Ältere Arbeitnehmer: Bei Arbeitslosigkeit Vorteile durch geschickte Gestaltung von Nebenjobs

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Wenn ältere Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verlieren, haben sie genau wie jüngere Anspruch auf Arbeitslosengeld I – und zwar meist für 24 Monate. Häufig reicht der Leistungsanspruch jedoch nicht bis zur Rente. Doch da gibt es einen Trick.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer wird im Alter von 591/2 Jahren arbeitslos, Altersrente kann er jedoch frühestens mit 63 Jahren erhalten. In diesen Fällen bietet es sich häufig an, zwischenzeitlich selbstständige Tätigkeiten auszuüben oder kurze sozialversicherte Zwischenjobs anzunehmen. Dann meldet man sich zeitweise aus der Arbeitslosigkeit und dem Bezug von Arbeitslosengeld I ab und steigt anschließend wieder in den Bezug der Leistung ein. Im Folgenden erfahren Sie, worauf dabei zu achten ist.

Auch für Arbeitslose ist Nebentätigkeit erlaubt

Grundsätzlich ist für Arbeitslose eine Nebentätigkeit erlaubt. Die Nebentätigkeit muss allerdings angemeldet sein und sie muss weniger als 14,9 Stunden pro Woche umfassen. Wer 15 Stunden oder länger pro Woche arbeitet (hierbei zählt die Kalenderwoche, die von Montag bis einschließlich Sonntag geht), gilt nicht mehr als arbeitslos. Gerade bei dieser 14,9-Stunden-Regel steckt der Teufel im Detail. So zählt beispielsweise bei Lehr- und Vortragszeiten die Vorbereitungszeit mit.

Wer eine Nebentätigkeit aufnimmt, sollte sich daher vorab bei der Arbeitsagentur genau nach den Regularien erkundigen. Nachteil des Modells angemeldete Nebentätigkeit bei gleichzeitigem Bezug von Arbeitslosengeld I ist ferner: Bis auf einen Freibetrag in Höhe von 165,00 € im Monat werden die Einkünfte mit dem ALG I verrechnet. Und: In der Zeit, in der die Nebeneinkünfte erzielt werden, läuft der Anspruch auf ALG I unverändert weiter ab. Auch ältere Arbeitslose haben maximal nur Anspruch auf zwei Jahre Arbeitslosengeld I.

Abmeldung beim Amt häufig günstiger

Eine kurzfristige Abmeldung bei der Arbeitsagentur kann Vorteile bringen, und das geht so: Gerade bei flexiblen Nebentätigkeiten ist es die Regel, dass die Betroffenen ihre Arbeitszeit recht frei gestalten können. Beispiel: Ein Arbeitsloser hilft innerhalb eines Monats in einer Gaststätte für 40 Stunden als Kellner aus. Die Aufteilung dieser Arbeitszeit ist beliebig. Oder: Ein Journalist (oder auch ein Grafiker) hat die Möglichkeit, zwischenzeitlich freiberufliche Aufträge anzunehmen.

In solchen Fällen kann die Arbeitszeit in einem kurzen Zeitraum zusammengeballt werden. Der Aushilfskellner kann also sämtliche 40 Arbeitsstunden in eine einzige Beschäftigungswoche legen. In dieser Zeit hat er dann ein ganz normales sozialversichertes Beschäftigungsverhältnis. Journalisten oder Grafiker sind in dem Zeitraum, in dem sie Aufträge abarbeiten, ganz normale Freiberufler bzw. Selbstständige.

In diesen Beschäftigungszeiten melden sich nun die Betroffenen bei der Arbeitsagentur ab. Ein Unterstützungsanspruch besteht dann zwar nicht mehr, dafür aber ein anderer Vorteil: Die Betroffenen können jetzt ihre Einkünfte ungekürzt behalten (bis auf die ggf. zu entrichtenden Steuern und Sozialversicherungsbeiträge). Weiterer Vorteil: Während der Abmeldungszeit wird der Anspruch auf ALG I nicht aufgebraucht. Nach der Beschäftigungszeit können die Betroffenen – sofern sie sich erneut bei der Arbeitsagentur als arbeitslos melden – wieder das volle ALG I bekommen.

