Durch geförderte Weiterbildung kann der Arbeitsplatz gesichert werden

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Sind Sie älter als 45 Jahre? Und arbeiten Sie in einem Betrieb mit weniger als 250 Beschäftigten? Dann können die Arbeitsagenturen in Ihrem Fall eine berufliche Weiterbildung auch dann finanzieren, wenn Ihr Arbeitsverhältnis noch weiterhin besteht.

So soll – darauf zielen die entsprechenden gesetzlichen Regelungen ab – Ihr Arbeitsplatz sicherer werden. Seit dem 1.8.2016 gelten hier günstigere Regelungen.

Weiterbildung finanzieren die Arbeitsagenturen im Regelfall nur für Arbeitslose bzw. bei drohender Arbeitslosigkeit. Eine Ausnahme gilt für Beschäftigte ab 45 Jahren. Die Arbeitsagenturen können für diese die Kosten einer Weiterbildung übernehmen. Voraussetzung: Der Betrieb, in dem die Betroffenen tätig sind, hat weniger als 250 Beschäftigte. Diese Regeln sollen verhindern, dass Ältere überhaupt ihren Job verlieren.

Beispiel:

Wie das funktionieren kann, zeigt das Beispiel von Erika Santel (46), die seit 30 Jahren Arzthelferin ist. Sie liebt ihren Job: Was sie allerdings nicht mag, ist die EDV. Um die Praxissoftware macht sie deshalb einen weiten Bogen. Diesen Teil der Arbeit hat bislang ihre junge Kollegin übernommen. Stress in der Praxis und Unstimmigkeiten mit dem Chef gibt es allerdings immer dann, wenn Erika Santel in der Urlaubszeit die Praxis alleine organisieren muss – ohne mit der EDV klarzukommen.

Genau für solche Fälle ist die Weiterbildungsförderung für ältere Beschäftigte vorgesehen. Für Frau Santel käme etwa eine Anpassungsfortbildung mit den Modulen EDV-gestützte Praxisverwaltung und Abrechnungswesen infrage. Beantragen muss sie (und nicht der Arbeitgeber) diese Förderung bei der örtlichen Arbeitsagentur. Über die Angebote vor Ort – die sich erheblich unterscheiden – informieren die örtlichen Arbeitsagenturen.

Für andere Ältere käme etwa ein Kurs zum sicheren Umgang mit dem PC, dem Office-Paket und dem Internet infrage. Denkbar ist auch etwa die Fortbildung einer Verkäuferin zur Verkaufsleiterin oder einer Altenpflegerin zur Wohnbereichsleiterin.

Fragen Sie bei der Arbeitsagentur nach dem oder den Verantwortlichen für das Projekt WeGebAU. Dabei handelt es sich nicht um eine Baumaßnahme, sondern um die Abkürzung für das Programm Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen.

Für den Lebensunterhalt während der Weiterbildung kommt zunächst einmal der Arbeitgeber auf. Der Lohn muss nämlich während der Weiterbildung weiter fließen – ebenso die Sozialversicherungsbeiträge. Der Arbeitgeber kann aber bei der örtlichen Arbeitsagentur für die Zeit, in der der Arbeitnehmer wegen der Weiterbildung keine Arbeitsleistung erbringt, Zuschüsse erhalten. Die Agentur kann den vollen Lohn übernehmen – einschließlich der Sozialversicherungsbeiträge. Dies regelt § 235 c SGB III.

Diese Variante wurde jetzt erweitert: Nun kann die Bundesagentur für Arbeit (BA) auch Weiterbildungen von Beschäftigten in Klein- und Mittelbetrieben fördern, die außerhalb der Arbeitszeit stattfinden. Die Regelung ist altersunabhängig, wenn sich der Arbeitgeber zu 50 % an den Kosten der Weiterbildung beteiligt und die Maßnahme vor Ende 2020 beginnt. Wichtig ist allerdings: Arbeitgeber müssen in jedem Fall zunächst in Vorleistung treten. Beachten sollten Sie zudem: Auf die Förderung besteht kein Rechtsanspruch. Es handelt sich um Kann-Leistungen. Hier gilt der Grundsatz: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Die einzelnen Dienststellen der Arbeitsagenturen fördern keineswegs alle Arten von Bildungsmaßnahmen, sondern nur diejenigen, deren Förderung ihnen sinnvoll erscheint. Diese Kurse werden dann in die sogenannte Bildungszielplanung der örtlichen Arbeitsagenturen aufgenommen. Unter der Adresse www.arbeitsagentur.de kann man im Suchfeld den jeweiligen Ort und das Stichwort Bildungszielplanung angeben. Darüber hinaus kann man versuchen, vor Ort einen auskunftsbereiten Arbeitsvermittler zu finden. Das ist allerdings manchmal gar nicht so einfach. Die Agenturen gehen nämlich davon aus, dass es keinen Sinn macht, zu veröffentlichen, welche Bildungsziele allgemein gefördert werden. Schließlich komme es auf die Einzelfallsituation des jeweiligen Arbeitsuchenden an.

Ab 2017 soll die Weiterbildung von Arbeitnehmern in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten durch Übernahme der vollen Weiterbildungskosten gefördert werden. Diese Regelung soll altersunabhängig gelten, also auch für jüngere Arbeitnehmer. Es soll keine Rolle mehr spielen, ob die Weiterbildung innerhalb oder außerhalb der Arbeitszeit stattfindet. Das sieht das Flexi-Gesetz vor, das bei Redaktionsschluss dieser aktuellen Informationen allerdings noch nicht endgültig verabschiedet war.

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