Jeder fünfte Deutsche ist von Ausgrenzung und Armut bedroht

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(verpd) In Deutschland ist die Bedrohung von Armut und sozialer Ausgrenzung in den Jahren 2008 bis 2015 nahezu unverändert hoch, wie Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen. Jeweils rund 20 Prozent der Bevölkerung sind seit Jahren davon betroffen. Im vergangenen Jahr galt dies nach Berechnungen auf europäischer Ebene in Deutschland für 16,1 Millionen Menschen.

Der Anteil der von Armut und sozialer Ausgrenzung bedrohten Bevölkerung in Deutschland lag im vergangenen Jahr bei 20,0 Prozent und ist damit seit rund acht Jahren auf ungefähr dem gleichen Niveau geblieben. Von 2008 bis 2014 lag der Wert nämlich zwischen 19,6 Prozent (2012) und 20,6 Prozent (2014). Dies geht aus den kürzlich vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlichten Daten, die auf der regelmäßig erstellten Europa-Statistik über Einkommen und Lebensbedingungen EU-SILC (European Community Statistics on Income and Living Conditions) basieren, hervor.

Definitionsgemäß gilt als von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht, wer mindestens eines der folgenden drei Kriterien erfüllt: Haushaltseinkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze, Haushalt mit erheblicher materieller Entbehrung (Deprivation) oder Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung.

Seit Jahren auf hohem Niveau

Im Vergleich zu allen 28 Ländern der gesamten Europäischen Union (EU-28), in der für 2015 ein Wert von 23,7 Prozent ausgewiesen wird, schneidet Deutschland über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg besser ab. Allein auf die Armutsgefährdung bezogen lag der Anteil der Bundesbürger mit 16,7 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt von 17,3 Prozent. In Deutschland waren Frauen etwas häufiger als Männer und unter 65-Jährige etwas häufiger als Personen ab 65 Jahren betroffen.

Laut Destatis gilt eine Person „nach der EU-Definition für EU-SILC als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt (Schwellenwert der Armutsgefährdung). 2015 lag dieser Schwellenwert für eine alleinlebende Person in Deutschland bei 1.033 Euro im Monat und war damit höher als im Berichtsjahr 2014 (987 Euro im Monat). Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren lag der Schwellenwert im Berichtsjahr 2015 bei 2.170 Euro im Monat“.

Mehr als vier Prozent leben mit erheblichen materiellen Entbehrungen

Unter erheblicher materieller Entbehrung litten im vergangenen Jahr in Deutschland 4,4 Prozent der Bevölkerung, EU-weit waren es hingegen 8,1 Prozent.

Erhebliche materielle Entbehrung liegt nach der EU-Definition für EU-SILC vor, wenn aufgrund der Selbsteinschätzung des Haushalts mindestens vier der folgenden Kriterien erfüllt sind: Aufgrund finanzieller Probleme ist man nicht in der Lage:

  • die Miete oder Hypothek rechtzeitig zu zahlen,

  • die Wohnung angemessen zu heizen,

  • unerwartete Ausgaben in einer bestimmten Höhe zu begleichen,

  • jeden zweiten Tag Fleisch, Fisch oder eine gleichwertige vegetarische Mahlzeit einzunehmen,

  • mindestens einmal im Jahr eine Woche Urlaub woanders als zu Hause zu verbringen,

  • sich zumindest einen Pkw im Haushalt zu leisten,

  • eine Waschmaschine zu haben,

  • ein Farbfernsehgerät zu haben,

  • ein Telefon zu haben.

Geringe Erwerbsbeteiligung

Trotz der sich seit Jahren verbessernden Lage am Arbeitsmarkt und einer Rekorderwerbstätigkeit leben in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen 10,6 Prozent in einem Haushalt mir sehr geringer Erwerbsbeteiligung.

Eine sehr geringe Erwerbsbeteiligung liegt in einem Haushalt laut EU-Definition für EU-SILC vor, wenn die tatsächliche Erwerbsbeteiligung (in Monaten) der im Haushalt lebenden, erwerbsfähigen 18- bis 59-jährigen Haushaltsmitglieder weniger als 20 Prozent der möglichen Erwerbsbeteiligung beträgt. Ein Ehepaar würde eine 100-prozentige Erwerbsbeteiligung erreichen, wenn beide jeweils zwölf Monate erwerbstätig sind. Arbeitet jedoch nur einer und dieser nur für vier Monate im Jahr, liegt er unter den 20 Prozent der möglichen Erwerbsbeteiligung von maximal 24 Monaten.

Fast jeden kann die Armut treffen

Die Daten zeigen, dass bei vielen das Einkommen für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung nicht reicht. Bei fast jedem können diverse Risiken wie Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit oder Unfall zu erheblichen Einkommenseinbußen führen und damit zum Armutsrisiko werden.

Die private Versicherungswirtschaft bietet eine Vielzahl von Vorsorgelösungen, damit der Einzelne die finanziellen Folgen solcher Ereignisse abfedern kann. Wichtig ist insbesondere eine frühzeitige und ausreichende Absicherung.

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