Mehr Rentnern droht Überschuldung

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In der Halbjahresumfrage unter den 560 Mitgliedern des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU), Berlin, erwarten 72 Prozent der Inkassounternehmen, dass vor allem ältere Verbraucher über 65 Jahre im Jahr 2015 schlechter bezahlen werden.

In ihrer Umfrage haben sich die Inkassounternehmen das Zahlungsverhalten zweier Schuldnergruppen besonders genau angeschaut: junge Verbraucher bis 24 Jahre und ältere Verbraucher ab 65. Beide Gruppen haben nämlich nach Erfahrungen der Inkassounternehmen ein tendenziell schlechteres Zahlungsverhalten als der Durchschnitt der Verbraucher – wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen.

Inkassounternehmen: Schulden machen wird zu Hause gelernt

49 Prozent der Inkassounternehmen berichten, dass 18- bis 24-jährige Verbraucher schlechter zahlen als über 25-Jährige. (Junge zahlen besser als Ältere: 6 Prozent.) Überschuldung hat viele Gründe und selten ist es nur einer alleine. Unerwartete Lebensereignisse wie Arbeitslosigkeit, Scheidungen und Krankheiten sind häufige Ursachen. Bei vielen fehlt leider aber auch das nötige Finanzwissen, erklärt Marion Kremer, Vizepräsidentin des BDIU. Oft liegt es dabei auch an der Familie. Denn wenn bereits die Eltern regelmäßig Besuch durch den Gerichtsvollzieher erhalten, dann werden Schulden als normal angesehen - man sieht sich chancenlos und ohne Perspektive, da herauszukommen.

63 Prozent der Inkassounternehmen berichten, dass junge Schuldner einem solchermaßen schlechten Vorbild ihres Elternhauses nacheifern, indem sie sich selbst verschuldeten. 76 Prozent der Inkassounternehmen nennen zu hohe Konsumausgaben als Grund für frühe Schulden.

Junge Schuldner = Konsumschulden

91 Prozent der Inkassofirmen berichten, dass junge Schuldner Verbindlichkeiten bei Telekommunikationsunternehmen haben. Bei Banken und Kreditinstituten haben die Jungen dagegen nur nach Beobachtung von 32 Prozent der Inkassodienstleister Schulden. Für über 25-Jährige stellen das fast zweieinhalbmal so viele BDIU-Mitglieder fest, nämlich 77 Prozent.

Dazu sagt Marion Kremer: Es gibt dumme Schulden, und es gibt Schulden, die Sinn machen. Dumme Schulden sind reine Konsumschulden. Der Verbraucher gibt Geld aus, das er in Zukunft zurückzahlen muss für etwas, das nicht werthaltig ist, zum Beispiel Kleidung, eine Urlaubsreise oder Anschaffungen für die Wohnung. Also Dinge, die er sofort konsumiert, aber für die er in zwei oder drei Jahren noch Raten bezahlt. Oft sind diese Dinge dann vielleicht schon kaputt oder verbraucht. Die Freude währt also nur kurz, was bleibt, ist die Belastung auf dem Konto.

Vom Für und Wider einer Kreditfinanzierung

Andererseits bietet der Kauf auf Kredit zum Beispiel jungen Familien auch die Möglichkeit, sich ihre Wohnung einzurichten und trotzdem Zeit zu haben, den Kaufpreis ratenweise zu bezahlen. Die meisten gehen damit auch verantwortlich um, und so ist es eine gute Sache für beide Seiten: für den Verbraucher, der seine Wohnung genießen kann, und für den Handel, der ein Geschäft gemacht hat. Nicht mehr wegzudenken ist der Kauf auf Kredit im Kfz- und natürlich klassischerweise dem Immobilienmarkt. Doch in beiden Fällen handelt es sich um werthaltige Produkte, im Idealfall steigt der Wert sogar, wie bei Immobilien an guten Standorten.

Zahlungsverhalten von Senioren verschlechtert sich

Vergleichsweise besser beurteilen die Inkassounternehmen das Zahlungsverhalten von Senioren. Hier halten sich positive (35 Prozent) und negative (37 Prozent) Erfahrungen in etwa die Waage. Aber es gibt eine klare Tendenz. 51 Prozent melden, dass über 65-Jährige heute ein schlechteres Zahlungsverhalten haben als noch vor fünf Jahren. Und 72 Prozent befürchten sogar, dass sich deren Rechnungstreue in den kommenden fünf Jahren noch weiter verschlechtern wird.

Unsere Gesellschaft wird immer älter, so BDIU-Präsident Wolfgang Spitz, und es gibt immer mehr Experten, die vor einer Altersarmut warnen. Für einige werden die Renten wohl künftig nicht mehr ausreichen, sodass sie ihren gewohnten Lebensstandard nicht mehr halten können, und es ist zu befürchten, dass sich das auch auf das Zahlungsverhalten der über 65-Jährigen negativ auswirken wird. Wir müssen davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren mehr Ältere überschuldet sein werden. Derzeit ist das vor allem ein Thema für Verbraucher in der Mitte ihres beruflichen Lebens, etwa im Alter von 30 bis 40 Jahren – sie haben also noch genügend Zeit, auch aus eigener Kraft und mit eigenen Einnahmen ihre Zahlungsverpflichtungen zu regeln. Für Ältere ist das weitaus schwieriger. Diese Entwicklung besorgt uns.

Quelle: BDIU

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