Medikamente per Internet: So bestellen Sie richtig

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Arznei übers Internet zu bestellen, kann Geld sparen. Allerdings gibt es einiges zu beachten.

Vor nicht allzu langer Zeit war der Versand von Arzneimitteln in Deutschland noch verboten. Für rezeptpflichtige und -freie Medikamente galt zudem eine Preisbindung. Wollten Kunden beim Kauf von Medizin sparen, blieb ihnen nur der Weg, im Ausland zu bestellen. Seit 2004 ist es jedoch auch deutschen Apotheken erlaubt, Arzneimittel zu versenden, gleichzeitig fielen auch die Festpreise für rezeptfreie Arzneimittel. Seitdem gingen immer mehr Versandapotheken mit sehr stark reduzierten Preisen auf den Markt. Vor allem bei rezeptfreien Präparaten, Medizinprodukten, Kosmetika und Nahrungsergänzungsmitteln können Verbraucher einiges sparen und – ein weiter Vorteil – bekommen die Lieferung direkt ins Haus.

Seriöse und unseriöse Lieferanten

Internet- oder Versandapotheken organisieren ihr Bestellsystem in der Regel über das Internet, bieten aber zusätzlich auch die Möglichkeit, über Brief, Fax oder Telefon zu bestellen. Die Anzahl der über Versandhandel bestellten Arzneien nimmt beständig zu, allerdings überwiegend im Bereich der Medikamente ohne Rezeptpflicht. Laut Bundesverband deutscher Versandapotheken lag der Anteil der Versandapotheken am Handel mit diesen Produkten 2009 insgesamt zwischen 9 und 10 Prozent.
In Deutschland muss hinter jeder Versandapotheke eine "echte" Apotheke stehen. Mittlerweile haben über 2000 Apotheken eine Zulassung zum Versandhandel. Das Geschäft betreiben aber nur wenige Anbieter in größerem Umfang.


Aus dem europäischen Ausland sind derzeit nur Versandapotheken aus Großbritannien, Island, den Niederlanden und Tschechien Arzneimittel berechtigt, nach Deutschland zu liefern, allerdings nur solche, die in Deutschland in Verkehr gebracht werden dürfen. Niederländische Versandapotheken müssen ebenfalls gleichzeitig Präsenzapotheken sein. Für Tschechien ist nur der Versandhandel mit nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln erlaubt. Ausländische Anbieter müssen die gleichen Standards erfüllen wie deutsche Apotheken und kompetente Beratung in deutscher Sprache gewährleisten. Zum einen stellen sie auf ihren Internetseiten Informationen zu Medikamenten bereit und bieten zum anderen eine telefonische Beratung zur Einnahme der Mittel an. Für ausländische Versandsapotheken besteht auch die Pflicht, die Kennzeichnung und Packungsbeilage der versandten Medikamente in deutscher Sprache abzufassen.


Auch illegale Arzneimittel-Händler tummeln sich im Netz. Neben potenzsteigernden Präparaten wie Viagra vertreiben diese ohne Rezept auch Schlaf- und Herzmittel, Psychopharmaka usw. Nicht immer steckt jedoch der richtige Wirkstoff in der täuschend echt aussehenden Tablette. Bestellen Sie deshalb niemals bei anonymen Anbietern oder Internetapotheken aus fernen Ländern, die mit sehr billigen Preisen locken oder damit werben, dass sie rezeptpflichtige Arzneimittel auch ohne Verschreibung verschicken. Die gelieferten Arzneimittel könnten gefälscht, gesundheitsgefährdend und vielleicht sogar tödlich sein.

Tipp
Sie sollten in jedem Fall also darauf achten, grundsätzlich nur bei einem seriösen Anbieter zu bestellen. Dieser sollte auf seiner Internetseite ein Impressum mit Adresse, Telefonnummer, den Namen des verantwortlichen Apothekers sowie der zuständigen Apothekerkammer veröffentlichen. Unter www.dimdi.de (DIMDI – Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information) können Sie herausfinden, ob es sich bei einer bestimmten Apotheke um einen seriösen Anbieter handelt, der über eine behördliche Erlaubnis zum Versandhandel mit Arzneimitteln in oder nach Deutschland verfügt. Hier finden Sie Übersichtslisten, die nach dem Namen oder dem Ort der Apotheken sortiert sind und werktäglich aktualisiert werden.

Rezeptpflichtige Medikamente

Verschreibungspflichtige Medikamente gibt es nur auf Rezept, das der behandelnde Arzt ausschreibt. Das gilt nicht nur für Präsenzapotheken, sondern selbstverständlich auch für Versandapotheken. Zudem unterliegen sie einer Preisbindung. Die Preise für rezeptpflichtige Arzneien von Apotheken vor Ort und im Versandhandel unterscheiden sich also nicht. Den Großteil der Kosten übernimmt die Krankenkasse, Versicherte über 18 Jahre sind verpflichtet, eine Zuzahlung zu leisten – diese beträgt pro Präparat zwischen 5 Euro und 10 Euro.


