Augen auf beim Gebrauchtwagenkauf

 - 

Beim Kauf von kostengünstigen Autos aus zweiter oder dritter Hand sollten private Verbraucher vor allem wegen der Haftungsfrage genau hinsehen, um bei später auftauchenden Schäden keine böse Überraschung erleben zu  müssen.

Der erste Blick beim Gebrauchtwagenkauf sollte deshalb immer den Fahrzeugpapieren gelten. Diese sind wichtig, um versteckte Mängel feststellen oder gar den Erwerb eines gestohlenen Wagens vermeiden zu können. Die wichtigsten Dokumente sind der Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung I) und der Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung II).

Fahrzeugschein

Der Fahrzeugschein gibt Auskunft über das Datum der Hauptuntersuchung (TÜV), das auch auf der Prüfplakette am hinteren Nummernschild stehen muss. Als privater Käufer sollte man auf den dazugehörigen Prüfbericht bestehen. Hier können Fahrzeugmängel vermerkt sein, die man nicht sofort sieht.

Fahrzeugbrief

Im Fahrzeugbrief sind Fahrzeughalter, Datum der Erstzulassung, die Anzahl der Vorbesitzer und die Fahrgestellnummer vermerkt. Fehlt der Name des Verkäufers, den Sie am besten anhand des Personalausweises ermitteln sollten, könnte das ein Indiz für einen Diebstahl des Wagens sein. Stimmen Halter und Verkäufer nicht überein, sollten Sie sich vom Verkäufer eine Verkaufsvollmacht des Eigentümers vorlegen lassen.

Handelt es sich um ein "getuntes" Fahrzeug, müssen vorgenommene Umbauten unbedingt in den Fahrzeugpapieren vermerkt sein. Fehlen diese Vermerke, erlischt für das umgebaute Auto die Betriebserlaubnis und es besteht kein Versicherungsschutz mehr. Für bestimmte Einbauteile, wie etwa spezielle Räder, kann eine Einzelbetriebserlaubnis bestehen. Für diese ist zwar keine Eintragung in den Papieren erforderlich, aber es muss eine Bescheinigung über die Teile-Betriebserlaubnis und den ordnungsgemäßen Einbau mitgeführt werden.

Tipp
Wenn Sie sich ans Steuer eines Fahrzeugs ohne gültige Betriebserlaubnis setzen, begehen Sie eine Ordnungswidrigkeit und riskieren eine Geldbuße sowie Punkte beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg.

Sind die Papiere in Ordnung, kann die Probefahrt beginnen. Doch Vorsicht: Findet der geplante Verkauf des Wagens von privat zu privat statt, haftet bei der Probefahrt grundsätzlich der Fahrer des Wagens für Schäden am Fahrzeug, und zwar selbst bei geringem Verschulden. Schäden Dritter sind über die Haftpflichtversicherung des Fahrzeugs abgedeckt, aber nur, wenn es noch zugelassen und mit einem amtlichen Kennzeichen versehen ist.

Tipp
Prüfen Sie vor der Probefahrt, ob das Nummernschild mit dem in der Zulassungsbescheinigung angegebenen Kennzeichen übereinstimmt.

Eine kurze schriftliche Vereinbarung zwischen privatem Verkäufer und Käufer über die Haftungsfrage kann bei einem Schadensfall hilfreich sein. Ist der Verkäufer Autohändler, sollte man als potenzieller Käufer auf einer Probefahrt-Vereinbarung bestehen. Selbst wenn der Händler eine Vollkaskoversicherung für das Fahrzeug abgeschlossen haben sollte, ist der Kaufinteressent im Ernstfall meist mit einer Selbstbeteiligung dabei. Komplett selbst bezahlen muss der Kaufinteressent den Schaden trotz Vereinbarung, wenn er grob fahrlässig einen Unfall verursacht hat.

Das Fahren mit einem unangemeldeten und unversicherten Fahrzeug kann nicht nur bei einem Unfall negative Folgen haben: Fahren ohne Versicherungsschutz ist eine Straftat (§ 6 Pflichtversicherungsgesetz), die mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe geahndet wird. Dringend ist davon abzuraten, eine Probefahrt mit einem Auto zu unternehmen, an das der Verkäufer mal eben die Nummernschilder von seinem Kumpel angeschraubt hat. Abhilfe bieten die sogenannten Kurzzeitkennzeichen.

Was ist zu tun, wenn der Gebrauchtwagen plötzlich ruckelt oder rumort? Zeichen der Abnutzung weist jeder Gebrauchtwagen auf, doch Sachmängel muss der Käufer nicht tolerieren. Hierzu gehören z.B. nicht angegebene Unfallschäden. Bagatellschäden wiederum, wie geringfügige Lackschäden oder der übliche Verschleiß der Bremsen, muss der Käufer akzeptieren (BGH, Az. VIII ZR 253/05). Für alle Sachmängel, die über den üblichen Verschleiß hinausgehen, haftet hingegen meist der Verkäufer. Hierbei ist entscheidend, ob das Fahrzeug von privat oder bei einem Händler gekauft wurde.

