Kostenfalle Autobahnbaustelle

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Die Mehrzahl der in Deutschland gefahrenen Neuwagenmodelle ist für die linke Spur vieler Autobahnbaustellen zu breit. Das hat der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V. (ADAC) ermittelt. Die Fahrer riskieren daher, ein Verwarnungsgeld zahlen zu müssen.

Autobahnbaustellen stellen für viele Autofahrer in mehrerlei Hinsicht eine besondere Gefahr dar. Das bezieht sich nicht nur auf die Zahl der Baustellenunfälle, die sich allein im Ruhrgebiet in den letzten vier Jahren verdoppelt hat. Denn auch von den Behörden droht Unbill. Was viele Autofahrer nicht wissen: Dass Überholen im Bereich von Baustellen kann teuer werden.

Blick in Fahrzeugpapiere reicht nicht aus

In vielen Baustellenbereichen ist die Nutzung der linken Fahrspur nämlich nur Fahrzeugen mit einer maximalen Breite von zwei Metern vorbehalten, und die wird nach Angaben des ADAC von 67 Prozent aller in Deutschland gefahrener Neuwagenmodelle überschritten.

Wer glaubt, dass ein Blick in die Fahrzeugpapiere ausreicht, um zu ermitteln, wie breit das eigene Fahrzeug ist, irrt. Denn dort ist paradoxerweise nur die Breite ohne Außenspiegel angegeben. Die gehören aber nun bei der Ermittlung der Fahrzeugbreite dazu.

Die Fahrzeughersteller begründen die auf den ersten Blick „geschönt“ scheinenden Angaben mit einer EU-Norm. Danach muss die Fahrzeugbreite tatsächlich ohne Außenspiegel angegeben werden. Denn schließlich dürfen Serienspiegel gegen zugelassene Zubehörmodelle ausgetauscht werden, die schmaler oder auch breiter als die Serienmodelle sein können.

Wie breit ist mein Fahrzeug wirklich?

Um zu ermitteln, wie breit das eigene Fahrzeug tatsächlich ist, muss man entweder bei geöffneten vorderen Seitenscheiben zum Zollstock greifen oder auf die Angaben der Fahrzeughersteller vertrauen, welche die Fahrzeugbreite in den Prospekten etwas verklausuliert zum Beispiel als „Garagenbreite“ bezeichnen.

Der ADAC hat bei rund 300 aktuellen Fahrzeugmodellen nachgemessen. Danach dürfen nur wenige Fahrer neuerer Modelle Fahrspuren nutzen, auf denen die Breite gemäß Zeichen 264 auf zwei Meter begrenzt ist.

Das heißt für Fahrer von Autos wie zum Beispiel dem Audi A3, dem Ford Focus, dem Opel Astra oder einem Mercedes der A-Klasse, sich auf der rechten Spur einreihen zu müssen, wollen sie nicht riskieren, ein Verwarnungsgeld von 20 € zahlen zu müssen.

Minimaler Zeitgewinn

Mehr Glück haben zum Beispiel Fahrer eines 3er BMW oder eines VW Polo V, denn deren Fahrzeuge schrammen knapp an der Zwei-Meter-Grenze vorbei. Der ADAC stellt auf seinen Internetseiten eine kostenlose PDF-Datei zur Verfügung, in welcher das Gros der auf deutschen Straßen genutzten Pkw-Modelle mit ihrer tatsächlichen Breite gelistet ist.

Doch Vorsicht! Die Tabelle berücksichtigt nur die serienmäßige Ausstattung der Fahrzeuge. Wer sich besondere Spiegel oder ein Fahrzeug mit verbreiterten Kotflügeln gönnt, sollte lieber selber nachmessen.

Ob es sich aus Zeitgründen lohnt, das Risiko einzugehen, die oft sehr engen linken Fahrspuren einer Autobahnbaustelle zu nutzen, sei dahingestellt. Der ADAC hat ermittelt, dass ein Autofahrer, der auf einem fünf Kilometer langen Baustellenabschnitt mit 90 statt der in der Regel erlaubten 80 Stundenkilometer unterwegs ist, gerade einmal 25 Sekunden Zeit gewinnt.

Beste Verteidigung

Wie die geschilderte Angelegenheit zeigt, kann man schnell und auch unbewusst gegen geltende Verkehrsregeln verstoßen und dafür bestraft werden. Doch nicht immer ist es mit 20 € Bußgeld, wie beim genannten Sachverhalt, getan. Schnell droht einem auch ein Fahrverbot, wenn man bezichtigt wird, eine Ordnungswidrigkeit, wie eine Geschwindigkeits-Überschreitung oder das Überfahren einer roten Ampel, begangen zu haben.

Wer deswegen fürchtet, seinen Job zu verlieren oder sonst in wirtschaftliche Nöte zu kommen, sollte frühzeitig einen Rechtsanwalt einschalten. Die anfallenden Rechtsanwalts- und Gerichtskosten können allerdings hoch sein. Hat man jedoch eine Verkehrsrechtsschutz-Police, übernimmt diese gegebenenfalls die Kosten für die Verteidigung in einem Verkehrsordnungs-Widrigkeitenverfahren und bei einem drohenden Führerscheinentzug – mit Ausnahme von Park- und Halteverstößen.

Auch andere Verkehrsstreitigkeiten wie die Durchsetzung von Schadenersatz-Ansprüchen oder die Klärung der Schuldfrage nach einem Verkehrsunfall sind mit einer Verkehrsrechtsschutz-Versicherung abgedeckt.

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