Erbschaft- und Schenkungsteuer minimieren

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(verpd) Jeder, der ein Haus, Bargeld, Lebensversicherungs-Leistungen, ein komplettes Unternehmen oder andere Sachwerte erbt oder geschenkt bekommt, muss ab einem gewissen Wert eine entsprechende Erbschaft- oder Schenkungsteuer zahlen.

Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamts nahm der Staat alleine 2012 3,6 Milliarden Euro Erbschaft- und 0,6 Milliarden Euro Schenkungsteuer ein. Es gibt jedoch Möglichkeiten, wie Erblasser und Schenker die finanzielle Belastung für den Erben oder Beschenkten reduzieren können.

Die Erbschaft- und Schenkungsteuer wird auf Grundlage des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuer-Gesetzes (ErbStg) vom Empfänger einer Leistung, also vom Erbe oder vom Beschenkten erhoben. Je nach Verwandtschaftsgrad und Wert der vererbten oder geschenkten Sache beträgt sie zwischen sieben und 50 Prozent des steuerpflichtigen Betrages.

Unterschiedliche Freibeträge für Erben und Beschenkte

Die meisten Erbschaften und Schenkungen lagen 2012 im Rahmen der in den Paragrafen 15 und 16 ErbStG geregelten Freibeträge und wurden daher nicht in der von Destatis vorgestellten Statistik ausgewiesen.

Freibeträge für Erbfälle und Schenkungen seit dem 1.1.2010

Verwandtschaftsgrad

Freibetrag in Euro

Ehegatten und eingetragene Lebensgefährten

500.000

Kinder und Stiefkinder beziehungsweise deren Kinder, falls Erstere bereits verstorben sind

400.000

Enkelkinder

200.000

Eltern und Großeltern bei Erbschaften

100.000

Eltern und Großeltern bei Schenkungen

20.000

Geschwister, Neffen und Nichten, Stiefeltern, Schwiegereltern, Schwiegerkinder, geschiedene Ehegatten

20.000

alle übrigen Personen

20.000

Datenquelle: Erbschaft- und Schenkungsteuer-Gesetz

Höhe der Erbschaft- und Schenkungsteuer

Vermögenswert des steuerpflichtigen Erbes oder Schenkung bis einschließlich in Euro

Prozentsatz für die Steuerklasse 1, also zum Beispiel für Ehepaare, eingetragene Lebenspartner, Kinder, Enkelkinder und bei Erbschaften für Eltern und Großeltern

Prozentsatz für die Steuerklasse 2, also zum Beispiel Geschwister, Nichten, Neffen, Schwiegerkinder und bei Schenkungen für Eltern und Großeltern

Prozentsatz für die Steuerklasse 3, also zum Beispiel für unverheiratete Paare, Freunde, sonstige Verwandte wie Onkel oder Tanten

75.000

7

15

30

300.000

11

20

30

600.000

15

25

30

6 Millionen

19

30

30

13 Millionen

23

35

50

26 Millionen

27

40

50

über 26 Millionen

30

43

50

Weitere Informationen über die gesetzlichen Regelungen sowie über die genauen Steuersätze gibt es beispielsweise online beim Bundesministerium der Finanzen, bei der Oberfinanzdirektion Niedersachsen sowie auf persönliche Nachfrage auch bei den zuständigen Finanzämtern und Oberfinanzdirektionen.

Nähere Details zum Thema Erben finden sich in der vor Kurzem aktualisierten Broschüre „Erben und Vererben“ des Bundesministeriums der Justiz, die kostenlos heruntergeladen werden kann.

Freibeträge sinnvoll nutzen

Damit möglichst wenig Erbschaftsteuer anfällt, sollten die Freibeträge sinnvoll ausgenutzt werden. Wenn ein unverheiratetes Ehepaar beispielsweise heiratet oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingeht, kann nach dem Tod eines Partners der andere dadurch einen wesentlich höheren Freibetrag nutzen. Der Freibetrag erhöht sich nämlich dadurch von 20.000 auf 500.000 €.

Es kann auch sinnvoll sein, das Erbe auf die Kinder und die Enkelkinder aufzuteilen. So können die Freibeträge eines jeden einzelnen Kindes und Enkelkindes genutzt werden.

Möchte der Erblasser, dass ein bestimmtes Kind, das aber durch dieses Vorgehen nur zum Teil bedacht wurde, komplett vom Erbe profitiert, kann beispielsweise zugunsten des Kindes ein Nießbrauchrecht am Familienvermögen ebenfalls erbrechtlich festgelegt werden.

Schenken, um zu sparen

Auch eine Schenkung kann die Erbschaftsteuer mindern. Verschenkt der Erblasser schon zu Lebzeiten einen Teil oder sein gesamtes Vermögen an den künftigen Erben, werden zum einen dadurch künftige Wertzuwächse nicht mehr von der Erbschaftsteuer erfasst. Zum anderen lässt sich der persönliche Freibetrag der Erben möglicherweise nochmals nutzen, da der Freibetrag alle zehn Jahre erneut in Anspruch genommen werden kann.

Wer als Erblasser bei einer Schenkung sichergehen möchte, dass damit nicht die eigene wirtschaftliche Grundlage gefährdet ist oder die überlassene Immobilie nicht mehr selbst genutzt werden kann, kann sich vertraglich absichern.

Er kann beispielsweise sich und/oder seinem Ehepartner dazu ein dingliches unentgeltliches Nutzungsrecht, zum Beispiel ein Nießbrauchrecht, das auch ein festgelegtes Wohnrecht auf Lebenszeit enthält, in seinem „verschenkten Haus“ eintragen lassen.

Finanzielle Entlastung des Erben durch Vorsorge

Der Erblasser kann auch die finanzielle Belastung des Erben durch die Erbschaftsteuer mindern, indem er vorsorgt und eine Risikolebens-Versicherung abschließt. Diese zahlt dann bei Tod des Erblassers den vereinbarten Betrag – beispielsweise in Höhe der Erbschaftsteuer – an den angegebenen Erben aus.

Wenn der Erblasser auch Versicherungsnehmer der Lebensversicherungs-Police ist, würde jedoch die Versicherungsleistung zur Erbmasse zählen und möglicherweise die Erbschaftsteuer erhöhen.

Es empfiehlt sich daher, dass der Erbe nicht nur als Bezugsberechtigter, sondern auch als Versicherungsnehmer und der Erblasser als versicherte Person in die Risikolebens-Versicherungspolice eingetragen ist.

Vorsorge für Paare und Geschäftspartner

Paare oder Geschäftspartner, wie zwei Inhaber einer Firma, können mit einer Risikolebens-Versicherung auf Gegenseitigkeit die Belastung des hinterbliebenen Erben verringern. Bei der genannten Police werden beide Partner als versicherte Person eingetragen.

Stirbt ein Partner, erhält der andere die vereinbarte Leistung. Er kann dieses Geld für den Lebensunterhalt oder beispielsweise bei Firmenpartnern auch für die Auszahlung von Angehörigen oder für die Zahlung der Erbschaftsteuer verwenden.

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