Wie lange Unternehmen auf ihr Geld warten müssen

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(verpd) Die griechischen und italienischen Unternehmen warten am längsten darauf, dass ihre Geschäftskunden ihre Rechnungen bezahlen. In Deutschland zahlen mehr als die Hälfte der Kunden innerhalb der Zahlungsfrist, obwohl die Kunden der deutschen Unternehmen mit 20 Tagen auch am wenigsten Zeit haben, ihre Verbindlichkeiten zu bezahlen. Dies zeigt eine aktuelle Studie eines Kreditversicherers.

Unternehmen in Griechenland und Italien kämpfen am häufigsten mit überfälligen Rechnungen und nicht einziehbaren Forderungen. In Deutschland ist die Zahlungsmoral im Vergleich zu anderen europäischen Ländern durchschnittlich gut. Das zeigt das aktuelle Zahlungsmoralbarometer eines Kreditversicherers. Für die Studie wurden im ersten Quartal 2015 etwa 3.000 Unternehmen aus 13 Ländern Europas befragt.

Die Mehrheit der Kunden in Deutschland zahlt fristgerecht

In Italien stehen über 50 Prozent der inländischen Forderungen auch nach dem Fälligkeitstermin noch aus, in Griechenland 45 Prozent. In Schweden sind zu dem Zeitpunkt dagegen nur noch 20 Prozent und damit relativ am wenigsten Rechnungen offen.

In Deutschland wurden 41,6 Prozent des Gesamtwerts der inländischen Business-to-Business-Forderungen zu spät bezahlt. Das entspricht etwa dem westeuropäischen Durchschnitt (40,2 Prozent). Der Anteil überfälliger Rechnungen ausländischer Geschäftskunden lag bei den deutschen Befragten bei 39,2 Prozent.

Die in- und ausländischen Geschäftskunden von deutschen Firmen bezahlen ihre überfälligen Rechnungen im Durchschnitt 20 Tage nach dem Fälligkeitstermin. Das entspricht dem Studiendurchschnitt.

Hiesige Unternehmen haben kürzeste Zahlungsfrist

Die befragten Unternehmen in Deutschland gewähren ihren inländischen Kunden im Durchschnitt eine Zahlungsfrist von 20 Tagen. Diese Frist hat sich in den vergangenen zwei Jahren um fünf Tage verkürzt und liegt 14 Tage unter dem Durchschnittswert für Westeuropa und ist die kürzeste Zahlungsfrist in allen untersuchten Ländern.

Den ausländischen Geschäftskunden wird mit 25 Tagen im Schnitt etwas mehr Zeit für die Bezahlung von Rechnungen eingeräumt. Das sind der Untersuchung zufolge sieben Tage weniger als im westeuropäischen Durchschnitt.

Unter allen untersuchten Ländern gewähren die Firmen aus Griechenland, Italien und Spanien mit einer Frist von 51 bis 70 Tagen mit Abstand die längsten Zahlungsziele in Europa.

Verzug durch Liquiditätsprobleme

Fast 55 Prozent der befragten deutschen Unternehmen gaben an, dass Zahlungsverzug im Inland meist die Folge von Liquiditätsproblemen der Geschäftskunden ist. Im westeuropäischen Durchschnitt sah es ebenfalls etwas mehr als die Hälfte der Befragten so.

In Griechenland haben sogar 84 Prozent der Befragten die mangelnden finanziellen Mittel als Grund für verspätete Zahlungen ihrer Geschäftspartner im Inland angegeben. In Italien liegt der Wert bei 73 Prozent.

Für 39,5 Prozent der Deutschen und 37 Prozent in Westeuropa sind Liquiditätsprobleme auch der häufigste Grund für Zahlungsverzögerungen aus dem Ausland. An zweiter Stelle, mit 48 Prozent für das Inland, nennen die deutschen Unternehmen die Ausnutzung ausstehender Rechnungen als Finanzierungsinstrument. Das ist deutlich mehr als der Studiendurchschnitt von etwa einem Drittel und entspricht dem höchsten Prozentsatz in den untersuchten Ländern.

Griechenland muss am meisten Zahlungsausfälle abschreiben

Bei den Zahlungsausfällen ist der Umfrage zufolge Griechenland Spitzenreiter. Insgesamt 3,3 Prozent vom Gesamtwert der offenen Forderungen können nur noch als Verlust abgeschrieben werden, dicht gefolgt von Italien mit 2,5 Prozent.

Der Durchschnitt liegt bei 1,2 Prozent, Deutschland liegt mit 0,7 Prozent darunter. Ein weiteres Studienergebnis ist, dass uneinbringliche B2B-Forderungen im Inland meistens in den Branchen Dienstleistungen, Bau und langlebige Verbrauchsgüter auftreten.

Bei 73,3 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland konnten Forderungen hauptsächlich aufgrund von Zahlungsunfähigkeit oder Geschäftsaufgabe des Kunden nicht mehr eingezogen werden. In allen befragten Ländern liegt der Durchschnitt bei rund zwei Dritteln.

Absicherung gegen Zahlungsmuffel

Unternehmen, die das finanzielle Risiko von Zahlungsausfällen vermindern möchten, finden übrigens in der Versicherungswirtschaft entsprechende Lösungen. Eine Forderungsausfall-Police, auch Warenkredit-Versicherung genannt, springt ein, wenn berechtigte und nachweisliche Forderungen aus Warenlieferungen sowie aus Werk- und Dienstleistungen in einem bestimmten Zeitraum nicht bezahlt wurden.

Die Forderungsausfall-Versicherung erspart dem Unternehmen dabei den oftmals erfolglosen Gang zum Anwalt oder zum Inkassobüro. Um es gar nicht zum Schaden kommen zu lassen, werden je nach Vertragsvereinbarung durch den Versicherer Kreditprüfungs- und Überwachungsaufgaben übernommen.

Sollte es dennoch zu Forderungsausfällen kommen, werden diese abzüglich einer vereinbarten Selbstbeteiligung vom Versicherer übernommen. Die Forderungsausfall-Versicherung wird für fast jede Branche und jede Firmengröße angeboten.

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