Seniorinnen sind stärker armutsgefährdet als Senioren

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(verpd) Die Armutsgefährdung bei den ab 65-jährigen Frauen ist höher als bei den Männern dieser Altersgruppe. Zudem beziehen fast doppelt so viele Seniorinnen staatliche Grundsicherung wie Senioren.

Nach der Definition der Europäischen Union gelten Menschen als armutsgefährdet, die mit weniger als 60 Prozent des Medians des Äquivalenzeinkommens der Bevölkerung auskommen müssen. Wer 2013 alleinstehend war und einen eigenen Haushalt hatte, war demnach armutsgefährdet, wenn er weniger als 979 € Monatseinkommen hatte. 14,9 Prozent der Bürger ab 65 Jahre waren 2013 armutsgefährdet, wie aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen.

Getrennt nach Männern und Frauen ergeben sich jedoch gravierende Unterschiede: Während 2013 rund 12,7 Prozent der Senioren als armutsgefährdet galten, waren es bei den Seniorinnen 17,0 Prozent.

Schleichende Altersarmut

Deutliche Unterschiede zwischen älteren Männern und Frauen gibt es auch bei der finanziellen Bedürftigkeit. Finanziell bedürftig gilt derjenige, der den notwendigen Lebensunterhalt nicht ausreichend oder überhaupt nicht aus eigenen Mitteln wie seiner Rente, seinem Einkommen und seinem Vermögen sicherstellen kann. In Deutschland haben finanziell Bedürftige, die die Regelaltersgrenze erreicht haben, oder Volljährige, die dauerhaft voll erwerbsgemindert sind, Anspruch auf eine sogenannte Grundsicherung.

Die Grundsicherung enthält alle Leistungen, die auch nach dem Sozialhilferecht gezahlt werden. Damit soll sichergestellt werden, dass Bedürftige zumindest ihren notwendigen Lebensunterhalt sowie die Aufwendungen für eine angemessene Unterkunft und Heizung begleichen können.

2013 waren insgesamt über 499.000 Personen, die ab 65 Jahre alt waren, auf eine Grundsicherung, die im Bundesdurchschnitt in dem genannten Jahr einen monatlichen Bruttobedarf von 740 € abdeckte, angewiesen. Das ist im Vergleich zum Jahr 2003 fast eine Verdoppelung – damals waren es noch 258.000 Bürger dieser Altersgruppe, die eine Grundsicherung erhielten. Im Jahr 2013 bezogen alleine über 313.000 Frauen im Alter von über 65 Jahren eine Grundsicherung. Bei den über 65-jährigen Männern waren es dagegen 186.000, also fast 1,7-mal weniger als bei den Frauen.

Vorausschauendes Handeln ist gefragt

Im Ganzen gesehen hat sich die Armutsgefährdung der Generation 65plus zwischen 2009 und 2013 kaum verändert; allerdings ergab sich eine Verschiebung zu Ungunsten der Frauen. Insgesamt galten 2013 in der Generation 65plus mit einem Nettoeinkommen von unter 979 € im Monat 14,9 Prozent als armutsgefährdet, 2009 waren es 15,0 Prozent. Damit gilt schon seit einigen Jahren mehr als jeder sechste Bürger ab 65 Jahren als armutsgefährdet.

Während im Betrachtungszeitraum von 2009 bis 2013 sich die Armutsgefährdung bei Männern von 12,9 Prozent in 2009 auf 12,7 Prozent in 2013 leicht verringerte, verharrte die Quote bei den Frauen dieser Altersgruppe jedoch bei 17,0 Prozent.

Wer verhindern möchte, dass er im Alter auf eine Grundsicherung angewiesen ist, beziehungsweise sicherstellen möchte, dass er seinen bisherigen Lebensstandard auch im Rentenalter halten kann, sollte bereits möglichst früh eine sinnvolle Altersvorsorge aufbauen. Wie hoch die voraussichtliche Rentenlücke ohne zusätzliche Vorsorge tatsächlich sein wird und welche individuell passenden Altersvorsorgeformen, teils sogar mit staatlicher Unterstützung, für den Einzelnen infrage kommen, können bei einem Versicherungsexperten erfragt werden.

Wie Sie fürs Alter vorsorgen können, erläutert unser Finanzratgeber Ruhestandsplanung .

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