Sozialversicherung 2011: Bemessungsgrenzen sinken teilweise

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Die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung (GKV) sinkt im Jahr 2011 erstmals seit 1949, da die Arbeitnehmer im Krisenjahr 2009 insgesamt 0,24 Prozent weniger Bruttoentgelt als im Jahr 2008 erhalten haben. Die BBG in der GKV wird deshalb von derzeit 3.750 Euro im Monat (45.000 Euro im Jahr) ab 1.1.2011 auf monatlich 3.712,50 Euro (44.550 Euro jährlich) herabgesetzt.

Dennoch müssen Arbeitnehmer mit einem Arbeitsentgelt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze mehr bezahlen, weil der Beitragssatz um 0,6 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent des Bruttoentgelts steigt (2010: 14,9 Prozent). Für sie wird die gesetzliche Krankenversicherung um 2,76 Prozent teurer (98,10 pro Jahr), weil der Arbeitnehmeranteil auf 8,2 Prozent steigt (2010: Arbeitnehmeranteil 7,9 Prozent, Beitragsbemessungsgrenze 45.000 Euro).

Wegen des auf 7,3 Prozent steigenden Arbeitgeberanteils müssen die Unternehmen 2011 für jeden dieser Besserverdienender um 102,15 bzw. 3,24 Prozent höhere Beitragszuschüsse als im Jahr 2010 zahlen (Arbeitgeberanteil 2010: 7,0 Prozent). Die GKV wird also trotz der gesunkenen Beitragsbemessungsgrenze für alle teurer (monatlicher Höchstbeitrag 2011: 575,44 gegenüber 558,75 im Jahr 2010).

Besonders schwerwiegend sind die langfristigen Weichenstellungen: Arbeitgeberanteil und Steuerzuschuss werden eingefroren, alle künftigen Mehrkosten im Gesundheitswesen sind von den Beitragszahlern zu tragen.

Tipp
Wer jung und gesund sowie kinderlos ist und noch dazu gut verdient, kann mit einem Wechsel in die private Krankenversicherung jeden Monat einige 100 Euro sparen. Allerdings will dieser Schritt gut überlegt sein, wenn die Gründung einer Familie im Bereich des Möglichen liegt. Familien genießen in der GKV deutliche Vorteile gegenüber Singles. Da außerdem der Beitrag zur PKV mit zunehmendem Krankheitsrisiko steigt und die Rückkehr in die GKV praktisch so gut wie unmöglich ist, empfiehlt sich eine langfristige Planung.

Krankenversicherung: Entgeltgrenze sinkt

Die beiden Hürden zur privaten Krankenversicherung (PKV) werden ab 1.1.2011 gesenkt. Die erforderliche Jahresarbeitsentgeltgrenze für Neukunden fällt von derzeit 49.950 Euro auf 49.500 Euro. Für PKV-Bestandskunden gilt die ermäßigte Jahresarbeitsentgeltgrenze, die sich von 45.000 Euro auf 44.550 Euro verringert.

Neben der Höhe des Verdiensts gibt es momentan eine weitere rechtliche Bedingung für den Wechsel zur PKV: die genannte Versicherungspflichtgrenze muss bereits in den drei vorangegangenen Jahren überschritten worden sein. Ab 1.1.2011 können Gutverdiener bereits nach einjähriger Überschreitung der Pflichtgrenze in die PKV wechseln. Weitere Voraussetzung ist, dass vorausschauend betrachtet auch im Folgejahr (d.h. im Jahr 2011) die dann maßgebliche Pflichtgrenze überschritten wird. Diese Bedingung wird wegen der gesunkenen Werte für mehr GKV-Versicherte erfüllbar sein als vorher.

Renten- und Arbeitslosenversicherung insgesamt teurer

Die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der Renten- und Arbeitslosenversicherung bleibt in Westdeutschland 2011 konstant bei monatlich 5.500 Euro (jährlich 66.000 Euro). Für den Osten Deutschlands steigt die BBG der Renten- und Arbeitslosenversicherung 2011 von 4.650 Euro auf monatlich 4.800 Euro (jährlich 57.600 Euro).

Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung bleibt bei 19,9 Prozent des Bruttogehalts.
Für die Arbeitslosenversicherung sind ab 1.1.2011 3,0 Prozent (2009 und 2010: 2,8 Prozent) des Bruttogehalts bis zu den jeweiligen Beitragsbemessungsgrenzen zu zahlen.
Nimmt man alle vier Sozialversicherungszweige zusammen, ist für das kommende Jahr erneut eine steigende finanzielle Belastung der Arbeitnehmer festzustellen.

Monatliche Bezugsgröße

Die monatliche Bezugsgröße liegt im Jahr 2011 im Westen unverändert bei 2.555 Euro (30.660 Euro im Jahr). Sie stellt einen wichtigen Wert für eine Reihe daraus abgeleiteter Grenz- oder Bezugswerte im Sozialversicherungsrecht bzw. Sozialrecht dar. Für Ostdeutschland steigt der Wert von 2.170 Euro auf 2.240 Euro (26.800 Euro im Jahr). Für die Kranken- und Arbeitslosenversicherung gilt die West-Bezugsgröße bundesweit.

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