102 Fragen und Antworten zum Euro

1. Ist die Euro- Krise vorbei?

Ja – vorerst. Das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der europäischen Politik und in die Wirtschaft Europas ist an den Kapital- und Aktienmärkten zurückgekehrt. Entschlossene Auftritte der Europäischen Zentralbank (EZB) brachten im Sommer 2012 die Wende. Im Sommer 2013 konnte nach sechs Quartalen mit sinkendem Wachstum endlich die Überwindung der Rezession gemeldet werden. Die Wirtschaft in der Eurozone wächst wieder. Der Wermutstropfen: Griechenland ist trotz guter Entwicklungen im Tourismus weiterhin auf milliardenschwere Unterstützungen der EU angewiesen. Das wird teuer. Und insgesamt haben die europäischen Länder immer noch viel zu hohe Schulden, nämlich 90,6 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das ist so viel, dass kommende Generationen unter dieser Schuldenlast leiden werden. Das Vertrauen in Europa ist ein zartes Pflänchen, das viel Hege und Pflege braucht.

2. Der Euro – wie fing alles an?

Erste Schritte auf dem Weg zur Europäischen Währungsunion wurden bereits in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts getan: Die Nachkriegsordnung der marktwirtschaftlichen Systeme Europas, Nordamerikas und Japans gründete auf dem System von Bretton Woods, das den internationalen Rahmen für Währungsstabilität mit Gold und dem US-Dollar als vorherrschenden Währungsstandard lieferte. Die europäischen Verfasser der Römischen Verträge unterstellten daher, dass stabile Währungen die Norm bleiben würden. Die Auflösung des Systems von Bretton Woods, die Aufgabe des Goldstandards und freie Konvertierbarkeit des US-Dollar bescherten den Devisenmärkten und der Weltwirtschaft jedoch turbulente Zeiten. Die Idee: Eine europäische Währungsunion würde Abhilfe schaffen.

3. Wann wurde die Europäische Währungsunion gegründet?

Die Gründung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) erfolgte 1992 durch den Maastrichter Vertrag. Entscheidend beeinflusst wurde die Gründung von dem 1988 erarbeiteten Delors-Bericht (benannt nach dem damaligen EG-Kommissionspräsidenten Jacques Delors) und dem darin vorgeschlagenen 3-Phasen-Konzept. 1989 hatte der französische Staatspräsident Mitterand die beschleunigte Einführung einer gemeinsamen Währung zur Bedingung für seine Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung gemacht.

  • Erste Phase (1.7.1990 bis 31.12.1993): Die nationalen Wirtschafts- und Währungspolitiken werden mithilfe der Konvergenzkriterien koordiniert.

  • Zweite Phase (1.1.1994 bis 31.12.1998): Beinhaltete insbesondere die Gründung des Europäischen Währungsinstituts (EWI) als Vorläufer der Europäischen Zentralbank (EZB).

  • In der dritten Phase (ab 1.1.1999) war der Übergangsprozess endgültig abzuschließen. Durch Beschluss des Europäischen Rates vom 2.5.1998 wurden zunächst elf Staaten (sog. EU 11), die zu diesem Zeitpunkt die für die Teilnahme an der EWWU vorgeschriebenen Konvergenzkriterien des Maastrichter Vertrags erfüllten, in die Währungsunion aufgenommen. Der Euro (Währungszeichen: €) ist mit dem Beginn der dritten Phase einheitliche Währung der EWWU, zunächst als Recheneinheit im bargeldlosen Zahlungsverkehr.

4. Seit wann bezahlen wir mit Euro?

Der Startschuss für den Euro fiel am 1.1.2002. Jeder Bundesbürger erhielt das sogenannte Starter-Kit, bestehend aus insgesamt 20-Euro-Münzen, im Gegenwert von 10,53 €. Eine D-Mark wurde zu 1,95531 in 1,00 € umgerechnet. Die Wechselkurse zwischen den Währungen der Mitgliedsländer und der neuen Währung Euro waren bereits am 1.1.1999 unwiderruflich fixiert worden.

5. Welche Länder waren von Anfang an in der Währungsunion mit dabei?

Die 11 Gründungsmitglieder waren: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien.

6. In wie vielen Ländern wird heute mit Euro bezahlt?

Heute hat die Europäische Währungsunion 17 Mitglieder. Die Erweiterung der Währungsunion: Am 1.1.2001 folgte die Teilnahme Griechenlands. In den Folgejahren traten Slowenien (2007),Malta und Zypern (2008), Slowakei (2009) und Estland (2011) bei. Der nächste Kandidat ist Kroation, das zum 1.7.2013 der EU beigetreten ist, bisher die Kriterien für die Aufnahme in die Währungsunion jedoch nicht erfüllt. Länder wie Polen, die ihre Absicht zum Beitritt bereits bekundet hatten, haben von einem Beitritt angesichts der aktuellen Turbulenzen Abstand genommen. Die Vorteile, die der Beibehalt einer eigenen Währung im internationalen Wettbewerb bringen kann, sind für Polen derzeit zu offensichtlich.

7. Welche wichtigen Länder sind nicht Mitglied der Währungsunion?

Großbritannien und Dänemark hatten sich bereits die Option der Nichtteilnahme vorbehalten, während Schweden gar nicht am EU-Wechselkursmechanismus teilnahm und sich mit dem Referendum vom 14.9.2003 mehrheitlich gegen eine Mitgliedschaft in der Währungsunion entschied. Die drei Länder haben ihre Währungen behalten (Britisches Pfund, Dänische und Schwedische Krone).

8. Was sind die Konvergenzkriterien (Maastricht-Kriterien)?

  • Ein hohes Maß an Preisniveaustabilität: Die durchschnittliche Inflationsrate darf nicht mehr als 1,5 % über der Inflationsrate der drei preisstabilsten EU-Länder liegen.

  • Ein nicht zu hohes Haushaltsdefizit: Das laufende Budgetdefizit des Gesamtstaates darf 3 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht überschreiten. Außerdem darf der öffentliche Schuldenstand nicht höher als 60 % des BIP sein. Was bedeutet das? Jedes Jahr stellt ein Land einen Haushalt auf – und verschuldet sich dabei oft aufs Neue. Wenn solch ein neues Budgetdefizit nicht höher als 3 % des BIP sein darf, dann bedeutet das für Deutschland aktuell bei einem Bruttoinlandsprodukt von rund 3000 Milliarden Euro: Eine Neuverschuldung von 3 % entspräche 90 Milliarden Euro.

  • Die engen Bandbreiten des EU-Wechselkursmechanismus müssen in den vergangenen zwei Jahren eingehalten worden sein.

  • Der durchschnittliche langfristige Nominalzins darf im Jahr der Prüfung für die Aufnahme in die Währungsunion nicht mehr als 2 % über dem entsprechenden Satz der drei preisstabilsten EU-Länder gelegen haben.

