Wenn das Ende eines Beschäftigungsverhältnisses absehbar ist

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Häufig können ältere Arbeitnehmer schon lange vorher absehen, dass ihr Arbeitsverhältnis demnächst aller Voraussicht nach endet. Das gilt etwa dann, wenn ein Projekt, mit dem sie in den letzten Jahren beschäftigt waren, wegbricht. In solchen Fällen kann es sich gleich mehrfach lohnen, noch in der Beschäftigungszeit ein zweites Beschäftigungsstandbein aufzubauen.

Ein Vorteil besteht auf jeden Fall: Sollten die Betroffenen dann arbeitslos werden, können sie ihren Nebenjob neben dem Bezug von Arbeitslosengeld in vielen Fällen weiterhin ausüben – und zwar ohne dass das Arbeitslosengeld I gekürzt wird. Wird ein Nebenjob dagegen erst während des Bezugs von ALG I aufgenommen, so bleiben nur 165,00 € im Monat anrechnungsfrei.

Zweit- und Drittjobs kommen auch in Deutschland zunehmend in Mode – häufig auch deshalb, weil der Hauptjob nicht zur Sicherung des Lebensunterhalts ausreicht. Besonders interessant wird ein Zweitjob, wenn die Betroffenen ihren Hauptjob verlieren, den Zweitjob aber weiter ausüben. In diesem Fall gilt beim Arbeitslosengeld I eine Sonderregelung: Die Betroffenen dürfen von ihren Nebeneinkünften nicht nur – wie andere Arbeitslose – 165,00 € behalten, sondern vielfach den vollen Verdienst. Für selbstständige Nebentätigkeiten gilt diese Regelung ohne eine Begrenzung des Verdienstes nach oben. Für abhängige Beschäftigungsverhältnisse gilt die Regelung de facto in erster Linie nur für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse mit einem Monatsverdienst von maximal 450,00 €. Bei umfangreicheren Nebenjobs über die Geringfügigkeitsgrenze hinaus gelten die weniger interessanten Regelungen zum Teilarbeitslosengeld (siehe unten).

12-Monats-Regel

Die skizzierte Regelung zur Einkommenssicherung greift allerdings nicht, wenn der Nebenjob erst kurz vor dem Ende des Hauptbeschäftigungsverhältnisses aufgenommen wurde. Die genaue Regelung sieht so aus: Anrechnungsfrei ist das Nebeneinkommen, das die Betroffenen in den zwölf Monaten vor dem Bezug von ALG I im Schnitt monatlich erzielt haben. Diese vorteilhafte Bestimmung gilt aber nur dann, wenn die Erwerbslosen die Nebenbeschäftigung in den letzten 18 Monaten vor dem Eintritt der Arbeitslosigkeit mindestens zwölf Monate ausgeübt haben (§ 155 Abs. 2 SGB III).

Fortführung einer selbstständigen Tätigkeit führt manchmal zu Misstrauen

Wer in der Arbeitslosigkeit seinen früher bereits ausgeübten selbstständigen Nebenjob fortführt, wird von den Arbeitsagenturen mitunter mit Argusaugen beobachtet. Denn dann ist die Vermutung nicht ganz abwegig, dass die Betroffenen eigentlich die selbstständige Beschäftigung zu ihrem Hauptjob machen möchten und gar nicht mehr an einer Arbeitsaufnahme interessiert sind. Dies gilt besonders dann, wenn der letzte versicherungspflichtige Job freiwillig aufgegeben wurde (was ohnehin eine Sperre des Arbeitslosengelds in der Regel für 12 Wochen nach sich zieht). In solchen Fällen sind die Arbeitsagenturen gehalten, besonders zu prüfen, ob Sie überhaupt Anstrengungen zur Beschäftigungssuche unternehmen. Ist dies nicht der Fall, wird das ALG I gestrichen.

Verlust des sozialversicherungspflichtigen Zweitjobs: Anspruch auf Teilarbeitslosengeld

Wer zuletzt zwei sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse hatte und eines davon verliert, hat Anspruch auf Teilarbeitslosengeld (Teil-ALG I). Die Höhe dieser Leistung ist von der Höhe des Arbeitsentgelts des verlorenen Jobs abhängig. Die Leistung erhält allerdings nur, wer innerhalb der letzten beiden Jahre vor dem Jobverlust mindestens während 12 Monaten zwei Beschäftigungsverhältnisse hatte. Zudem wird Teil-ALG I maximal für sechs Monate gewährt. In diesem Zeitraum werden die (unverändert hohen oder niedrigeren) Einkünfte aus dem noch bestehenden Beschäftigungsverhältnis nicht auf das Teil-ALG I angerechnet. Höhere Einkünfte mindern das Teil-ALG I jedoch in vollem Umfang.

Quelle: "Der GeldBerater", März 2014

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