleicht ist bis dahin das eigene Haus abbezahlt oder es reicht eine kleinere Wohnung.
  • Andererseits steigen die Ausgaben zur Freizeitgestaltung mit Hobbys, Reisen und Besuchen der Verwandten und Bekannten.

Gehen Sie insgesamt davon aus, dass Ihr Finanzbedarf im Ruhestand um 15 Prozent niedriger liegen wird als während der Berufstätigkeit.

Um eine Rentenlücke von z.B. monatlich rd. 400 Euro auszugleichen (geplanter Rentenbeginn mit 65 Jahren), müsste ein 40-Jähriger 25 Jahre lang monatlich rund 300 Euro in eine private Rentenversicherung einzahlen.

Bei einer Riester- oder Rürup-Rente müsste die Einzahlung rd. 15 Prozent höher sein, weil von den späteren Auszahlungen mehr Steuern abgehen. Bei freiwillig gesetzlich Krankenversicherten ist wegen der vollen Belastung mit Beiträgen zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung weder eine Riester-, noch eine Rürup- oder Betriebsrente ratsam. Eine Privatrente unterliegt dagegen nur mit dem Ertragsanteil der Besteuerung. Bei einem Eintritt in den Ruhestand mit 65 Jahren sind z.B. von 500 Euro Privatrente lediglich 90 Euro zu versteuern. Die Steuerbelastung bei pflichtversicherten Rentnern liegt dann meistens zwischen 0 Euro und 25 Euro.

Tipp

Bevor Sie mit der zusätzlichen Altersvorsorge beginnen, sollten alle anderen großen Anschaffungen des Lebens (Haus, Kinder) abschließend finanziert sein. Wenig sinnvoll ist es, in eine Rentenversicherung oder einen Sparplan mit niedrigen Zinsen einzuzahlen, während gleichzeitig weit höhere Darlehenszinsen für die Immobilie oder noch den Monats-Scheck für das Studium der Kinder zu zahlen sind. Schöpfen Sie lieber die Möglichkeiten zu Sondertilgungen voll aus und entschulden Sie sich so schnell wie möglich. Danach müssen Sie jedoch größere Monatsbeträge auf die hohe Kante legen, weil die Zeit bis zum Ruhestand kürzer und deshalb der Zinseszinseffekt kleiner geworden ist.

Wer erst mit 50 Jahren anfängt, Geld für den Ruhestand zurück zu legen, muss 15 Jahre lang monatlich rund 450 Euro in eine private Rentenversicherung einzahlen, um später eine Rente in Höhe von etwa 400 Euro im Monat zu erhalten.

Tipp
Je näher Ihr Ruhestand rückt, desto dringlicher wird zusätzliche Vorsorge. Je jünger Sie sind, desto mehr profitieren Sie vom Zinseszinseffekt. Allerdings ist es immer sinnvoll, zunächst alle Schulden zu tilgen und dann erst mit der Altersvorsorge zu beginnen.

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