9. Haben die Maastricht-Kriterien ihren Zweck erfüllt?

Die Maastricht-Kriterien sollten für haushaltspolitische Disziplin sorgen. Doch schon in den 90er -Jahren war klar, dass mehrere der potenziellen Mitglieder der Währungsunion die Maastricht-Kriterien nicht erfüllen würden, so zum Beispiel Italien und Belgien. Beide Länder weisen seit Langem einen sehr hohen staatlichen Schuldenstand auf und haben die Maastricht-Kriterien nie erfüllt. Ihre Teilnahme an der Währungsunion war dennoch politisch wichtig und deshalb gewollt.

10. Wer sind die Väter der Europäischen Währungsunion?

Als Väter der Währungsunion können der Franzose Jacques Delors und der deutsche Kanzler Helmut Kohl gelten. Delors brachte Frankreich nach der Ära Mitterand von einem wirtschaftspolitischen Schlingerkurs ab und stellte danach in Brüssel als Präsident der EU-Kommission wichtige Weichen in Richtung Währungsunion. Kohl wiederum konnte mit dem Erfolg der Wiedervereinigung im Rücken die Währungsunion durchsetzen und in der Folge gegen Zweifler und Widersacher verteidigen.

11. Seit wann gibt es die Europäische Zentralbank (EZB)?

Die Aufgaben der Europäischen Zentralbank (EZB) wurden erstmals im Vertrag von Maastricht (1992) festgelegt. Ihre Arbeit nahm die EZB am 1.1.1998 auf. Präsident der EZB ist derzeit der Italiener Mario Draghi.

12. In welchen europäischen Ländern zahlt man nicht mit Euro?

Welche Währungen gibt es dort?

Land

Währung

Währungskürzel

Norwegen

Norwegische Kronen

NOK

Kroatien

Kuna

HRK

Litauen

Litas

LTL

Lettland

LATS

LVL

Polen

Zloty

PLN

Ungarn

Forint

HUF

Tschechien

Tschechische Krone

CZK

Großbritannien

Britisches Pfund

GBP

Dänemark

Dänische Krone

DKK

Schweden

Schwedische Krone

SEK

Schweiz

Schweizer Franken

CHF

13. Wie hoch ist die Wirtschaftskraft der Eurozone?

Ein wesentlicher Grund für die Schaffung eines einheitlichen Währungsraumes ist die vereinte Wirtschaftskraft, die hinter einer Währung steht. Die Wirtschaftskraft des geeinigten Europäischen Währungsraumes beträgt heute umgerechnet 12195 Milliarden US-Dollar, das sind rund 9500 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die USA bringen es auf 15685 Milliarden US-Dollar, Japan auf 6084 Milliarden US-Dollar und China auf 8230 Milliarden US-Dollar. Die Wirtschaftskraft, die im Hintergrund des Euro steht, würde sich auch durch einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion nicht wesentlich ändern. Die griechische Wirtschaft bringt etwa 190 Milliarden auf die Waage- das sind 2 % der Eurozone

Die stärksten internationalen Wirtschaftskräfte (in USD)

Rang

Land

Sozialprodukt

Wachstum aktuell

1

USA

15685 Mrd. USD

+2,3 %

2

Euroland

12195 Mrd. USD

−0,5 %

3

China

8230 Mrd. USD

+7,6 %

4

Japan

5960 Mrd. USD

+3,2 %

5

Deutschland

3400 Mrd. USD

+0,5 %

6

Frankreich

2613 Mrd. USD

+0,3 %

7

Großbritannien

2440 Mrd. USD

+0,5 %

8

Brasilien

2435 Mrd. USD

−0,5 %

9

Russland

2015 Mrd. USD

−2,6 %

10

Italien

2013 Mrd. USD

+4 %

11

Indien

1842 Mrd. USD

+5,5 %

(Tradingeconomics)

14. Welche greifbaren Vorteile hat der Euro?

Der gemeinsame Währungsraum sollte die Europäer stärken. Der Euro hat sich tatsächlich neben dem US-Dollar zur zweitwichtigsten internationalen Währung entwickelt. Wirtschaftsforschungsinstitute schätzen, dass die Währungsunion Europa Wachstumsgewinne von im Durchschnitt 1,5 % pro Jahr gebracht hat. Profitiert haben deutsche Exporteure. Von den deutschen Exporten gehen heute mehr als rund 45 % in den Euroraum. Deutschland profitierte aber vor allem deshalb, weil die turnusmäßigen Aufwertungen der D-Mark, die die deutsche Wettbewerbsfähigkeit immer wieder herausforderten, seit Einführung der Europäischen Währungsunion wegfielen.

Die verfügbaren Einkommen breiter Bevölkerungsschichten sind in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren dagegen nicht gestiegen. Gestiegen sind hingegen die Geldvermögen insgesamt. Das beschert uns in Deutschland derzeit eine medienwirksame Verteilungsdiskussion. Wir zeigen die deutsche Einkommensverteilung im internationalen Vergleich, gemessen mit dem Gini-Koeffizienten. Da gilt: Je kleiner der Gini-Koeffizient, desto gleichmäßiger sind die Einkommen verteilt. Es ist klar ersichtlich, dass die Einkommensverteilung in Deutschland und der Europäischen Union gleichmäßiger ist, als in weiten Teilen der Welt.

15. Was war der sogenannte Konvergenzprozess?

Im Vorfeld der Währungsunion kam es am Kapitalmarkt zu einer Angleichung der Renditen, dem Konvergenzprozess.. Die Kapitalmarktzinsen für Länder, die sich im Rahmen der Europäischen Währungsunion zu günstigen Konditionen verschulden können, gaben deutlich nach. Besonders ausgeprägt waren Kursgewinne im Rahmen dieses Konvergenzprozesses in Griechenland und in Spanien. Beide Länder haben bis zum Ausbruch der Euro-Krise von den preiswerten Finanzierungsmöglichkeiten stark profitiert und sich stark verschuldet. Alle wichtigen Euro-Länder erhielten von den internationalen Rating-Agenturen das Top-Rating AAA.

16. Was ist eine Rating-Agentur?

Rating-Agenturen bewerten Schuldner, damit Gläubiger eine Vorstellung von der Zahlungsfähigkeit bekommen. Wer ein guter Schuldner ist, zahlt seine Zinsen und auch das geliehene Kapital zurück. Es gibt drei groß Rating-Agenturen – es sind alle drei private US-Unternehmen. Sie heißen Standard&Poor's, Moodys und Fitch. Sie nehmen ihre Bewertungen gegen Honorar vor. Die meisten großen Unternehmen, die am Kapitalmarkt Geld aufnehmen wollen, lassen sich von einer oder mehreren dieser Agenturen bewerten. Das gilt genauso für Staaten. Aus dem Rating ergibt sich, wie hoch die Zinsen sind, die ein Unternehmen bei Schuldenaufnahme zahlen muss.

