Warnung: Betrug mit fingiertem Arznei-Angebot

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Versand-Apotheken sind beliebt, doch leider tummeln sich auch Betrüger auf diesem lukrativen Markt. Achten Sie darauf, dass mindestens ein Impressum existiert.

Alles-rezeptfrei.net ist ein Online-Shop, der mit dem Online-Versandhandel von Arzneien und Heilmitteln wirbt. Die Produktbereiche umfassen Konzentration, Schmerzen (Schmerzmittel, Schlafmittel und Antidepressiva), Abnehmen und Potenz (Anabolika, Steroide, Hormone). Der weltweite Versand der Waren wird angeblich über ein Zentrallager in Spanien abgewickelt.

Nach Spanien geht auch das Geld, das der Besteller vorab überweisen muss (Konto der ING Bank NV, spanish branch direct). Der Empfänger nennt sich Stefan Reichstein, wohl weil er damit steinreich werden möchte. Die Webseite wurde in Kanada registriert. Der Webserver von Alles-rezeptfrei.net befindet sich in Russland und wird betrieben von MediaServicePlus Ltd. (US-amerikanische IP-Adresse: 193.0.202.122). Ein Impressum ist nicht vorhanden.

Eine Geldüberweisung können Sie bei der Bank nur widerrufen, solange das Geld beim Empfänger noch nicht verbucht wurde, also am Tag der Überweisung oder eventuell noch am folgenden Tag.

Auf Webwiki.de berichten User über ihre Erfahrungen mit Alles-rezeptfrei.net

T.W.: 130 € bezahlt und nichts bekommen – keine Antwort auf Anfragen über E-Mail. Andere Kontaktmöglichkeiten existieren nicht.

Monika Sch.: Leider habe auch ich mich nicht vorab über diesen Anbieter schlau gemacht. Da ich mit Internet-Apotheken immer gute Erfahrungen (rezeptfreie Medikamente) gemacht habe. Für mein Medikament, welches in Deutschland nicht mehr hergestellt wird, habe ich alles-rezeptfrei.net ausfindig gemacht, die dieses Medikament noch angeboten hat. Diese Hormonspritzen haben vielen Frauen sehr geholfen und ein gleichwertiges Präparat gibt es leider nicht. Bei meiner Suche über das Netz habe ich einige Berichte gelesen, dass die Spritzen im Ausland noch zu bekommen sind. Also war ich im guten Glauben, mich an die richtige Apotheke gewandt zu haben. Leider ohne Erfolg Auf die bezahlte Ware warte ich noch heute. Auf zwei Nachrichten wurde nicht reagiert. Ich verstehe, wenn einige Menschen nur den Kopf schütteln, doch sollten diese sich erst einmal in die Lage der Frauen versetzen, die durch die Einstellung der Herstellung der Spritzen mit der Gesundheit erhebliche Probleme bekommen haben.

r.h.: Kann mich nur anschließen: Ware bezahlt und bis heute nicht geliefert. Auch keine Antwort per Mail.

Nilo: Ich hab auch vor zwei Wochen bestellt – bis jetzt keine Reaktion auf meine eMails. Gibt es denn keine Möglichkeit, die Polizei auf diese Seite aufmerksam zu machen?

Finden Sie auf der Internetseite keine ausreichenden Angaben über den Anbieter, bestellen Sie besser nichts. Vergewissern Sie sich, dass der Firmenname, die ladungsfähige Anschrift und die verantwortlichen Personen des Anbieters von möglichst vielen Seiten des Shops leicht abrufbar sind. Wenn Sie Zweifel an der Seriosität des Auftritts hegen, sollten Sie zur Sicherheit bei der Firma anrufen und in Suchmaschinen nach Informationen über den Anbieter suchen.

Zwar nützt es wenig, diese Betrügerei bei der Kriminalpolizei anzuzeigen, gleichwohl ist es empfehlenswert, den Betrug auf diese Weise publik zu machen. Angesichts von 73.907 angezeigten und lediglich 23.576 aufgeklärten Cybercrime-Fällen im Jahr 2014 ist die Kripo hoffnungslos überfordert und bereits am Verzweifeln, denn im Schutz der Anonymität im Netz tarnen sich die Ganoven mit Fremdstationen, Nicknames und Fakeaccounts, sodass die Täter zwar Spuren hinterlassen, diese aber meist ins Nirvana des Netzes führen und – wie Ermittler immer wieder frustriert feststellen – in das WORLD WIDE WEG. Bereits im Jahr 2005 schrieb Kriminaldirektor Jörg-Michael Klös in Die Kriminalpolizei. Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei:Das oft wenig ausgeprägte Sicherheitsbewusstsein der Nutzer öffnet Schmarotzern, Parasiten, Betrügern und sonstigen Straftätern im Internet Tür und Tor.

Kaufen Sie Medikamente nicht auf Internet-Seiten, die verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Rezept verkaufen oder Arzneimittel anbieten, die in Deutschland nicht zugelassen sind. Unter www.pharmnet-bund.de sind zugelassene Arzneimittel in einem Arzneimittelinformationssystem recherchierbar. Überprüfen Sie die Zulassung der Internetapotheke anhand des Versandapothekenregisters (VAR) auf der Homepage des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), ein dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) nachgeordnetes Institut. Das VAR ist über www.dimdi.de zu erreichen (Rubrik Arzneimittel, Unterrubrik Versandapothekenregister).

Verbraucherschützer warnen vor Alles-rezeptfrei.net

Laut Watchlist Internet verstößt die Website Alles-rezeptfrei.net gegen zahlreiche gesetzliche Bestimmungen. Sie liefere trotz Bezahlung keine Ware. Aus diesem Grund werde dringend davon abgeraten, auf Alles-rezeptfrei.net einzukaufen. Die Verbraucherschützer schreiben weiter: Auf Alles-rezeptfrei.net würden zahlreiche Pharmazeutika zu günstigen Preisen angeboten, allerdings werde hier weder auf Inhaltsstoffe noch auf mögliche Nebenwirkungen eingegangen. Auch Informationen zum Rücktrittsrecht oder der Lieferzeit sowie den Allgemeinen Geschäftsbedingungen und ein Impressum fehlten. Watchlist Internet rät davon ab, bei der Online-Apotheke zu bestellen, weil ein finanzieller Verlust drohe. Der Händler biete lediglich Vorauszahlung an. Auffällig sei weiterhin, dass der Onlineshop zwar in deutscher Sprache auftrete, aber die Domain Alles-rezeptfrei.net in Kanada registriert worden sei, der E-Mail-Verkehr über eine US-amerikanische IP-Adresse ablaufe und sich das angegebene Konto in Spanien befinde. All diese Faktoren deuteten darauf hin, dass hinter dem Webshop betrügerische Absichten steckten.

Auch dem Europäischen Verbraucherzentrum Österreich sind Fälle bekannt, bei denen Verbraucher die georderten Medikamente trotz Zahlung nie erhalten haben.

Für Kunden, die Geld an Alles-rezeptfrei.net überwiesen haben, bedeutet das, dass sie keine Medikamente geliefert bekommen und ihren Kaufpreis trotzdem nicht zurückerhalten werden. Die klassischen Mittel der Rechtsverfolgung gestalten sich bei derartigen dubiosen Seiten mit internationalem Ausmaß sehr schwierig. Sinnvoll ist eine Anzeige beim lokalen Polizeirevier, mit welcher der Geschädigte zwar nicht sein Geld zurückerhält, jedoch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft angestoßen werden können.

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