Gerade wenn Sie befürchten müssen, längere Zeit ohne Job zu bleiben, ist es für Sie von Vorteil, wenn Sie sich durch eine zeitweise Abmeldung bei der Arbeitsagentur Ihren Anspruch auf ALG I aufsparen. Für rentennahe Jahrgänge ist wichtig: So kann der Anspruch auf ALG I ggf. bis zum Erreichen des regulären Rentenalters gestreckt werden.

Denn bei Rentenanwartschaften gilt: Jeder Kalendermonat, in dem mindestens ein Tag mit Pflichtbeiträgen belegt ist, zählt als voller Monat mit Pflichtbeiträgen. Das bedeutet beispielsweise: Wenn Sie vom 28.2. bis zum 3.3.2014 arbeitslos gemeldet sind und (das rentenbeitragspflichtige) Arbeitslosengeld I beziehen, ist Ihr Rentenkonto mit zwei Monaten Pflichtbeiträgen belegt.

Wenn Sie Ihre Arbeitslosigkeit für weniger als sechs Wochen unterbrechen und der Arbeitsagentur das Ende des Unterbrechungszeitraumes vorher mitteilen, müssen Sie sich nach dem Ablauf der Unterbrechungszeit nicht erneut bei der Arbeitsagentur arbeitslos melden und keinen neuen Antrag auf ALG I stellen. Denn die Leistungen von der Agentur werden nach der angemeldeten Unterbrechungszeit dann ohne erneute Meldung weitergezahlt. Dieses Verfahren sollten Sie allerdings in jedem Fall mit der Arbeitsagentur genau absprechen!

Wichtig ist weiter: Wenn Sie sich zwischenzeitlich bei der Arbeitsagentur für eine freiberufliche/selbstständige Tätigkeit abmelden, müssen Sie sich unter Umständen in der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig krankenversichern, weil dann keine Pflichtversicherung mehr besteht. Erkundigen Sie sich im Zweifel bei Ihrer Krankenkasse. Der Beitrag wird dabei im Regelfall mindestens auf einer Bemessungsgrundlage von 2.073,75 € (monatlich, 2014) berechnet.

ALG-I-Ansprüche bleiben nur vier Jahre lang erhalten

Achtung: Wer seine Ansprüche auf das ALG I flexibel nutzt, sollte auch das Verfallsdatum des ALG-I-Anspruchs im Auge behalten: Der bestehende Anspruch bleibt nämlich nur vier Jahre lang erhalten.

Beispiel:

Ein 60-jähriger Arbeitnehmer verliert seinen Arbeitsplatz. Er meldet sich zum 1.2.2014 arbeitslos und beantragt ALG I. Dieses wird ihm aufgrund seiner langen Vorversicherungszeit für 24 Monate bewilligt. Nach drei Monaten hat er Aufträge als selbstständiger Autor akquiriert und meldet sich bei der Arbeitsagentur ab. Die Zahlung von ALG I wird damit gestoppt. Bis zu diesem Zeitpunkt sind drei Monate des Anspruchs verbraucht. Es verbleibt ein Restanspruch von 21 Monaten. Dieser kann bei einer erneuten Arbeitslosigkeit bis Ende Januar 2018 abgerufen werden, ab dem 1.2.2018 jedoch nicht mehr. Denn dann ist die 4-Jahres-Frist abgelaufen. Bei einer Arbeitslosmeldung am 31.1.2018 kann der dann noch vorhandene Restanspruch jedoch voll genutzt werden, allerdings maximal bis zum Erreichen des regulären Rentenalters. Dieses liegt für einen 1954 geborenen Arbeitnehmer bei 65 Jahren und acht Monaten.

Quelle: "Der GeldBerater", August 2014

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