17. Sollte man Rating-Agenturen nicht besser verbieten?

Die Rating-Agenturen haben während der Euro-Krise durch schlechtere Noten für die Krisenländer für jede Menge zusätzliche Unruhe an den Börsen und Kapitalmärkten gesorgt. Daraufhin wurde die Forderung laut, diese Rating-Agenturen doch besser zu verbieten. Das ist nicht sinnvoll, denn wer am internationalen Kapitalmarkt Geld aufnehmen will und kein Rating vorzuweisen hat, muss normalerweise deutlich höhere Zinsen bezahlen.

18. Wieso gibt es keine europäische Rating-Agentur?

Das ist eine gute Frage. Die Einrichtung einer solchen Agentur sollten die Europäer als starker Wirtschaftsverbund in Zukunft ins Auge fassen. In der Schweiz gibt es eine kleine unabhängige Rating-Boutique, die sich von Investoren, nicht von Emittenten, bezahlen lässt. Ihr Name ist I-CV, das steht für Independent Credit View. I-CV hat Deutschland die Bestnote AAA entzogen. Die beste Schuldnerqualität haben bei Staatsschuldnern nach Einschätzung von I-CV nur noch Norwegen, Schweden, die Schweiz und Singapur.

19. Wie bewerten die Rating-Agenturen den europäischen Rettungsschirm?

Über der Eurozone wurde ein Rettungsschirm aufgespannt, um Pleiten einzelner Länder zu verhindern. Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann zusammen mit dem EFSF bis zu 700 Milliarden Euro an krisengeschüttelte Euro-Länder vergeben können. Moodys stufte die Kreditwürdigkeit des ESM mit der Bestnote Aaa ein. In Kraft ist der ESM seit dem 8.10.2012. Der ESM ersetzt den Rettungsschirm EFSF (European Financial Stability Facility); bis Mitte 2013 existieren die beiden parallel, dann geht der EFSF im ESM auf

20. Wie funktionieren diese Rettungsschirme nun genau?

Zuerst wurde der EFSF ins Leben gerufen – vorübergehend. Als Zweckgesellschaft, die anstelle von einzelnen Ländern Anleihen am Kapitalmarkt begibt, für welche die Mitgliedstaaten der Eurozone mit unterschiedlich hohen Anteilen gemeinschaftlich haften. Der jeweilige Anteil der Haftung richtet sich dabei nach der Höhe des Kapitalanteils der Staaten an der Europäischen Zentralbank. Der EFSF ist ausgestattet mit garantierten Krediten von 750 Milliarden Euro, davon 60 Milliarden aus dem Haushalt der Europäischen Union, 440 Milliarden vom EFSF, 250 Milliarden vom IWF. Das Ausleihvolumen des EFSF von ursprünglich 440 Milliarden Euro beträgt jetzt noch 148 Milliarden Euro. 26 Milliarden Euro gingen an Portugal, 17,7 Milliarden Euro an Irland und 144,6 Milliarden Euro nach Griechenland. 100 Milliarden Euro sind bereits für die spanischen Banken verplant.

21. Was muss Deutschland tatsächlich zahlen?

Deutschland muss in den Jahren 2013 bis 2016 knapp 22 Milliarden in bar in den ESM einzhalen und 168 Milliarden an Garantien tragen. Das Geld kommt von der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Bei dem Gesamtvolumen von 440 Milliarden Euro, das für den EFSF zur Verfügung gestellt wurde, hat Deutschland sich nur zur Übernahme von Garantien verpflichtet und musste keine Bareinzahlung leisten. Weitere 22 Milliarden Euro wurden von Deutschland bereits zur Stützung von Griechenland ausgegeben - das Geld stammte ebenfalls von der KfW.

22. Was ist SMP?

Schon vor dem Aufspannen der Rettungsschirme wurden die Krisenländer indirekt gestützt – durch Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank im Rahmen von SMP. SMP steht für Securities Market Program– dem ersten Anleihen-Aufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank– es wurdebereits im Mai 2010ins Leben gerufen, als mit dem Beginn der Eurokrise die Refinanzierung am Kapitalmarkt für EU-Peripheriestaaten schwierig wurde.

23. Darf die EZB Anleihen von Krisenländern kaufen?

Seit 2010 kauft die EZB Anleihen von Krisenländern am Sekundär-Markt. Damit entlastet sie in erster Linie nicht die Länder, sondern die Banken, welche diese Forderungen in ihren Büchern haben. Dafür erntete sie heftige Kritik. Nach Art. 123 AEUV (Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union) ist der unmittelbare Erwerb von Schuldtiteln von Regierungen der Mitgliedstaaten des Europäischen Währungssystems durch die Europäische Zentralbank verboten. Der Trick: Der Kauf von Anleihen am Sekundärmarkt stellt keinen unmittelbaren Erwerb von Schuldtiteln dar.

24. Warum auch noch der ESM?

Es wurde schnell klar, dass die Mittel des EFSF nicht ausgereicht hätten, wenn es auch noch Spanien und Italien an den Kragen gegangen wäre. Ausgestattet wurde der ESM mit Sitz in Luxemburg mit einem Stammkapital von 700 Milliarden Euro (Kapital und Garantien), das von den Ländern der Eurozone, dem EFSF und dem IWF bereitgestellt wird. Deutschland leistet verteilt über die Jahre 2012 bis 2014 insgesamt 22 Milliarden Euro in bar und 168 Milliarden Euro an Garantien. Das maximale Kreditvolumen des ESM wurde auf 500 Milliarden Euro festgelegt. Die gemeinsame Kreditobergrenze von ESM und EFSF liegt bei 700 Milliarden Euro. Das sichert angesichts der hohen staatlichen Garantien die Bestnote der Rating-Agenturen. Chef des ESM ist der Deutsche Klaus Regling, ein langjähriger Kenner der Materie, der übrigens die Defizitverfahren gegen Deutschland und Frankreich einleitete, als diese in den Jahren 2002 und 2003 mit ihrer Neuverschuldung die Maastricht-Kriterien verletzten. Europäische Krisenländer bekommen vom Rettungsschirm erst dann Geld, wenn sie Sanierungsauflagen der Troika (EU-Kommission, EZB, IWF) akzeptiert haben.