Versandapotheken aus dem EU-Ausland unterliegen jedoch nicht den hiesigen Bestimmungen und können deshalb deutschen Kunden einen Teil der Zuzahlungen (bis zu 50 Prozent sind üblich) erlassen oder – bei Privatrezepten – Rabatte auf den Preis gewähren. Vor allem für chronische Patienten, die regelmäßig bestimmte Mengen ihres Medikaments nehmen müssen, kann sich es also lohnen, diese im Ausland zu bestellen. Es gibt allerdings auch bestimmte Medikamente, für grundsätzlich von der Zuzahlung ausgenommen sind. Wenn Sie diese bestellen, zahlen Sie dafür weder bei einer hiesigen noch bei einer ausländischen Apotheke eine Rezeptgebühr. Eine Liste solcher zuzahlungsfreier Arzneien finden Sie im Internet unter www.gkv.info.

Tipp
Bevor Sie ein Arzneimittel bei einer ausländischen Apotheke bestellen, sollten Sie sich von Ihrer Krankenkasse bestätigen lassen, dass sie die Kosten übernimmt und ob es ein spezielles Kooperationsabkommen zwischen Kasse und Versandapotheke gibt. Ist Letzteres der Fall, kann die Kasse direkt mit der Apotheke abrechnen, ansonsten müssen Sie den Betrag zunächst selbst bezahlen und sich das Geld dann von Ihrer Kasse erstatten lassen.

Rezeptfreie Medikamente

Nicht verschreibungspflichtige Medikamente erhalten Patienten nur in Apotheken. Sie müssen diese selbst bezahlen, weil die Kassen die Kosten dafür nicht mehr erstatten. Seit 2004 sind die Preise für diese Arzneien nicht mehr festgelegt. Bislang machten die meisten klassischen Apotheken von der Möglichkeit der freien Preisgestaltung aber noch kaum Gebrauch. Anders die Versandapotheken: Bei diesen erhalten Kunden die Mittel oft günstiger – die Ersparnis kann dabei bis zu einem Drittel betragen.

Tipp
Oft bieten unterschiedliche Hersteller die gleichen Medikamente mit unterschiedlichem Namen an. Eine Alternative sind Nachahmerpräparate (Generika), die preisgünstiger sind als die Originalpräparate der Markenhersteller. Wenn Sie also keinen Wert darauf legen, das Medikament einer bestimmten Pharmafirma zu nehmen, sollten Sie sich informieren, ob es entsprechende Generika gibt. Im Internet weisen einige Apotheken oder Suchmaschinen auf diese hin.

So bestellen Sie richtig

Für das Bestellen über Internetapotheken gilt: Die Kosten für die Präparate können stark variieren. Preisvergleiche lohnen sich also! Über verschiedene Preissuchmaschinen wie z.B. www.medizinfuchs.de, www.medikamente-preiswert-bestellen.de, www.apomio.de oder www.medipreis.de können Sie das günstigste Angebot ausfindig machen.


Zu berücksichtigen sind dabei allerdings auch die Versandkosten. Diese können eine Bestellung wiederum verteuern, und nicht alle Suchmaschinen zeigen die Versandkosten direkt mit an. Für rezeptpflichtige Medikamente zahlen Sie in der Regel keine Versandkosten. Bestellen Sie gleichzeitig rezeptpflichtige und rezeptfreie Medikamente, ist die gesamte Lieferung portofrei. Bei der Bestellung von rezeptfreien Arzneimitteln bieten Internetapotheken eine gebührenfreie Lieferung meist erst ab einem Mindestbestellwert an, der zwischen 20 Euro und 75 Euro betragen kann. Diese Regelung kann dazu verführen, mehr zu bestellen, als eigentlich notwendig ist. Gar keine Versandkosten zahlen Verbraucher z.B. bei der Internetapotheke www.sanicare.de. Die Bezahlung für die Bestellung bei einer Internetapotheke erfolgt per Lastschrift, Kreditkarte oder Überweisung.


Ihre bestellten Medikamente erhalten Kunden per Paketdienst – bei guten Anbietern innerhalb von zwei bis drei Tagen. Wenn Sie ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel bestellen, sind Sie jedoch verpflichtet, das Rezept im Original per Post an die Versandapotheke zu schicken. Deshalb kann es bis zu vier Tage dauern, bis Sie die Lieferung erhalten.


Wegen der Lieferzeiten ist die Versandapotheke vor allem für chronisch Kranke, die im Voraus ihren Bedarf an Medikamenten kennen, eine Alternative. Wer im Falle einer akuten Erkrankung jedoch ein Medikament benötigt, sollte das Rezept nach wie vor in einer Präsenzapotheke einlösen.

 

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