Kriminelle missbrauchen ahnungslose Bürger für Geldwäsche

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Bei Geldwäsche denken die meisten Menschen an dubiose Geschäftsleute mit Koffern voller Bargeld, aber nicht daran, dass dieses Thema auch sie betreffen könnte. Doch immer öfter missbrauchen Geldwäscher auch ahnungslose Bürgerinnen und Bürger für ihre Zwecke.

Geldwäscher versuchen zum Beispiel illegal erwirtschaftetes Geld (durch Ausspähen von Bankkonten, also Phishing, und durch Drogen- oder Waffenhandel) in den legalen Wirtschafts- und Finanzkreislauf einzuschleusen, um seine Herkunft zu verschleiern. Dazu missbrauchen sie nicht nur Wirtschaftsunternehmen wie Banken, Finanzunternehmen oder Händler.

"Immer öfter werden auch ahnungslose Privatpersonen Opfer von Geldwäschern", sagt Prof. Dr. Wolf Hammann, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes und Landespolizeipräsident von Baden-Württemberg.

Im Jahr 2011 registrierte das Bundeskriminalamt 12.868 Verdachtsanzeigen nach dem Geldwäschegesetz. 2010 waren es 11.042 Fälle.

Geldwäscher versuchen zum Beispiel, ahnungslose Bürgerinnen und Bürger über Stellenanzeigen als sogenannte Finanzagenten anzuwerben. Gegen Provision sollen die Angeworbenen dann ihr Konto für Geldtransfers zur Verfügung stellen, das heißt, Zahlungen entgegen nehmen und an unbekannte Dritte weiterleiten.

Das Problem dabei: Wer an einem solchen Geldwäschetransfer beteiligt ist, macht sich strafbar – selbst wenn das unwissentlich und unbeabsichtigt geschieht.

Wie verbreitet diese Betrugsmasche ist, zeigt die Anzahl der in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegenen Verdachtsanzeigen zu Finanzagenten. Während sie 2008 bei 971 Meldungen lag, stieg sie 2009 auf 2.394, 2010 auf 3.086 und 2011 auf 3.992 Anzeigen an.

Vorsichtig sollten Privatpersonen auch sein, wenn sie hochwertige Güter verkaufen und dabei hohe Bargeldsummen entgegennehmen, deren Herkunft zweifelhaft ist. Oder wenn sie Opfer einer Phishing-Attacke wurden, bei der Unbekannte ihre Kontodaten ausgespäht haben, hierdurch vielleicht kein unmittelbarer Schaden entsteht, aber über das Konto Geld ein- und ausgezahlt und damit gewaschen wird.

In folgenden Fällen ist besondere Wachsamkeit gefordert:

  • Bei Anzeigen in Zeitungen oder im Internet, in denen nach Geschäftspartnern gesucht wird, die gegen eine hohe Provision ihre Konto- und Kontaktdaten zur Verfügung stellen.

  • Bei Stellenanzeigen ausländischer Firmen, in denen beispielsweise Testkäufer gesucht werden, die am Ende aber als Finanzagenten eingesetzt werden.

  • Bei Werbemails oder Schreiben von Kreditinstituten, die nach Kontodaten oder Passwörtern fragen.

  • Wenn Mieter hohe Kautionen akzeptieren und diese nach der Wohnungskündigung ins Ausland überwiesen haben wollen.

  • Wenn bei Verkäufen hohe Bargeldsummen im Spiel sind.

  • Beim Vorschlag unbekannter Käufer, wertvolle Güter, die von Privatpersonen (auf Internetportalen) zum privaten Verkauf angeboten werden, bar zu bezahlen.

  • Vorsicht ist auch geboten, wenn Käufer bei größeren Bargeldanzahlungen anbieten, den Kaufpreis in Tranchen unter 15.000 € zu begleichen, so dass der Verkäufer den Betrag auf verschiedene Konten einzahlen kann. Ziel dieser Splittungen ist es, die Sicherungssysteme der Kreditinstitute zu umgehen. Diese werden bei größeren Bargeldeinzahlungen ihrer Kunden rasch misstrauisch.

  • Wenn Händler bei größeren Bargeldzahlungen, zum Beispiel bei einer Baranzahlung für ein Auto, die Legitimation des privaten Käufers nicht überprüfen.

Rechtliche Konsequenzen für Finanzagenten

Was Finanzagenten oft nicht ahnen: Statt vermeintlich lukrativer Geschäfte drohen Freiheitsstrafen wegen leichtfertiger Geldwäsche (§ 261 Abs. 5 StGB) und Schadensersatzansprüche der Geschädigten.

Daneben erwartet sie ein Verfahren der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wegen des Betreibens unerlaubter Finanzdienstleistungsgeschäfte. Außerdem kündigen Banken regelmäßig das Konto eines Finanzagenten.

  • Strafrechtliche Konsequenzen: Dem Finanzagenten droht ein Strafverfahren wegen Geldwäsche. Indem er sein Konto zur Verfügung stellt und die eingegangenen inkriminierten Gelder schnell weiter transferiert, hilft der Finanzagent dabei, Herkunft und Transferwege des Geldes zu verschleiern. Damit macht er sich zumindest der leichtfertigen Geldwäsche schuldig (Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe).

  • Verwaltungsrechtliche Konsequenzen: Da Finanzagenten für ihre Tätigkeit eine Provision erhalten, betreiben sie gewerbsmäßig ein Finanztransfergeschäft. Sie erbringen damit Finanzdienstleistungen, für die eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erforderlich ist. Liegt diese nicht vor, kann die BaFin gegen Finanzagenten wegen unerlaubten Betreibens von Finanzdienstleistungen ein Verwaltungsverfahren einleiten. Der Verstoß kann mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden.

  • Zivilrechtliche Konsequenzen: Ferner können die Opfer, von denen die überwiesenen Gelder stammen, zivilrechtlich gegen die Finanzagenten vorgehen und eine Rückzahlung einfordern.

Weitere Informationen zur Internet-Kriminalität lesen Sie in folgenden Geldtipps-News:

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