25. Reicht das Geld jetzt, um die Krise zu beenden?

Offensichtlich ja. Der Refinanzierungsbedarf von Spanien und Italien beläuft sich allein in den beiden Jahren 2013 und 2014 auf 600 Milliarden Euro; der ESM könnte mit seiner derzeitigen Ausstattung 700 Milliarden Euro auffangen. Da die Europäische Zentralbank (EZB) bzw. ihr Präsident Draghi angekündigt hat notfalls unbegrenzt Anleihen der Krisenländer zu kaufen, macht man sich am Kapitalmarkt weniger oder gar keine Sorgen mehr um die Solvenz Italiens und Spaniens. Seit der Ankündigung Draghis im Sommer 2012 sind die Risikoaufschläge für Anleihen der Krisenländer sehr deutlich zurückgegangen. Für mehr als 400 Milliarden Euro hat die EZB bereits Anleihen der Krisenländer im Rahmen ihrer beiden Aufkaufprogramme SMP (Securities Markets Program) und CBPP (Covered Bond Purchase Program) gekauft. I

26. Drohen Nebenwirkungen und Langzeitfolgen?

Seit Beginn der Krise wurden nach und nach verschiedene Gegenmaßnahmen ergriffen, um jeweils aktuelle Brandherde zu löschen. Die europäische Politik musste sich dabei den Vorwurf gefallen lassen, viel zu zögerlich zu agieren und die Probleme nicht an der Wurzel zu packen. Die Rezeptur der Gegenmaßnahmen ist kompliziert – hinter Abkürzungen wie EFSF (European Financial Stability Facility), SMP, CFSB, ESM oder OTM verbergen sich komplexe Strukturen, die nur noch von wenigen verstanden werden. Den Parlamentariern, die die Gegenmaßnahmen unter dem Druck ihrer Regierungen gutheißen mussten, fehlt in aller Regel der Durchblick. Damit ist die Gefahr groß, dass die im Eiltempo durchgepeitschten Rettungsaktionen fatale Langzeitfolgen haben werden.

27. Wer ist der größte Profiteur der Europäischen Währungsunion?

Die Wohlfahrtsgewinne der Gemeinschaftswährung wurden lange Zeit hoch geschätzt. In nackten Zahlen ausgedrückt betrug das zusätzliche Wachstum, das Europa als Folge der Einheitswährung verbuchen konnte, rund 0,5 % bis 1 % pro Land und Jahr. Als Hauptprofiteur gilt Deutschland, dessen exportorientierte Wirtschaft das europäische Ausland als bevorzugten Absatzmarkt nutzt.

28. Seit wann werden die Maastricht-Kriterien von den EWU-Mitgliedstaaten nicht mehr respektiert?

Die Verletzung der Maastricht-Kriterien begann schon früh. Als Folge der Rezession 2001/2002 war es im Jahr 2003 ausgerechnet Deutschland, das die Neuverschuldungsgrenze von 3 % als erster Mitgliedsstaat nicht respektierte. Die deutsche Neuverschuldung betrug in den Jahren 2002–2004 sowie 2010/2011 jeweils mehr als 3 % des Bruttoinlandsprodukts. Auch die Franzosen verletzten die Defizit-Grenzen. Geplante Sanktionsmechanismen erwiesen sich als zahnlose Tiger. In Deutschland wurde inzwischen die Schuldenbremse verfassungsmässig verankert. Für das Jahr 2013 kann ein ausgeglichener Staatshaushalt vorgelegt werden. Das gelingt allerdings nur, weil angesichts der gut laufenden Konjunktur die Steuereinnahmen sprudeln und diverse Ausgaben in Nebenhaushalten ausgelagert sind. Ein erneuter Konjunkturabschwung wird den Sparwillen des Finanzministers auf eine harte Probe stellen.

Abbildung: Deutsche Neuverschuldung – Maastricht Kriterien oft verletzt

29. Warum hat die Währungsunion den Mitgliedern so wenig genützt?

Die Wettbewerbsfähigkeit der Euro-Mitgliedsländer hat sich in den vergangenen Jahren deutlich auseinanderentwickelt. Während Deutschland durch niedrige Lohnstückkosten und weiter steigende Produktivität seine internationale Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich verbessert hat, gerieten Länder wie Italien, Spanien und Griechenland durchstarkte Lohnsteigerungen deutlich ins Hintertreffen. Früher stand diesen Ländern zur Wiederherstellung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit das Instrument Währungsabwertung zur Verfügung. Das ist mit der Einheitswährung weggefallen. Anpassungen müssten ersatzweise z.B. durch niedrigere Löhne stattfinden. Dies ist bis zum Ausbruch der Eurokrise nicht geschehen. Mittlerweile wurden diese Anpassungsprozesse in Gang gebracht. Der Abstand in puncto Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich mit Deutschland ist jedoch so groß geworden, dass ein Aufholprozess lange dauern wird und für weite Bevölkerungskreise der Peripherieländer sehr schmerzhaft sein wird.

30. Warum wurde das wirtschaftliche Auseinanderdriften der Euro-Staaten so lange vollkommen ignoriert?

Die Europäische Währungsunion galt lange als die große Erfolgsstory, was durch die Beitritte von Ländern wie der Slowakei (2009) oder Estland (2011) nochmals untermauert wurde.

31. Wieso sind einige Euro-Länder nach der eigentlich bewältigten Finanzkrise so unter Druck geraten?

Die tiefe Rezession in der Folge der Finanzkrise wurde in vielen Ländern mit teuren staatlichen Konjunkturprogrammen eingedämmt. In Deutschland wurde beispielsweise durch die umfangreiche Nutzung von Kurzarbeit ein dramatischer Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert. Gleichwohl hievten die teuren staatlichen Programme die Schuldenstände in vielen Ländern auf ein Niveau, das dauerhaft nicht tragfähig ist. Dazu trug vor allem bei, dass in zahlreichen Staaten milliardenschwere Rettungen von Banken vorgenommen wurden. Zur Überwindung der Bankenkrise schien dies angesichts der dramatischen Verfassung von Börsen und Kapitalmärkten im Herbst 2008 die richtige Lösung zu sein.

32. Was oder wer ist too big to fail?

Zuerst wurden Schulden von Privathaushalten in Bankbilanzen verschoben. Dann wurden Schulden aus Bankbilanzen in die Staatshaushalte verschoben. Dann wurden Schulden von Staatshaushalten zu den Notenbanken verschoben. Das Argument ist stets das gleiche: Potenzielle Pleitekandidaten sind too big to fail–zu groß, um sie pleite gehen zu lassen. Inzwischen sind Banken, Staaten und Notenbanken too big to fail. Eigentlich müsste der Steuerzahler die gigantischen Schuldenberge abtragen, die sich in den Staatshaushalten angehäuft haben. Das geht jedoch nur mit Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen. Beides ist Gift für das wirtschaftliche Wachstum, das sich in Europa auch vor der Krise nicht durch besondere Dynamik auszeichnete.

33. Warum ging bei den Griechen so lange alles gut?

Die Finanz- und Wirtschaftskrise schien überwunden. Als Auslöser der griechischen Tragödie entpuppte sich die Erkenntnis, dass die Griechen bei der Rechnungslegung ihres Staatshaushaltes jahrelang eine äußerst kreative Buchhaltung geführt hatten. Ihr Schuldenstand betrug nicht – wie bis dahin ausgewiesen – ca. 70 % oder 80 % des Bruttoinlandsprodukts, sondern 100 %, 200 % oder gar 300 %. Die Kapitalmärkte reagierten prompt. Die Zinsen für griechische Anleihen schossen in die Höhe und erreichten binnen kürzester Frist ein Niveau, dass den Griechen eine Finanzierung ihrer Staatsschulden nicht mehr möglich machte. Die Staatspleite drohte.

