Datenklau und Cybercrime: Milliardenschäden bei Fertigungsbetrieben

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(verpd) 69 Prozent der Produktions- beziehungsweise Fertigungsbetriebe waren in den letzten zwei Jahren Opfer von Datendiebstahl, Spionage- und Sabotageangriffen, so eine Umfrage des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom). Laut Bitkom beträgt die dabei verursachte Schadenshöhe alleine bei Industriebetrieben rund 22,35 Milliarden Euro pro Jahr. Doch immer noch haben nur wenige Firmen einen ausreichenden finanziellen Schutz für den Ernstfall, obwohl es umfangreiche Absicherungslösungen gibt.

Industrie-, also Produktions- beziehungsweise Fertigungsbetriebe, sind besonders häufig Opfer von Datendiebstahl, Spionage und/oder Sabotage, wie eine in diesem Jahr veröffentlichte Umfrage des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) ergab. Laut der „Spezialstudie Wirtschaftsschutz“ der Bitkom war die Mehrheit, nämlich 69 Prozent, der befragten Unternehmen in den letzten zwei Jahren davon betroffen.

Weitere 20 Prozent der Industriebetriebe vermuten entsprechende Angriffe auf ihre Unternehmen in dieser Zeit. Nur elf Prozent der 504 befragten Industriebetriebe mit einer Betriebsgröße ab zehn Mitarbeitern hatten nach eigenen Angaben keine derartigen Vorfälle. Bitkom geht davon aus, dass durch Datenklau, Spionage und/oder Sabotage der Industrie hierzulande jedes Jahr ein Schaden in Höhe von 22,35 Milliarden Euro entsteht.

69 Prozent der Betriebe sind betroffen

Insgesamt spielt die Betriebsgröße bei der Wahrscheinlichkeit, Opfer von Cyberkriminellen und Datendieben zu werden, eine untergeordnete Rolle, wie die Umfrage belegt. Nach eigenen Angaben waren 70 Prozent der Industriebetriebe von zehn bis 99 Mitarbeiter, 64 Prozent der Betriebe mit 100 bis 499 Mitarbeitern und 77 Prozent der Großunternehmen ab 500 Mitarbeitern von Datendiebstahl, Spionage und/oder Sabotageattacken betroffen.

Bei fast jedem dritten Produktions- beziehungsweise Fertigungsbetrieb (32 Prozent) wurden IT- oder Telekommunikations-Geräte geklaut. Rund jeder fünfte Betrieb verzeichnete einen Diebstahl von sensiblen Dokumenten und Informationen in elektronischer oder in Papierform, aber auch von kompletten Bauteilen und Maschinen. Knapp jedes sechste Industrieunternehmen war von einer Sabotage der Betriebsabläufe betroffen, zusätzlich vermutet jeder siebte Betriebsverantwortliche einen entsprechenden Angriff auf sein Unternehmen.

Bei jeder siebten Firma wurde zum Teil erfolgreich auf betrügerische Weise versucht, vertrauliche Informationen von Mitarbeitern abzugreifen. Etwa die gleiche Anzahl der Betriebe vermuten es. Das Ausspähen von E-Mails und anderen elektronischen Kommunikationsmitteln wurde von sechs Prozent der Unternehmen festgestellt. Insgesamt glauben fast ein Viertel aller Industriebetriebe, dass sie davon ebenfalls betroffen waren. Fünf Prozent gaben an, dass betriebsinterne Besprechungen und Telefonate abgehört wurden. Mehr als doppelt so viele nehmen es an, ohne es beweisen zu können.

Jährlich 22,35 Milliarden Euro Schaden

Die Schäden durch Datendiebstahl, Spionage und Sabotage bei Fertigungsbetrieben beliefen sich nach Berechnungen der Bitkom auf Grundlage der Umfrage auf rund 44,7 Milliarden Euro in den letzten zwei Jahren. Davon entfielen 14,2 Milliarden Euro auf entsprechende Umsatzeinbußen durch Plagiate, 9,3 Milliarden Euro auf Patentrechts-Verletzungen, 5,7 Milliarden Euro auf Verluste durch Wettbewerbsnachteile und 4,5 Milliarden Euro auf Rechtsstreitkosten. Geklaute Daten sowie der Ausfall oder die Schädigung von Anlagen verursachten rund 4,0 Milliarden Euro Kosten.

Wie die Befragung zeigt, nutzen alle Industriebetriebe bereits passwortgeschützte Geräte, Firewalls und Virenscanner. Verschlüsselte Netzwerkverbindungen haben 83 Prozent im Einsatz. Doch weniger als die Hälfte der Produktions- beziehungsweise Fertigungsbetriebe verschlüsselt die Daten auf den Datenträgern (48 Prozent) und die ein- sowie ausgehenden E-Mails (46 Prozent). Nur 35 Prozent der Betriebe sichert ihr Firmennetzwerk gegen den Datendiebstahl durch eigene oder ehemalige Mitarbeiter.

Dabei wird laut Umfrage die Mehrheit der Datendiebstahls-, Spionage- und Sabotageangriffe von aktuellen oder ehemaligen Mitarbeitern verübt – nämlich insgesamt in 65 Prozent aller Fälle. Weitere Tätergruppen sind bei 32 Prozent dieser Delikte Kunden, Lieferanten und Dienstleister, bei 16 Prozent Konkurrenten, bei 14 Prozent organisierte Banden, bei zwölf Prozent Privatpersonen (Hobbyhacker) und bei sechs Prozent der Fälle ausländische Nachrichtendienste.

Allroundabsicherung gegen Cyberrisiken und Sabotage

Neben den zum Teil laut Umfrage unzureichenden Absicherungen im IT-Bereich und bei den sonstigen betrieblichen Sicherheitsmaßnahmen gegen Cyberkriminalität ist nur jeder zehnte Industriebetrieb gegen die Folgen digitaler Spionage, Sabotage oder Datendiebstahl abgesichert. Bei den kleineren Produktions- und Fertigungsbetrieben von zehn bis 99 Mitarbeitern ist es sogar nur jeder 20. Betrieb. Dabei bietet die Versicherungswirtschaft unter anderem mit sogenannten Cyber-Versicherungen einen konkreten Versicherungsschutz gegen Cyberrisiken.

Damit können Firmen Kosten, die ihnen beispielsweise infolge eines Cyberangriffs entstehen, absichern, wie Ausgaben für die Wiederherstellung beschädigter Daten oder die Reparatur von IT-Systemen nach einer Hacker-Sabotage. Auch die Kosten möglicher Betriebsunterbrechungen aufgrund Cyberattacken oder die Ausgaben, um einen solchen Stillstand zu vermeiden, sind absicherbar. Versicherbar sind aber auch mögliche Kosten für ein notwendiges Krisenmanagement, nachdem Cyberkriminelle beispielsweise geklaute Daten unerlaubt veröffentlicht haben.

„Eine Versicherung gegen Cybercrime ist eine sinnvolle Ergänzung technischer und organisatorischer Maßnahmen zur Verbesserung der IT-Sicherheit“, so Marc Fliehe, IT-Sicherheitsexperte des Bitkom. Doch nicht nur Cyberrisiken lassen sich absichern. Es gibt auch Allgefahren-Versicherungen für Computer, sonstige IT- und Kommunikationsanlagen, sowie für Maschinen und Anlagen. Eine Elektronik- oder eine Maschinenversicherung leistet beispielsweise nicht nur bei Schäden durch Brand, Überschwemmung oder Diebstahl, sondern auch bei Sabotage oder Bedienungsfehlern.

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