Grundsicherung: Rund eine Million Rentner benötigt Hilfe

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Etwa 512.000 Altersrentner und 483.000 Erwerbsminderungsrentner erhalten staatliche Finanzhilfen, ebenso wie schätzungsweise 10.000 bis 15.000 statistisch nicht erfasste Grundsicherungsbezieher.

Die Anzahl der Menschen in Deutschland, die im Alter oder wegen Erwerbsminderung auf Grundsicherung gemäß SGB XII angewiesen sind, ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen, und zwar um 2.000 bis 7.000.

Die exakten Zahlen konnte die Behörde aufgrund eines Softwarefehlers bei der Umstellung der Statistik noch nicht nennen. Bislang sei die Grundsicherung jährlich von den Landesämtern erfasst worden, seit 2015 werde sie vierteljährlich zentral vom Bundesamt erhoben.

Frauen in Westdeutschland am stärksten betroffen

Besonders betroffen sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts Menschen über 65 Jahre in den alten Ländern. Im März 2015 bezogen hier 34 von 1.000 Frauen und 28 von 1.000 Männern dieses Alters Leistungen der Grundsicherung.

In den neuen Ländern einschließlich Berlin seien es jeweils 19 von 1.000 Frauen und Männern gewesen.

Große Schätzunsicherheiten bei den Zahlen

Den Wiesbadener Statistikern zufolge bekamen im ersten Quartal 2015 schätzungsweise 1,004 bis 1,009 Millionen Menschen die staatliche Leistung. Ende 2014 waren es 1,002 Millionen.

Neben den rund 512.000 Empfängern von Grundsicherung im Rentenalter gab es im März 2015 deutschlandweit rund 483.000 Bezieher von Grundsicherung wegen voller Erwerbsminderung im Alter von mindestens 18 Jahren.

Damit bezogen im März 2015 offiziell rund 995.000 volljährige Menschen in Deutschland Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung – bei einer geschätzten Untererfassung von etwa 10.000 bis 15.000.

Kommentar des VdK

Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, sagt zu den aktuellen Zahlen zur Grundsicherung: Leider setze sich der Trend zur Armut fort. Die Zahlen seien alarmierend. Beunruhigend seien vor allem die gestiegenen Zahlen bei Frauen im Rentenalter, die Grundsicherung beantragen müssten.

Die Grundsicherung für Menschen im Alter von über 65 Jahren oder bei Erwerbsminderung erhielten Rentner bzw. Erwachsene, deren Erwerbsfähigkeit permanent eingeschränkt sei. 758 € monatlich seien im März 2015 durchschnittlich als Grundsicherungsbetrag gezahlt worden. Davon blieben laut Statistik lediglich 460 € zur freien Verfügung, da Kosten für Wohnen und Heizen sowie vorhandenes eigenes Einkommen abgezogen würden.

Neben Erwerbslosen sowie Alleinerziehenden und ihren Familien seien immer mehr Rentnerinnen und Rentner von Armut betroffen. Keine andere Bevölkerungsgruppe zeige eine rasantere Armutsentwicklung, sagte Mascher. Vor allem bei der Grundsicherung müssten die Grundsicherungsbeträge im Alter an den realen Bedarf angepasst werden. Ältere Menschen seien von den Preissteigerungen etwa für Mobilität oder für Medikamente und Hilfsmittel, die aus eigener Tasche bezahlt werden müssten, besonders betroffen.

Außerdem müsse ein Freibetrag von 100 € auf Rentenansprüche und Leistungen aus privater Vorsorge geschaffen werden, damit zum Beispiel die Mütterrente auch tatsächlich bei den älteren Frauen ankomme, die davon eine Verbesserung ihrer Lebenssituation erwarten.

Für die Zunahme der Armut im Alter macht der Sozialverband VdK die Rentenentwicklung der letzten Jahre verantwortlich. Man erkenne, dass das Absenken des Rentenniveaus nicht spurlos an den Rentnerinnen und Rentnern vorbeigehe. Das Rentenniveau müsse bei 50 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns stabilisiert werden. Erforderlich sei hierzu die dauerhafte Streichung der Dämpfungsfaktoren in der Rentenanpassungsformel.

Um eine spürbare Verringerung des Armutsrisikos zu erreichen, müssten zudem die Abschläge für Erwerbsminderungsrentner von 10,8 Prozent abgeschafft werden. Hier lägen die durchschnittlichen Zahlbeträge bei Neurenten sogar unterhalb des Grundsicherungsniveaus.

Der VdK sieht als Instrument für eine spürbare Bekämpfung der Armut im Allgemeinen und der Altersarmut im Besonderen vorbeugende Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt. Leih- und Zeitarbeit, befristete Arbeitsverhältnisse sowie Teilzeit- und Minijobs würden der Armut, vor allem bei Frauen, Vorschub leisten. Um Armut im Alter zu vermeiden, müssten diese prekäre Beschäftigungsverhältnisse eingedämmt werden.

Um späterer Altersarmut vorzubeugen, ist es ratsam, rechtzeitig auf Konsum zu verzichten und regelmäßig Geld für den Ruhestand zurückzulegen. Wie das am besten geht, lesen Sie in unserem Finanzratgeber Ruhestandsplanung .

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