34. Droht nach der Zwangsabgabe in Zypern vergleichbares auch in anderen Ländern?

Auflage für die Gewährung des rund 10 Mrd. Euro schweren Rettungspakets an Zypern ist unter anderem eine Selbstbeteiligung des Landes und eine Verschlankung des zypriotischen Bankensektors. In diesem Zusammenhang wird die Laiki Bank, das zweitgrößte Geldinstitut des Landes, durch die Auslagerung toxischer Vermögenswerte in eine Bad Bank und die Übertragung des überlebensfähigen Teils auf die Bank of Cyprus, das größte Geldhaus des Landes, abgewickelt. Zudem werden Bankguthaben ab einer Höhe von EUR 100.000 zur Rettung des Landes, bzw. der Sanierung der Banken, herangezogen, d.h. die Kunden werden ihres Vermögens über EUR 100.000 (zum Teil) enteignet, bzw. sie erhalten Aktien der Bank of Cyprus- so besteht theoretisch die Möglichkeit, die Verluste wieder auszugleichen (der Kurs der Aktie liegt derzeit bei ca. EUR 0,16). Andere Banken auf Zypern, insbesondere die Genossenschaftsbanken, sind hiervon (bisher) nicht betroffen. Konkret heißt dies: Haben Sie bei der Laiki Bank ein Bankguthaben von EUR 120.000, so werden Sie in Höhe von EUR 20.000 enteignet. Haben Sie ein Konto bei der Bank of Cyprus, dessen Kontostand EUR 120.000 beträgt, so werden ca. 37,5 % des Betrages, der EUR 100.000 übersteigt, herangezogen. Im Beispiel werden 37,5 % von EUR 20.000, für die Zwangsabgabe herangezogen/ Sie erhalten zwangsweise Aktien der Bank of Cyprus. Unklar ist jedoch, ob es bei den 37,5 % bleibt, oder ob die Zahl nach oben korrigiert werden wird, bis tatsächlich genug Kapital gesammelt wurde, um die Bank zu sanieren. Aber: Wie es dabei um ausländische Bankguthaben steht (und diese machen ca. 40 % der zypriotischen Bankguthaben aus) ist derzeit noch unklar. Sie sind zwar ebenfalls von der Zwangsabgabe betroffen, sofern sie EUR 100.000 überschreiten- jedoch hat Zypern mit 21 Staaten bilaterale Abkommen getroffen, nach welchen eine Enteignung ohne Entschädigung Schadensersatzansprüche nach sich ziehen kann. Wie in diesem Falle, ein dann wohl auf völkerrechtlicher Ebene zu führender, Prozess ausgehen wird kann allerdings nicht abgeschätzt werden.

Nicht zu erwarten ist indes, dass dieses Modell zur Vorlage für andere europäische Krisenstaaten wird. So stellte Eurogruppenchef Dijsselbloem klar, die Rettung Zyperns sei ein Sonderfall in der Währungsunion.

35. Wieso merken wir in unserem Alltag nichts von der Krise?

De facto hat Deutschland sich zwar in eine Haftungsunion begeben. Der deutsche Steuerzahler wird bisher nur durch die vergleichsweise kleine Bareinzahlung belastet, die Deutschland als Kapitalausstattung der Rettungsschirme leistet. Die bisher durch den EFSF ausgezahlten Gelder stammen aus Schuldenaufnahmen am Kapitalmarkt durch die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Solange die deutschen Garantien nicht in Anspruch genommen werden und die deutsche Wirtschaft gleichzeitig rund läuft, beschränkt sich die Krise für uns auf ein mediales Spektakel, das zeitweilig über die Bildschirme flimmerte.

36. Wieso ist Staatsbankrott so schlimm?

Staaten sind im Zuge von Überschuldungen immer wieder für bankrott erklärt worden. Und wieder auferstanden. Allein Griechenland hat in den vergangenen 150 Jahren mehrere Staatspleiten hingelegt. Wesentlicher Grund für die Überschuldung von Staaten war regelmäßig die Führung von teuren Kriegen. Die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts haben Vermögen vernichtet, gegen die die Belastungen der aktuellen Euro-Krise bisher gering sind. Fatal an den Staatspleiten ist, dass die Lasten von Staatspleiten und Sanierung breiten Bevölkerungsschichten auferlegt werden, während es für Vermögende regelmäßig genügend Möglichkeiten gibt sich zu schützen – nicht zuletzt durch Kapitalflucht.

37. Können Staatsbankrotte heute besser abgewickelt werden als früher?

Der Internationale Währungsfonds hat mit der Abwicklung von Staatsbankrotten viel Erfahrung gesammelt. Die Eingriffe, die der Internationale Währungsfonds dann verordnet, gehen kurzfristig immer zulasten breiter Bevölkerungsschichten. Die Methode wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder angewendet. Sie gilt als erfolgreich. Der Auftritt der sogenannten Troika, bestehend aus Internationalem Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank, wird deshalb jetzt auch in Griechenland als Allheilmittel zähneknirschend akzeptiert.

38. Was bedeutet PIIGS?

Der Begriff PIIGS hielt als Bezeichnung für die krisengeschüttelten Ländern an der europäischen Peripherie Einzug. PIIGS steht für Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien. Gelegentlich las man auch die Abkürzung GIPSI, mit der dieselbe Ländergruppe gemeint ist.

39. Was wissen wir über die Sparmaßnahmen der PIIGS-Länder?

In allen Ländern, denen die Pleite droht, haben Regierungen knallharte Sanierungsprogramme ins Werk gesetzt. Die Länder befinden sich bereits auf dem Weg der Sanierung. Doch die braucht Zeit. Der Preis der Sanierungsprogramme ist eine drastisch gestiegene Arbeitslosigkeit. Als wirtschaftliche Erfolge gelten die Rückkehr der Eurozone als Ganzes auf einen zaghaften Wachstumspfad, die deutliche Umkehr von Leistungsbilanzdefiziten in Leistungsbilanzüberschüsse und Ansätze zur Wiederherstellung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

40. Was denkt man in den Kirsenländern über Deutschland?

Aus der Perspektive der Krisenländer ist Deutschland reich und stark. Viele junge Menschen möchten aus Spanien oder Portugal nach Deutschland kommen. Derartige Wanderbewegungen von Arbeitskräften hat es in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder gegeben. Deutschland erscheint vielen als Profiteur der Währungsunion. Das ist in Deutschland genau umgekehrt. Deutsche denken, sie würden marode europäische Staaten finanzieren.

41. Was ist an Umdenken gefordert?

Junge deutsche Menschen haben eine berufliche Perspektive. Die deutsche Regierung und die deutschen Wirtschaftsverbände könnten der deutschen Bevölkerung deutlicher erklären, wie viele Vorteile weite Bevölkerungskreise von der Europäischen Währungsunion haben. Die Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU ist eine Anerkennung für eine Leistung, derer sich weite Bevölkerungskreise zwei Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr bewusst sind.

