Steuern sparen: Sofa in der eigenen Wohnung polstern lassen

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Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen mindern die Steuerschuld. Dabei ist entscheidend, wo die Arbeiten ausgeführt werden. Das gilt auch für haushaltsbezogene Dienstleistungen.

Wer Handwerkerleistungen in Anspruch nimmt, muss auf Antrag weniger Steuern zahlen. Die tarifliche Einkommensteuer mindert sich um 20 % der Aufwendungen des Steuerpflichtigen, höchstens jedoch um 1.200,00 €. Dies regelt § 35 a Abs. 3 EStG. Das bedeutet beispielsweise: Wer seine Wohnung renovieren lässt und dafür 6.000,00 € an Arbeitskosten zahlt, kann 1.200,00 € Steuern sparen. Absatz 4 des Paragrafen schränkt allerdings ein, dass die Handwerkerleistung in einem in der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum liegenden Haushalt des Steuerpflichtigen ... ausgeübt oder erbracht werden muss.

Diese Gesetzesformulierung brachte ein Ehepaar, das seine Polstermöbel neu aufarbeiten ließ, um die Steuerermäßigung. Denn die Möbel wurden in der vier Kilometer von der Wohnung des Ehepaars entfernten Werkstatt des beauftragten Polstererunternehmens aufgearbeitet, also nicht im Haushalt der Steuerpflichtigen. Ergo gibt es auch keine Steuerermäßigung, befand das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (Az. 1 K1252/16, rechtskräftig). Es folgte damit der Rechtsauslegung des Bundesfinanzministeriums (Anwendungsschreiben zu § 35 a EStG vom 10.1.2014, Geschäftszeichen: IV C 4 S 2296 -b/07/0003:004).

Der Begriff im Haushalt müsse – so referiert das Gericht die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs – räumlich-funktional ausgelegt werden. Es müsse sich dabei um Leistungen handeln, die im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang zum Haushalt durchgeführt werden und zugleich dem Haushalt dienen. Da das Neubeziehen der Polstermöbel in der Werkstatt stattgefunden habe, liege ein unmittelbarer räumlicher Zusammenhang zum Haushalt nicht vor. Dass die erbrachte Leistung dem Haushalt der Kläger diene, sei unerheblich.

Das Gericht gab in seinem Urteil auch indirekt gute Tipps zum Steuersparen: Der erkennende Senat ist sich durchaus bewusst, dass die Beantwortung der Frage, ob eine Steuerbegünstigung gemäß § 35 a Abs. 3 EStG zu gewähren ist, in den meisten Fällen – schlussendlich – von der Entscheidung des Handwerkers abhängig sein wird, nämlich ob er seine Leistung im Haushalt des Kunden oder in seiner Werkstatt erbringen will bzw. kann. Für den verhandelten Fall bedeutet das: Das Polstern hätte in der Wohnung des Steuersparers durchgeführt werden müssen (falls dies denn möglich ist).

Das Bundesfinanzministerium gibt in seinem Anwendungsschreiben auch eine kurze – allerdings nicht abschließende – Übersicht, welche Reparaturen als Handwerkerleistungen steuerbegünstigt sein können. Dies gilt für die Reparatur von Gegenständen im Haushalt des Steuerpflichtigen (z. B. Waschmaschine, Geschirrspüler, Herd, Fernseher, Personal Computer und andere). Dies trifft allerdings – so das Ministerium – nur zu, soweit es sich um Gegenstände handelt, die in der Hausratversicherung mitversichert werden können. Und klar ist: Die Reparatur muss im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang mit dem Haushalt des Steuerpflichtigen durchgeführt werden.

Fahrradreparaturen führt das Ministerium in diesem Zusammenhang nicht ausdrücklich auf. Doch auch diese könnten unter die Regelung von § 35 a EStG fallen. Denn Fahrräder sind über die Hausratversicherung versicherbar. Die Reparatur könnte allerdings nur dann steuerlich geltend gemacht werden, wenn sie durch einen Dienstleister ausgeführt wird, der seine Dienste mobil anbietet, also die Reparatur nicht in einer Werkstatt, sondern in direkter räumlicher Nähe zum Haushalt des Fahrradhalters anbietet. Entsprechende Angebote gibt es bereits in verschiedenen Großstädten.

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Regeln für haushaltsbezogene Dienstleistungen

Im Haushalt fallen viele Arbeiten an, die Familienmitglieder meist selbst erledigen wie Kochen, Kehren und Fensterputzen. Wenn man solche Arbeiten an eine Firma oder einen Selbstständigen vergibt, kann man Steuern sparen – und zwar bis zu 4.000,00 € im Jahr. 20 % der Kosten kann man von der Steuer erstattet bekommen. Gefördert werden damit Ausgaben von bis zu 20.000,00 €. Aber auch hier gilt: Steuerersparnisse gibts nur für das, was im Haushalt oder in ganz engem Zusammenhang damit durchgeführt wird. Von den Ausgaben für einen Catering-Service, der das Essen in die Wohnung bringt, erstattet das Finanzamt deshalb keinen Cent. Auch die Ausgaben für Essen auf Rädern sind nicht steuerbegünstigt, entschied das Finanzgericht Münster bereits 2001 (Az. 14 K 1226/10 E). Wer sich dagegen zu einem runden Geburtstag einen Reibekuchen-Service ins Haus bestellt, um seine Gäste zu verköstigen, kann das Finanzamt an den Kosten beteiligen.

Ein weiteres wohl für zahlreiche Leser der Geldtipps interessantes Beispiel führt das Finanzgericht Rheinland-Pfalz in seinem weiter oben bereits zitierten Polstererurteil an: Es geht dabei um die Betreuung von Haustieren: Während die außerhäusliche Betreuung in einer Tierpension nicht steuerbegünstigt sei, weil es an jeglichem räumlich-funktionalen Bezug zum Haushalt des Steuerpflichtigen fehle, können die Aufwendungen für einen Hunde- bzw. Katzensitter, der in der Wohnung bzw. in unmittelbarem räumlichen Bezug zum Haushalt (Gassi gehen) das haushaltszugehörige Tier pflegt, steuerlich gemäß § 35 a EStG berücksichtigt werden.

Mehr als 300000 Haushaltshilfen sind inzwischen schon offiziell bei der Minijob-Zentrale angemeldet. Und es werden immer mehr. Einer der Gründe: Familien, die eine Hilfe als Minijobber anmelden, sparen hierdurch Steuern. Das Finanzamt zahlt dem Haushalt jährlich bis zu 510,00 € zurück – höchstens aber 20 % der Ausgaben. Für legale Haushaltsjobs werden zwar auch Abgaben fällig. Doch die Steuerersparnis sorgt unter dem Strich häufig für ein Plus. Beispiel: Wer seiner Haushaltshilfe für 20 Arbeitsstunden im Monat 250,00 € zahlt, muss hierfür aufs ganze Jahr gesehen zwar 447,00 € an Abgaben zahlen. Die Steuerersparnis ist mit 510,00 € aber noch um 63,00 € höher.

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