Teile einer Abfindung steuersparend ins Folgejahr verschieben

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Für Arbeitnehmer, die eine Abfindung erhalten, kann ein Urteil des Bundesfinanzhofs vom 11.11.2009 u.U. etliche Tausend Euro wert sein kann (Az. IX R 1/09).

Die Entscheidung fiel noch zum alten Abfindungsrecht, wonach bestimmte Teile der Abfindung steuerfrei waren. Das ist zwar seit 2006 nicht mehr der Fall, doch die Grundsätze des Urteils sind auch auf die heutige Situation übertragbar.

Eine Frau wurde im Herbst 2000 entlassen. Ihr stand laut Sozialplan  eine Abfindung von umgerechnet 38.350 Euro zu. Davon wurden im Jahr 2000 aber nur 12.270 Euro gezahlt. So viel war damals steuerfrei. Der Rest floss erst 2001. Dieser Restbetrag sollte dann – so die Steuerzahlerin – im Jahr 2001 versteuert werden. Das Finanzamt wollte aber schon im Jahr 2000 den kompletten Abfindungsbetrag mit Steuern belegen.

Der BFH gab der Steuerzahlerin Recht. Sie habe ein Recht auf eine steuerwirksame Gestaltung des Zuflusses einer Abfindung. Die Besteuerung hänge davon ab, wann das Geld zugeflossen sei. Da die Gekündigte Teile ihrer Abfindung erst 2001 erhalten habe, müsse sie diese Teile auch erst 2001 versteuern.

Dass sie die volle Abfindung früher hätte bekommen können und das sogar im Sozialplan vorgesehen war, spiele keine Rolle. Einzelvertraglich könne eine steuerlich günstigere Auszahlungsweise gewählt werden. Dies sei kein Rechtsmissbrauch.

Wann die Verschiebung Vorteile bringt

Vorteile bringt eine Verschiebung der Abfindungszahlung auf das Folgejahr für diejenigen, die dann entweder

  • deutlich weniger verdienen,
  • bereits Altersrente beziehen oder
  • arbeitslos sind und Arbeitslosengeld I beziehen.

Für den Anspruch auf die Versicherungsleistung Arbeitslosengeld (ALG I) spielt die Abfindung in der Regel keine Rolle – es sei denn, der Arbeitnehmer hat sich durch die Entlassungsentschädigung die Einhaltung der Kündigungsfrist abkaufen lassen.

Tipp
Betroffene sollten zunächst klären, ob sie von einer Verschiebung der Abfindungszahlung auf das Folgejahr steuerliche Vorteile haben und dann den Auszahlungszeitpunkt der Abfindung individuell mit der Personalabteilung bzw. direkt mit dem Arbeitgeber regeln. Oft wird die Firma nichts dagegen haben, die Zahlung ins Folgejahr zu verschieben, schließlich bringt ihr das einige Monate Liquiditätsgewinn.

Achtung ALG-II-Falle

Wer die Auszahlung einer Abfindung in die Zukunft verschiebt, sollte allerdings aufpassen, wenn ihm eine längere Arbeitslosigkeit und gegebenenfalls der Bezug von Arbeitslosengeld II (Grundsicherung) drohen. Fließt die Abfindung nämlich erst während des Bezugs von Arbeitslosengeld II, entfällt meist der weitere Anspruch auf diese Leistung. Beim ALG II gilt die Abfindung als anrechenbares Einkommen.

Wird die Abfindung vorher – noch während des Bezugs von Arbeitslosengeld I – ausgezahlt, so gerinnt das Abfindungsgeld zu Vermögen. Bei der Vermögensanrechnung gelten beim ALG II jedoch weit großzügigere Regeln als bei der Anrechnung von Einkommen. In den meisten Fällen dürfte die frühzeitig gezahlte Abfindung dann für den Anspruch auf ALG II unschädlich sein.

Tipp
Wer bald nach einer Kündigung auf das Arbeitslosengeld II angewiesen sein könnte, sollte die volle Auszahlung der Abfindung nicht allzulange hinauszögern.

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