42. Krisenmodus ist seit 2010 zum Dauerzustand?

Der europäische Krisenmodus ist seit 2010 zum Dauerzustand geworden. Die europäische Politik bot in den vergangenen Jahren ein Bild äußerst eingeschränkter Handlungsfähigkeit. Vor allem ausländische Beobachter und die Finanzmärkte hielten das europäische Krisenmanagement für mangelhaft. Im September 2012 demonstrierte die Europäische Zentralbank unter der Führung von Mario Draghi dann endlich die Handlungsbereitschaft, die sich viele wünschten. Draghi erklärte, er würde alles unternehmen, um den Euro zu retten(And believe me, it will be enough) . Das heißt jedoch nicht, dass die Überwindung der Krise nun ausgemachte Sache ist. Die Europäische Zentralbank geht mit ihrem Bekenntnis zum Euro hohe Risiken ein. Eine Flankierung der Zentralbankmaßnahmen durch Reformbestrebungen der einzelnen Länder und zusätzliche Schritte auf dem Weg zu einer europäischen Integration sind unbedingt erforderlich, um das Projekt Eurozone auf Dauer wieder auf die Straße des Erfolgs zu bringen. Konkrete Schritte betreffen dabei die Banken. Die müssen mehr Eigenkapital vorhalten und es wird eine europäische Bankenaufsicht geben.

43. Euroskeptiker

Euroskeptiker sehen auch unter den heutigen Voraussetzungen für den Euro in seiner jetzigen Form keine Chancen. Die Wirtschaftskraft in den zentralen Ländern der Währungsunion und der Peripherie werde auf Dauer unterschiedlich bleiben. Deshalb sei es richtig, schon heute konkrete Pläne für den Ausstieg aus dem Euro zu schmieden. Und in Deutschland gibt es Krisenmanager, die die Pläne für die Wiedereinführung der D-Mark schon in der Schublade haben. Ob das mehr als Gerüchte sind? Diese Frage können wir hier nicht beantworten. Es lässt sich aber unschwer sagen, dass Unternehmer und Wirtschaftsverbände hierzulande und in anderen Euroländern uneingeschränkt hinter dem Euro stehen, viel eher von der Politik ein klares Bekenntnis zum Euro forderten. Dies ist jedoch wenig verwunderlich, da diese Gruppen zu den Hauptprofiteuren des Euros gehören.

44. Was passiert, wenn es zum Grexit kommt?

Als Grexit wird der mögliche Ausstieg Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion bezeichnet. Notwendige Begleitung des Ausstiegs wäre eine Wiedereinführung der Drachme (= der früheren griechischen Währung). Abzusehen wäre gleichzeitig, dass Griechenland seine aufgetürmten Auslandsschulden nicht mehr bedienen könnte. Demzufolge gäbe es bei den Gläubigern, die sich vor allem im Kreise europäischer Banken finden, erheblichen Abschreibungsbedarf. Für diesen Fall haben die Banken jedoch mit hohen Rückstellungen bereits vorgesorgt.

45. Gibt es Euro-Münzen, die Sammlerwert haben?

Ja. Dabei handelt es sich aber stets um Sonderprägungen anlässlich spezieller Veranstaltungen – also um Gedenkmünzen.

46. Was bedeutet Troika – was ist ihre Rolle?

Als Troika wird im Rahmen der europäischen Schuldenkrise das Dreigestirn von EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank bezeichnet. Die Troika besucht turnusmäßig die Schuldenländer, um ihre Fortschritte bei der Sanierung der Staatsfinanzen zu beurteilen. An eine positive Beurteilung der Sanierungsbemühungen ist die eventuell nötige Auszahlung weiterer Zuwendungen aus den europäischen Rettungsfonds geknüpft.

47. Welche Rolle spielen die Banken?

Die Banken waren durch zu laxe Risikopolitik und zu niedrige Eigenkapitalquoten wesentlich für die vergangene Finanzkrise und auch für die schwelende Eurokrise verantwortlich. Im Rahmen des Regelwerks Basel III, das ab 2013 sukzessive umgesetzt werden soll, werden die Banken verpflichtet, höhere Eigenkapitalquoten als bisher vorzuhalten. Zudem wird eine EU-weite Bankenaufsicht eingeführt.

48. Geht von den Banken in Zukunft keine Gefahr mehr aus?

Weil Banken schon jetzt mit einem deutlich höheren Kapitalpuffer aufwarten können, sind sie laut dem jüngsten Bericht der Europäischen Bankenregulierungsbehörde (EBA = European Banking Authority) für weitere Turbulenzen an den Finanzmärkten deutlich besser gerüstet. Es darf jedoch bezweifelt werden, ob dieses zusätzliche Kapital bei einer neuerlichen Krise ausreicht, um Probleme eigenständig zu bewältigen und nicht wieder nach dem Staat zu rufen.

49. Ist die Spekulation an den Märkten eine Gefahr?

Jein. Viele Menschen sind der Ansicht, dass die Krise diverser Euro-Länder durch die Spekulation ausgelöst und verstärkt wurde. Das mag sein. Aber ohne die Wirkung der Spekulation wäre der Schlendrian der Länder, die über ihre Verhältnisse gelebt haben, nicht aufgedeckt worden, weil die Politik keine Sanktionsmaßnahmen ergreifen kann oder will, sondern einfach alle verfügbaren Augen zudrückt. Allerdings ufert die Spekulation in Krisensituationen aus. Dann profitieren Spekulanten vom Herdentrieb, der den Finanzmärkten eigen ist. Und sie können dann mit Derivaten und kleinem Kapitaleinsatz große Summen bewegen. Das ist für kleine Länder wie Portugal oder Griechenland fatal. Die Angst vor weiterer Spekulation führt heute dazu, dass den Krisenländern grosszügigere Zeiträume zur Sanierung ihrer Staatsfinanzen eingeräumt werden, als ursprünglich geplant. Ein Ausstieg Griechenlands würde den Spekulanten das Signal geben, dass auch Spekulationen auf die Pleite von Portugal oder gar Spanien oder Italien lukrativ sein könnten.

50. Was bringt ein Fiskalpakt?

Der Fiskalpakt sieht vor, dass die teilnehmenden EU-Länder ihre Finanzpolitik stärker koordinieren, sich auf eine nachhaltige Sanierung der Staatshaushalte festlegen und im Zuge Umsetzung dessen Souveränität abtreten. Vor allem Letzteres ist schwierig. Der Deutsche Bundestag hat dem Fiskalpakt am 29.6.2012 zugestimmt.

