Garantiezins von Lebensversicherungen sinkt

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Das Bundesfinanzministerium hat den Garantiezins für kapitalbildende Lebensversicherungen und private Rentenversicherungen ab 1.1.2012 auf 1,75 Prozent p.a. gesenkt. Für Policen, die nach dem 1.1.2007 und vor dem 31.12.2011 abgeschlossen wurden bzw. werden, liegt dieser Garantiezins bei 2,25 Prozent p.a. auf den Sparanteil der Beiträge.

Das ist bereits die vierte Zinssenkung seit dem 1.6.2000. Sechs Jahre lang (seit 1.7.1994) hatte der Garantiezins stolze 4 Prozent p.a. betragen. Mit dem Platzen der Aktienblase begann der Renditeverfall. Seit 1.1.2007 liegt der staatlich verordnete Mindestzins bei 2,25 Prozent p.a. Hinzu kommen eine jährliche Überschussbeteiligung und in vielen Fällen ein Schlussüberschuss.

Den Börsenboom seit März 2009 haben die Versicherer offensichtlich verschlafen, denn kapitalbildende Lebensversicherungen und private Rentenversicherungen warfen im vergangenen Jahr 2010 weniger ab als in den Jahren zuvor. 44 von 69 Lebensversicherern senken die Gesamtverzinsung ihrer privaten Rentenversicherungen (RV) und kapitalbildenden Lebensversicherungen (LV). Das durchschnittliche Zinsniveau sank in den vergangenen zehn Jahren pro Jahr um rund 0,1 Prozentpunkte.

Im Durchschnitt aller 78 Millionen derzeit laufenden LV- und RV-Policen müssen die Versicherer mindestens 3,3 Prozent garantierte Zinsen pro Jahr gutschreiben. Die besten Versicherer zahlen freilich immer noch über 4 Prozent p.a. aus. Damit bleibt diese sichere Anlageklasse weiterhin überdurchschnittlich renditestark. Tages- und Festgeldkonten sowie Banksparpläne bringen derzeit maximal 2,5 Prozent p.a.

Doch schon in diesem Jahr 2011 könnte die Rendite weiter abbröckeln, wie einige Unternehmen bereits jetzt ankündigen. Das Bundesfinanzministerium hat deshalb nun den Garantiezins ab 1.1.2012 auf 1,75 Prozent p.a. gesenkt. Dadurch erhalten die Versicherer mehr Spielraum für ihre Kapitalanlage, da sie weniger Geld in sicheren verzinslichen Wertpapieren anlegen müssen, die wegen der Niedrigzinsphase nur gering rentieren. Ab 2012 können sie mit den neuen Beiträgen höhere Risiken eingehen und ihre Rendite-Chancen erhöhen.

Auf bestehende LV/RV-Verträge hat die Senkung des Garantiezinses keine Auswirkungen, sondern nur für Neuverträge, die nach dem 31.12.2011 abgeschlossen werden. Die Senkung des Garantiezinses bedeutet außerdem nicht, dass gute Anbieter nicht auch weiterhin eine bessere Gesamtverzinsung erwirtschaften.

Sollte man den Vertrag beitragsfreistellen?

Ob es sinnvoll ist, eine bestehende LV-Police betragsfrei zu stellen hängt vom Zeitpunkt des Vertragsbeginns ab. Für LV-Verträge, die vor 2005 geschlossen wurden, gilt noch die volle Steuerfreiheit der Erträge bei der Auszahlung im Alter. Wer vor 2005 einen LV-Vertrag abgeschlossen hat, sollte deshalb die Senkung der Überschussbeteiligung keinesfalls zum Anlass für eine Beitragsfreistellung nehmen.

Alle anderen Kunden sollten genau auf die Ertragsmitteilung des Anbieters schauen: Wenn die Überschussbeteiligung schon ein zweites Mal gesenkt wurde und sie feststellen, dass der Anbieter ertragsschwach ist, kann man durchaus überlegen, die Einzahlungen zu stoppen und den Vertrag beitragsfrei zu stellen.

Vorsicht bei Policen-Verkauf

Wenn das Geld für die Einzahlungen in einen LV/RV-Vertrag knapp ist, sollte man sich beim Versicherer nach dem Rückkaufswert erkundigen und ausrechnen, ob sich die vorzeitige Beendigung des Vertrags lohnt.

Abzuraten ist vom Verkauf der Police. Der Verkauf von Versicherungen ist eine fast schon gefährliche Sache geworden. Unter den seriösen Aufkäufern herrscht im Augenblick totale Flaute. Aktiv sind dagegen unseriöse Trittbrettfahrer, die Auszahlungen weit über dem Rückkaufswert anbieten, wenn man über sie das ausgezahlte Geld anlegt. Bei solchen Geschäften ist extreme Vorsicht geboten. Oft mangelt ist an Sicherheiten. Ob der Kunden wirklich so viel Geld bekommt, wie versprochen, ist meist mehr als fraglich.

 

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