Wie es um die Zahlungsmoral von Firmenkunden steht

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(verpd) Die eher ungewisse politische Entwicklung Europas könnte zahlreiche Unternehmensinsolvenzen auslösen. Das geht aus dem kürzlich erschienenen Zahlungsmoralbarometer eines Kreditversicherers hervor. Erfreulich ist jedoch, dass aktuell trotz häufigem Zahlungsverzug nur ein Bruchteil aller gestellten Rechnungen nicht beglichen wird.

Das regelmäßig erhobene Zahlungsmoralbarometer eines Kreditversicherers zeigt auf, wie sich politische Entwicklungen in Europa auf die Zahlungsmoral von Firmenkunden auswirken. Dafür wurden 2.769 Interviews mit Unternehmen aus 13 europäischen Ländern geführt. In Deutschland wurden 218 Firmen in die Umfrage für die Studie miteinbezogen.

Die Bundestagswahl im September sowie weitere europäische Parlamentswahlen können nach Ansicht der Studienherausgeber zum Auslöser zahlreicher Unternehmensinsolvenzen in Europa werden. Die Ausgänge dieser Wahlen, mögliche politische und wirtschaftliche Folgen oder Ereignisse könnten zur Zahlungsunfähigkeit von Unternehmen führen.

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Weniger Zeit zur Zahlungsbegleichung

Seit der letztjährigen Befragung gewähren vor allem deutsche Unternehmen im Vergleich zum Rest Westeuropas Firmenkunden seltener Zahlungsziele. Vor allem ausländische Kunden sind von der Abneigung gegen diese Zahlungsvereinbarung betroffen.

Während 2016 noch knapp 29 Prozent der deutschen Lieferanten ausländischer Abnehmer Forderungen mit einem Zahlungsziel begleichen ließen, macht dies aktuell nicht mal mehr jedes vierte Unternehmen.

Gegenüber inländischen Kunden hat sich diese Einstellung nur geringfügig gegenüber der Vorjahreserhebung geändert – 2017 waren es 29,2 Prozent und 2016 29,9 Prozent. Zum Vergleich: Der Durchschnitt der europäischen Unternehmen gewährt inländischen Kunden zu fast 43 Prozent und ausländischen zu 35 Prozent den Forderungsausgleich mit Zahlungsziel.

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Mehr Zahlungsverzüge als im gesamteuropäischen Raum

92 Prozent (2016: 93 Prozent) der befragten deutschen Betriebe melden mehr Zahlungsverzüge als der Studiendurchschnitt von 88 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr zahlen die Kunden deutscher Firmen jedoch etwas schneller. Gesamteuropäisch hat sich die Zahl der überfälligen Rechnungen um 0,7 Prozentpunkte verschlechtert.

Im Mittel sind Auftraggeber deutscher Unternehmen 25 Tage im Zahlungsverzug. Das sind 19 Tage weniger als der Barometer-Durchschnitt mit 44 Tagen. Die deutschen Interviewten gewähren ihren Kunden mit 24 Tagen – 2016 waren es noch 22 Tage – im Vergleich zu den Unternehmen in Westeuropa mit 32 Tagen eher kurze Zahlungsziele. Seit 2015 hat sich diese Frist jedoch stetig erhöht.

Nur Großbritannien setzt aktuell mit 23 Tagen kürzere Fristen. Das heißt, dass deutsche Unternehmen durchschnittlich 45 Tage nach Rechnungstellung mit dem Forderungsausgleich rechnen können. Das sind fünf Tage mehr als vergangenes Jahr.

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Liquidität ist das größte Problem

Überfällige Rechnungen inländischer Käufer gibt es laut den deutschen Teilnehmern zu knapp 46 Prozent (2016: 50 Prozent) aufgrund von Liquiditätsproblemen. Ausländische Kunden sind zu 38 Prozent (2016: 45 Prozent) aus diesem Grund in Verzug.

Damit liegt Deutschland bei diesem Aspekt unter dem westeuropäischen Durchschnitt von inländischem (52 Prozent) und über dem von ausländischem (34 Prozent) Zahlungsverzug wegen Liquiditätsproblemen.

Ausländische Unternehmen waren zudem häufig (28 Prozent) aufgrund technischer Probleme mit der Zahlung im Verzug. Und 15 Prozent aller befragten Unternehmen (auch in Deutschland) mussten wegen ausbleibender Beträge innerhalb des letzten Jahres gezielte Maßnahmen zur Korrektur des Geldflusses ergreifen.

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Maßnahmen zur Sicherung der Rentabilität

Fast 23 Prozent der deutschen Befragten wollen sich 2017 verstärkt gegen mögliche Auswirkungen des Brexit, der Konjunkturabkühlung in Asien und des Protektionismus der USA absichern. 41 Prozent der hiesigen Unternehmen wollen hingegen nichts an ihrer Forderungsmanagement-Strategie ändern.

In diesem Zusammenhang nannten deutsche Unternehmen, ebenso wie die Unternehmen der gesamten Region Westeuropa, vor allem die Prüfung der Bonität ihrer Kunden und die Überwachung des Kreditrisikos als Maßnahmen. Etwas mehr als jeder Fünfte gab zudem an, in Zukunft verstärkt Kreditversicherungs-Schutz zu nutzen.

Für britische Unternehmen sieht ein anderer Kreditversicherer im Zuge des Brexit ein erhöhtes Zahlungsausfallrisiko. Erstmals seit vielen Jahren erwartet dieser Versicherer wieder eine Zunahme an Insolvenzen in Großbritannien.

Zahlungsausfälle auf gleichbleibend niedrigem Niveau

Laut der oben genannten Studie war nicht einmal ein Prozent aller von den befragten deutschen Unternehmen gestellten Forderungen an Firmenkunden im Laufe des letzten Jahres uneinbringlich und musste abgeschrieben werden. Dieser Wert hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Forderungen an inländische Kunden blieben dabei dreimal häufiger aus als die an ausländische Kunden. Grund dafür, dass Kunden nicht zahlten, war laut Angaben der befragten Unternehmen hauptsächlich der Konkurs des Schuldners (64 Prozent) oder Verjährung (19 Prozent).

Firmen, die das finanzielle Risiko von Zahlungsausfällen vermindern möchten, finden übrigens in der Versicherungswirtschaft entsprechende Lösungen. Eine Forderungsausfall-Police, auch Warenkredit-Versicherung genannt, springt ein, wenn berechtigte und nachweisliche Forderungen aus Warenlieferungen sowie aus Werk- und Dienstleistungen in einem bestimmten Zeitraum nicht bezahlt wurden. Eine solche Police erspart dem Unternehmen dabei den oftmals erfolglosen Gang zum Anwalt oder zum Inkassobüro.

Um es gar nicht zum Schaden kommen zu lassen, werden je nach Vertragsvereinbarung durch den Versicherer Kreditprüfungs- und Überwachungsaufgaben übernommen. Sollte es dennoch zu Forderungsausfällen kommen, werden diese abzüglich einer vereinbarten Selbstbeteiligung vom Versicherer übernommen. Die Forderungsausfall-Versicherung wird für fast jede Branche und jede Firmengröße angeboten.

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