51. Wie soll eine weiter gehende wirtschaftliche Vereinigung Europas vonstatten gehen?

Die Antwort: Schritt für Schritt. Mit der Bankenaufsicht wird ein großer Schritt getan. Das Verfahren der verstärkten Zusammenarbeit ermöglicht es einer Gruppe von mindestens neun Mitgliedsstaaten, auf einem bestimmten Gebiet voranzugehen, ohne dass alle mitmachen. Als nächstem Schritt müssen alle 27 Mitgliedsstaaten mit qualifizierter Mehrheit eine verstärkte Zusammenarbeit erlauben.

52. Was soll die neue Steuer auf Finanztransaktionen bringen?

Die Finanzminister erhoffen sich zusätzliche Staatseinnahmen in Höhe von 57 Milliarden Euro und durch die Verteuerung des Wertpapierhandels eine Zurückdrängung der Spekulation. Die Einführung war für 2014 geplant. Tatsächlich wird, wegen Schwierigkeiten bei der Umsetzung, jedoch erst 2015 mit der Einführung der Finanztransaktionssteuer zu rechnen sein. Geplant ist eine Besteuerung in Höhe von 0,1 % der Verkaufserlöse von Aktien und Anleihen. Bei Derivaten soll der Nennwert der Transaktion mit 0,01 % besteuert werden. Geplant ist, jede Transaktion zu besteuern, an der jemand aus der EU beteiligt ist. Das würde also auch für außerhalb der EU getätigte Geschäfte gelten, an der jemand aus der EU beteiligt ist. Die Einnahmen sollen in das Land fließen, in dem der Marktteilnehmer ansässig ist, nicht in das Land, in dem gehandelt wird.

Ausgenommen von der neuen Steuer sollen Neuemissionen von Aktien und Anleihen bleiben, um Unternehmen und Staaten die Kapitalaufnahme nicht zu erschweren. Auch Devisengeschäfte am Spotmarkt bleiben nach dem aktuellen Stand der Planungen außen vor. Derivate auf Devisengeschäfte sollen allerdings unter die Regelung fallen.

53. Welches ist das spannendste Duell der europäischen Schuldenkrise?

Das ist die Debatte Mario Draghi contra Hans-Werner Sinn. Draghi will als Präsident der Europäischen Zentralbank alles tun, um den Euro zu bewahren. Hans-Werner Sinn, der Chef des Münchner Ifo-Instituts, verweist immer wieder auf die ausufernden Target2-Salden, die das Europäische Währungssystem zum Einsturz bringen werden. Target2-Salden beruhen auf dem Zahlungsverkehrssystem der am Euro beteiligten Zentralbanken. Die Forderungen der Deutschen Bundesbank gegenüber den Krisenländern sind innerhalb kürzester Zeit regelrecht explodiert – und gelten Herrn Sinn als uneinbringbar. Zudem machen diese schlecht besicherten Forderungen Deutschland erpressbar, weil sie Deutschland bei einem Bruch der Euro-Zone sehr teuer zu stehen kommen würden. Glücklicherweise scheint jetzt der Zeitpunkt gekommen, da die Target2-Salden nicht weiter anschwellen, sondern sich wieder zurückbilden.

54. Wer beaufsichtigt die Banken?

Im September 2013 hat das EU-Parlament die Einrichtung einer einheitlichen europäischen Bankenaufsicht genehmigt. Die Aufgabe wird bei der Europäischen Zentralbank angesiedelt. Die 1000 neuen Bankenaufseher werden in Frankfurt arbeiten. Alle großen und systemrelevanten Banken werden künftig einheitlich von der Europäischen Zentralbank kontrolliert. Kleine Banken wie die deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken bleiben unter nationaler Aufsicht. Mit letzterem ist es Deutschland gelungen, eine seiner eigenen Kernforderungen für die Ausgestaltung der Bankenaufsicht durchzusetzen. Die nationale Aufsicht der Banken wird in Deutschland von der Bundesanstalt für Finanzdienstleitungsaufsicht, die üblicherweise nur BaFin genannt wird in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbank durchgeführt.

55. Was macht die europäische Bankenaufsicht?

Zu den Aufgaben der EZB wird beispielsweise die Einhaltung von Kapital- und Liquiditätsanforderungen gehören. Sie kann Kreditinstitute zulassen, Zulassungen entziehen oder Stresstests durchführen. Frühzeitige Interventionsmaßnahmen wird sie mit den zuständigen Abwicklungsbehörden abstimmen. Für die Abwicklung von Banken sind weiterhin die nationalen Behörden zuständig

56. Wer ist Mario Draghi Superstar?

Der Italiener Mario Draghi (*1947) ist seit dem 1.11.2011 Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Zuvor war er von 2006 bis 2011 Präsident der italienischen Notenbank. In den Jahren 2004 und 2005 war er Vizepräsident bei Goldman Sachs in London. Draghi fällt bei seiner Gestaltung der Aktivitäten der EZB durch seine Entschlossenheit auf. Er hat mit der Ankündigung von OMT (Outright Monetary Transactions= EZB-Staatsanleihenkäufe) den Finanzmärkten eine Handlungsbereitschaft signalisiert, die die zaghaften europäischen Politiker zuvor nicht an den Tag gelegt haben. Ganz offensichtlich ist Herr Draghi als ehemaliger Investmentbanker bereit und in der Lage, den Finanzmärkten die richtigen Knochen hinzuwerfen. Dabei geht er hohe Risiken ein. Die exzessive Geldpolitik befördert Inflationsgefahren. Inflation wird es jedoch so lange nicht geben, wie die Wirtschaft in den Peripherieländern im Krisenmodus läuft oder nur sehr langsam wächst und Kredite nur sehr restriuktiv vergeben werden. Draghis Spruch Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough. brachte eine Wende in der Eurokrise und hat Potenzial, in die Finanzmarktgeschichte einzugehen.

57. OMT zur Euro-Rettung – was bedeutet das?

Im Rahmen der Euro-Krise sind derart viele Abkürzungen erfunden worden, dass man meinen könnte, das hätte Methode und solle zur Verschleierung eines großen Unwissens der meisten Entscheidungsträger beitragen. EFSF, ESM, OMT – wer gekonnt mit solchen Kürzeln um sich wirft, klingt womöglich kompentent. Das Gegenteil könnte der Fall sein. OMT steht für Outright Monetary Transactions, das im September 2012 beschlossene Anleihen-Aufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank. Die EZB hat damit den Weg für einen unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten wie Spanien und Italien freigemacht. Die Währungshüter betonten, Bedingung für ein Einschreiten der Notenbank sei, dass die betreffenden Staaten zuvor einen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsfonds EFSF/ESM stellen. Damit wären Hilfen an politische Auflagen gebunden. Die Regierungen müssten Haushaltskonsolidierung, Strukturreformen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und die Schaffung europäischer Institutionen mit großer Entschlossenheit vorantreiben, verlangt die EZB.

