Sofortmaßnahmen nach einem Betrugsfall

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Sind Sie auf ein unseriöses Angebot hereingefallen, ist es wichtig, schnell zu handeln.

Überprüfen Sie mithilfe eines Rechtsanwalts oder einer Verbraucherzentrale, wer für den Schaden verantwortlich gemacht werden kann und haften muss. Typische Haftungsgründe sind falsche oder unwahre Aussagen im Prospekt, Falschberatung oder die Missachtung von Aufklärungs- und Informationspflichten. Ferner sind Klagen denkbar gegen die Initiatoren der Anlage, gegen den Herausgeber des Projekts, den Treuhänder, den Anlagevermittler, den Geschäftsführer der Anlagegesellschaft, aber auch gegen Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, die in das jeweilige Kapitalanlageangebot eingebunden sind.

Je nach Höhe der Schadenssumme sind dann folgende Sofortmaßnahmen sinnvoll:

  • Experten möglichst schnell einschalten: Die Einschaltung eines Sachverständigen oder Rechtsanwalts, der Erfahrung mit Anlagebetrugsfällen hat, ist empfehlenswert. Denn oft sind Haftungsfristen zu beachten oder es besteht die Gefahr, dass der potenzielle Betrüger mit den Anlagegeldern über alle Berge verschwindet. Ein Rechtsanwalt kann innerhalb von wenigen Tagen die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um auf die Geschäftskonten der Gauner zuzugreifen. So steigen Ihre Chancen, zumindest einen Teil Ihrer Gelder wiederzusehen.

  • Chronologischen Bericht anfertigen: Damit der Rechtsanwalt den Fall bearbeiten kann, benötigt er einen chronologischen Bericht über den Verlauf der Geschäftsbeziehung. In der Art eines Gedächtnisprotokolls sollten Sie die Geschäftsanbahnung und die stattgefundenen Gespräche schriftlich fixieren. Auch Zeugen (z.B. Ehepartner, die Telefongespräche mitgehört haben) sollten erwähnt werden.

  • Geschäftsunterlagen zusammenstellen: Zusätzlich sollten Sie alle geschäftlichen Unterlagen zusammenstellen, die als Beweismittel verwendbar sind. Dazu zählen Werbeschreiben, Verkaufsprospekte, Korrespondenz, handschriftliche Notizen, Vertragsunterlagen, Abrechnungsbelege und erteilte Vollmachten.

  • Weitere Zusammenhänge aufklären lassen: Um geschäftliche Hintergründe, personelle Verflechtungen oder Vollstreckungsmöglichkeiten zu klären, können weitere Recherchen erforderlich werden. Auskünfte von Behörden (z.B. Handelsregister), Einsichtnahme in Ermittlungsakten durch einen Rechtsanwalt oder die Einschaltung eines Detektivs können Ihre Position deutlich verbessern.

    Das Einschalten eines Detektivs lohnt sich jedoch nur bei größeren Summen oder für mehrere geschädigte Anleger zusammen.

  • Steuerberater einbeziehen: Die steuerlichen Auswirkungen des Falls sollten mit einem Experten besprochen werden. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn Scheinrenditen als Kapitaleinkünfte versteuert wurden oder Aufwendungen für die Rechtsverfolgung als Werbungskosten geltend gemacht werden können.

    Falls Sie unversteuertes Schwarzgeld investiert haben, sollten Sie sich von Ihrem Steuerberater über die Möglichkeit einer Nachmeldung oder einer strafbefreienden Selbstanzeige beim Finanzamt beraten lassen.

  • Beratung durch die Verbraucherzentralen: Die Verbraucherzentralen bieten Einzelberatungen zu Spar- und Anlagefragen an. Hier können auch individuelle Probleme, wie z.B. unseriöse Anlageangebote, vorgetragen werden. Für die Beratungen ist eine vorherige persönliche oder telefonische Anmeldung erforderlich. Die Einzelberatung ist gebührenpflichtig.

Skepsis ist angebracht, wenn sich kurz nach dem Betrugsfall sog. Schutzgemeinschaften bei Ihnen melden. Denn meist stecken hinter diesen Anrufern die Betrüger selbst, da nur sie alleine über die Adressen der geschädigten Anleger verfügen. Die vermeintlichen Retter geben sich als Interessengemeinschaft von Opfern aus oder als Inkassounternehmen. Wir holen ihr Geld zurück, heißt es dann. Derartige Interessengemeinschaften dienen jedoch nur dazu, die aufgebrachte Anlegerschar ruhigzustellen und über Mitgliedsbeiträge die bereits geschädigten Anleger noch ein zweites Mal zur Kasse zu bitten.

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