Kauf bei einem Gebrauchtwagenhändler

Erfolgt der Kauf bei einem gewerblichen Händler, haftet dieser zwei Jahre lang für Mängel, die erst nach dem Kauf bemerkt werden (Neuregelung des Gewährleistungsrechts im Bürgerlichen Gesetzbuch). Der Händler kann diese Frist bei Gebrauchtwagen per Vertrag auch auf ein Jahr verkürzen.. Auf der sicheren Seite sind Sie als Käufer jedoch nur, wenn Sie Sachmängel innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Kauf beanstanden. Nach Ablauf dieser sechsmonatigen Frist müssen Sie als Käufer beweisen, dass der Schaden bereits zum Kaufzeitpunkt bestand.

Innerhalb der Sechs-Monats-Frist muss der Händler für die Kosten aufkommen, den Kaufpreis herabsetzen oder den Mangel innerhalb einer vom Käufer gewünschten angemessenen Frist auf eigene Kosten beseitigen. Auch ein Rücktritt vom Kaufvertrag kann bei erheblichen Mängeln möglich sein. Anspruch auf Schadenersatz, Rücktritt vom Vertrag oder eine nachträgliche Kaufpreisminderung besteht für den Käufer aber nur, wenn der Händler eine angemessene Frist zur nachträglichen Erfüllung des Kaufvertrags erhält und der Käufer nicht schon vorab den Schaden aus eigener Tasche reparieren lässt (BGH, 2005, VIII ZR 100/04).

Gebrauchtwagen von Privatleuten

Wird der Kauf privat abgewickelt, kann der Verkäufer die Sachmängelhaftung ausschließen, indem er das im Kaufvertrag festhält. Dieser Ausschluss gilt selbst für schwerste Mängel. Damit kann sich der Verkäufer vor der Sachmängelhaftung absichern und wird nur bei ausdrücklichen Garantiezusagen oder nachweisbarer Arglist in die Pflicht genommen.

Ohne diese Klausel bürgt er zwei Jahre lang für alle Mängel des Gebrauchtwagens zum Zeitpunkt des Verkaufs, abgesehen von normalen Abnutzungs-, Verschleiß- und Alterungsschäden.

Tipp
Seien Sie bei einem vertraglichen Haftungsausschluss besonders misstrauisch und prüfen Sie den Zustand des Fahrzeugs ggf. mit Hilfe eine Sachverständigen.

Weitere News zum Thema

  • Gegen eine überhöhte Stromrechnung

    [] (verpd) Erhöht sich der Stromverbrauch eines Konsumenten ohne ersichtlichen Grund in erheblichem Umfang, so ist es Sache des Stromversorgers zu beweisen, dass kein Fehler bei der Abrechnung vorliegt. Das hat das Landgericht Magdeburg entschieden (Az. 11 O 405/16). mehr

  • Nicht jedes Geschenk gefällt

    [] (verpd) Wer als Schenker und Beschenkter Wert darauf legt, ein Geschenk auch nach Weihnachten umtauschen zu können, sollte auf bestimmte Kriterien achten. In Deutschland gibt es nämlich kein generelles Umtauschrecht für eine an sich fehlerfreie Ware. Eine neu gekaufte Ware kann rein rechtlich nur in bestimmten Fällen umgetauscht werden. Und selbst wenn ein Händler ein Umtauschrecht einräumt, ist dies meist nur für einen gewissen Zeitraum und unter bestimmten weiteren Bedingungen möglich. mehr

  • Damit Weihnachten und Silvester in guter Erinnerung bleiben

    [] (verpd) Gerade in der Weihnachtszeit und insbesondere auch an Silvester ist das Brand- und Verletzungsrisiko signifikant höher. Diverse Versicherungspolicen schützen zumindest vor den finanziellen Schäden, die durch solche Brände und Schadensereignisse verursacht werden können. mehr

  • Die größten Sorgen der Deutschen

    [] (verpd) Die Furcht vor einer schweren Krankheit führt das Sorgen-Ranking der Bundesbürger an. Dies zeigt eine Umfrage, die ein Marktforschungs-Institut im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) durchgeführt hat. Demnach sind die wirtschaftlichen Ängste zwar in den letzten Jahren insgesamt rückläufig, haben aber in der Altersgruppe der 30- und 59-Jährigen zum Teil deutlich zugenommen. mehr

  • Gericht entscheidet, ob Gewaltopfer glaubhaft erscheinen

    [] Nur das Gericht selbst und nicht ein von ihm gehörter aussagepsychologischer Sachverständiger entscheidet, ob Angaben eines Gewaltopfers zur Tat relativ wahrscheinlicher sind als die Annahme, das von ihm Geschilderte habe so nicht stattgefunden. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.