Mit Qualifizierung den Job sichern

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Arbeitsagenturen helfen nicht nur Arbeitslosen bei der Weiterbildung, sondern auch Arbeitnehmern. Dafür stehen in diesem Jahr mehr Mittel denn je zur Verfügung. Das Programm, das dies ermöglicht, trägt das Kürzel WeGebAU.

Die Abkürzung steht für Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen. Das Besondere an dieser Weiterbildungsinitiative: Es geht nicht um die Qualifizierung von Arbeitslosen. Das Programm richtet sich vielmehr an Beschäftigte. 2017 wird die Förderung massiv ausgedehnt. Für das Programm stehen in diesem Jahr 640 Mio. Euro zur Verfügung. 2016 waren es nur 280 Mio. Euro.

Darüber hinaus gibt es nun Sonderkonditionen für Arbeitnehmer aus Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten. Die berufliche Weiterbildung dieser Beschäftigten kann nun zu 100 % von der Bundesagentur für Arbeit gefördert werden. Das gilt für Beschäftigte jeden Alters. Die Schulung kann innerhalb oder außerhalb der regulären Arbeitszeit stattfinden. Werden Beschäftigte dafür ganz oder teilweise freigestellt, braucht der Arbeitgeber für die wegfallende Arbeitszeit keinen Lohn zu zahlen. Die Arbeitsagentur sorgt dann für einen vollen Lohnausgleich. Diese Neuregelung findet sich übrigens im Flexirentengesetz, das in weiten Teilen zum 1.1.2017 in Kraft getreten ist.

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Gefördert werden kann etwa ein technischer Zeichner, der in einem kleinen Ingenieurbüro arbeitet. An seinem Arbeitsplatz benötigt er Kenntnisse in CAD. Für ihn kommt beispielsweise eine Weiterbildung in rechnerunterstütztem Zeichnen, Entwerfen und Konstruieren infrage. Ein anderes Beispiel sind Sprechstundenhilfen, die mit dem Computer nicht besonders vertraut sind. Sie können etwa eine Ausbildung in Praxissoftware absolvieren.

Ziel der Weiterbildung ist, dass der Arbeitsplatz der Beschäftigten sicherer gemacht werden soll. Es soll eben verhindert werden, dass eine Sprechstundenhilfe, die bei der Praxissoftware Defizite hat, entlassen wird. Sie würde sich dann nämlich auch schwertun, einen neuen Job zu finden. Bei der Weiterbildungsförderung handelt es sich immer um Ermessensleistungen der Arbeitsagenturen. Sie müssen also z. B. prüfen, ob eine beantragte Aus- oder Weiterbildung arbeitsmarktlich sinnvoll ist. Aber in den genannten Fällen ist dies mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit so.

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Beschäftigte in Betrieben mit weniger als 250 Arbeitnehmern

Eine weitere Förderungsmöglichkeit besteht für Arbeitnehmer ab 45 Jahren, die in Betrieben mit weniger als 250 Beschäftigten tätig sind. Diese Fördermöglichkeit besteht grundsätzlich für alle Arbeitnehmer, die diese Voraussetzung erfüllen – auch für qualifizierte Kräfte, beispielsweise für den bereits erwähnten technischen Zeichner, der zusätzliche CAD-Kenntnisse erwerben will, aber in einem Betrieb mit mehr als zehn Beschäftigten arbeitet. In diesen Fällen können 75 % der Lehrgangskosten erstattet werden.

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Geringqualifizierte können gefördert werden

Beschäftigte ohne Berufsausbildung können beim Nachholen von Qualifikationen generell gefördert werden. Die Unternehmensgröße spielt dabei keine Rolle. Das gilt auch für Arbeitnehmer, die längere Zeit – mehr als vier Jahre – nicht mehr in ihrem Beruf tätig waren. Bei der Berechnung dieser vier Jahre werden nun auch Zeiten der Arbeitslosigkeit, Kindererziehung oder Angehörigenpflege mitgezählt. Für die Betroffenen können die vollen Lehrgangskosten übernommen werden. Wenn der Arbeitgeber sie unter Fortzahlung des Arbeitsentgelts freistellt, kann der Arbeitgeber von der örtlichen Arbeitsagentur einen Zuschuss zu Arbeitsentgelt und Sozialversicherungsbeiträgen erhalten.

Die Förderung kommt beispielsweise infrage für Bäcker oder Friseure, die berufsfremd arbeiten. Nehmen wir als Beispiel einen 42-Jährigen, der ursprünglich Bäcker gelernt hat. In diesem Job sah er aber keine Perspektive. Deshalb ging er in einen großen Chemiebetrieb. Dort arbeitet er schon seit 15 Jahren, übt faktisch einen Chemikantenjob aus – allerdings ohne diesen Beruf erlernt zu haben. In der nächsten Krise verliert der Betroffene möglicherweise seine Arbeit und dürfte es dann ohne formalen Abschluss als Chemikant schwer haben, woanders eine Arbeit in seinem jetzt ausgeübten Beruf zu finden. Deshalb kann ihm die örtliche Arbeitsagentur eine Ausbildung zum Chemikanten finanzieren.

Verlangt wird, dass das Arbeitsverhältnis während der Ausbildung weiterbesteht, der Arbeitgeber ihm weiter Lohn zahlt, es sich um eine anerkannte Aus- oder Weiterbildung handelt und diese nicht auf den Betrieb zugeschnitten ist, sondern Qualifikationen für den allgemeinen Arbeitsmarkt bietet. Die Ausbildung kann übrigens auch abends oder in Teilzeit erfolgen. In der Regel findet sie aber in Vollzeit statt.

Wer an diesen Fördermöglichkeiten interessiert ist, sollte bei der örtlichen Arbeitsagentur vorsprechen und sich dort über Weiterbildungsmöglichkeiten informieren. Bei der Beratung kann dann gegebenenfalls schon ein Bildungsgutschein ausgestellt werden. Und es kann besprochen werden, wie der Arbeitgeber bei der gewünschten Weiterbildung eingebunden werden kann.

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