Finanzierung einer Weiterbildung durch Arbeitslosengeld möglich – auch ohne Sperrzeit

 - 

Arbeitslosen finanziert die Bundesagentur für Arbeit häufig eine berufliche Weiterbildung – bei Fortzahlung des Arbeitslosengeldes. Doch geht es auch umgekehrt? Kann man seinen Arbeitsplatz aufgeben und die Weiterbildung dann durch Arbeitslosengeld finanzieren? Oder tritt dann eine Sperrzeit ein?

Das Sozialgericht Karlsruhe hat am 8.11.2016 (Az. S 17 AL 1291/16, rechtskräftig) entschieden, dass in einem solchen Fall eine Sperre jedenfalls dann nicht verhängt werden darf, wenn die Weiterbildung eine zusätzliche Befähigung und bessere Arbeitsmarktchancen vermittelt und nicht berufsbegleitend ausgeübt werden kann.

Aktuelle Tipps zum flexiblen Renteneintritt geben Experten in unserem praxisorientierten Ratgeber Die Flexi-Rente: Neue Chancen für Rentenversicherte und Rentner.

Gegen den Sperrzeitbescheid der Arbeitsagentur hatte ein 1992 geborener Zimmerer geklagt. Dieser hatte seinen unbefristeten Arbeitsvertrag aufgegeben, um an einem (Vollzeit-)Vorbereitungskurs zur Meisterprüfung teilnehmen zu können. Hintergrund war, dass er von seinem (früheren) Arbeitgeber keine Freistellung hierfür erhalten hatte. Die Arbeitsagentur hatte zunächst eine 12-wöchige Sperrzeit verhängt, weil der Betroffene ohne wichtigen Grund seinen Arbeitsplatz aufgegeben habe. Im Widerspruchsverfahren wurde die Sperre auf sechs Wochen reduziert (wegen Vorliegen einer besonderen Härte).

Wertvolle Expertentipps zu allen Formen der staatlich geförderten Altersvorsorge erhalten Sie in unserem umfassenden Ratgeber So schließen Sie Ihre Rentenlücke.

Das Sozialgericht Karlsruhe befand nun, jedwede Sperre sei nicht rechtens. Denn der Weiterbildungsinteressent habe für seine Kündigung einen wichtigen Grund gehabt. Mehr noch: Sein Verhalten entspreche den Interessen der Versichertengemeinschaft, da durch die Weiterbildung nicht nur das Risiko zukünftiger Arbeitslosigkeit sinkt, sondern auch die Chance künftiger höherer Beitragsleistungen besteht. Dennoch geht aus dem Urteil hervor, dass nicht jede Bildungsmaßnahme eine Kündigung rechtfertigt. Das Gericht betont, dass es sich um eine Weiterbildung gehandelt habe, die darauf gezielt habe eine bessere berufliche Stellung zu erreichen. Zudem sei in diesem Fall eine berufsbegleitende Weiterbildung schon allein wegen der Schichtarbeit des Betroffenen unmöglich gewesen.

Weiterbildungsinteressenten sollten sicherheitshalber vor der Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses Kontakt mit der örtlichen Arbeitsagentur aufnehmen. Die Agenturen bieten dabei für Beschäftigte einen Dienstleistungsnachmittag (häufig am Donnerstag) mit Sprechstunden bis 18 Uhr an. Hier kann von vornherein geklärt werden, ob während einer Weiterbildung ein nahtloser Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht. Ggf. kann in Kooperation mit der Arbeitsagentur auch das vorher bestehende Arbeitsverhältnis erhalten bleiben, indem der Betrieb des Weiterbildungsinteressenten in das Prozedere eingebunden wird.

Alles Wissenwerte zur gesetzlichen Rente einschließlich aller Neuerungen zum 1.7.2017 erfahren Sie in unserem aktualisierten Dossier Der kleine Rentenratgeber.

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.