58. Was soll denn das sein, diese Konvertibilitätsprämie?

Die Europäische Zentralbank (EZB) musste ein paar Klimmzüge veranstalten, um eine Rechtfertigung für den geplanten, Kauf von Anleihen der Krisenländer zu geben. Frisch aus dem Hut gezaubert wurde da die Konvertibilitätsprämie. Laut EZB-Präsident Draghi handelt es sich dabei um die Risikoprämien von Staatsanleihen, soweit sie auf der Sorge der Anleger vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion beruhen. Die Fokussierung auf diese sogenannten Konvertibilitätsprämien half Draghi auch zu begründen, dass dieses Programm keine Monetisierung von Staatsschulden, sondern eine echte geldpolitische Maßnahme darstellt. Denn Risikoprämien, die nicht die Wahrscheinlichkeit des Ausfalls eines staatlichen Schuldners widerspiegeln, sondern die Wahrscheinlichkeit dafür, dass er die Währungsunion verlässt, strahlen zwangsläufig auch auf die Finanzierungsbedingungen für private Schuldner in dem betreffenden Land aus. Insofern untergraben diese Konvertibilitätsprämien die Voraussetzungen für eine einheitliche Geldpolitik in der Eurozone, weil Leitzinssenkungen in den Peripherieländern weniger stark wirken. Draghi will mit zur Not unbegrenzten Staatsanleihekäufen die Konvertibilitätsprämien auf ein erträgliches Maß reduzieren. Die dann noch verbleibenden Renditeunterschiede zwischen den Mitgliedsländern der Eurozone würden also im Wesentlichen die Ausfallrisiken zum Ausdruck bringen, aber keinen Zuschlag mehr für ein eventuelles Verlassen der Währungsunion beinhalten. Ganz schön kompliziert!

59. Welche Finanzmarktblase entsteht jetzt gerade?

Es könnte der Immobilienboom in den Metropolen sein, die Gold-Hausse, die Rohstoff-Spekulation oder Land in Afrika. Irgendwo muss die Kohle ja hin, schreibt Hans-Jürgen Jacobs in einem Beitrag Geldschwemme in der Süddeutschen Zeitung. Die Fachleute der internationalen Kapitalmärkte nennen das etwas vornehmer Inflationierung der Vermögenspreise. Die findet derzeit vor allem bei Aktien statt. Solange die großen internationalen Notenbanken Vollgas geben, werden die Preise von Vermögenswerten tendenziell weiter steigen. In dieser Blasen-Ökonomie werden – solange sie nicht geplatzt ist – Reiche noch reicher und die Armen haben wenig oder nichts davon. Dieses Verteilungsproblem wird zunehmend als gesellschaftliche Belastung wahrgenommen. Politischen Sprengstoff entwickelt die Blasen-Ökonomie bisher allerdings kaum, wie der eher langweilige deutsche Bundestagswahlkampf im Jahr 2013 gezeigt hat.

60. Verbessert sich die Wettbewerbsfähigkeit der Peripherie- Länder?

Die harten Sparprogramme, die viele Menschen in den Krisenländern in Form von Lohn- und Gehaltskürzungen und Entlassungen erleben, führen volkswirtschaftlich gesehen über die Senkung der Lohnstückkosten und der Erhöhung der Produktivität zu einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Dieser Prozess ist in den Krisenländern in vollem Gang.

61. Wie hoch steigt deshalb die Arbeitslosigkeit?

Die Arbeitslosigkeit war in Europa noch nie so hoch wie heute. Das ist wirklich eine dramatische Begleiterscheinung dieser Krise. Am schlimmsten ist es in Spanien (26,3 % Arbeitslosenquote; die Jugendarbeitslosigkeit liegt über 50 %), aber auch in Griechenland und Portugal führt die schnell steigende Arbeitslosigkeit zu immer mehr sozialen Protesten. Noch musste die Frage, wie lange sich Europa eine derartige Krise leisten kann, ohne politische Radikalisierungen zu erleben, nicht gestellt werden.

62. Hat die europäische Schuldenkrise eine neue Anlagewelt geschaffen?

Ja. Noch niemals hat es konzertierte Aktionen rund um den Globus in einem derartigen Ausmaß gegeben. Nicht nur die Europäische Zentralbank flutet die Märkte mit Geld. Auch die US-Notenbank und die Bank of Japan haben ihre Geldschleusen bis zum Anschlag geöffnet. Da dieses Geld von den Banken derzeit nicht in die reale Wirtschaft transportiert wird, entsteht kurzfristig keine Inflation. Damit sich die hoch verschuldeten Staaten und auch angeschlagene Banken billigst refinanzieren konnten und können, werden die kurzfristigen Zinsen nahe null gehalten. Die damit verbundene Enteignung der Sparer, die mit diesen Zinsen nicht einmal mehr den Werterhalt ihrer Ersparnisse schaffen, wird als finanzielle Repression bezeichnet.

63. Bleibt der Euro?

Mit größter Wahrscheinlichkeit ja. Dazu ist aber auf Dauer wirklich eine Angleichung der Wirtschafts- und Fiskalpolitik in den Ländern der Europäischen Union notwendig.

64. Was ist der Preis der Krisenbewältigung?

Es wird auf Jahre hinaus in der Europäischen Währungsunion weniger Wachstum geben, weil die immer weiter um sich greifende schuldenfinanzierte staatliche Nachfrage, an die man sich allerorten gewöhnt hatte, eingeschränkt wird.

65. Wie finde ich als Anleger Schutz?

Indem Sie sich um Ihre Euros kümmern und sie nicht einfach liegen lassen.

66. Reicht die Dynamik der Weltwirtschaft, um Europa aus der Krise zu hieven?

Das ist die falsche Frage. Wesentlich für die europäische Erholung ist die Stärke der deutschen Wirtschaft, weil die europäischen Länder wirtschaftlich stark verflochten sind. Auch das eher stärker als erwartet ausfallende Wachstum der USA leistet sicherlich einen Beitrag, genauso wie kontinuierlich starke Wachstumsraten der Schwellenländer (vor allem China), die allerdings zuletzt nicht mehr so hoch waren, wie ursprünglich erwartet.

67. Warum nicht endlich wieder Aktien kaufen?

Aktien sind Unternehmensbeteiligungen. Firmen wie Siemens, Bayer oder BASF wird es geben, egal was mit dem Euro passiert! Wichtige Aktienindizes wie der DAX und der DOW sind inzwischen auf neue historische Höchststände gestiegen. Ein optimaler Einstiegszeitpunkt für Aktien ist das nicht. Wer über Aktieninvestments nachdenkt, der muss nicht nur jetzt zu Aktienkäufen bereit sein, sondern auch dann, wenn die Aktienmärkte von allen verteufelt werden.

68. Ist internationale Diversifikation wirklich eine Lösung?

Ja – das ist aber völlig unabhängig von der europäischen Schuldenkrise. Wie funktioniert internationale Diversifikation vernünftigerweise? Durch die Aufteilung auf verschiedene Anlageklassen und Märkte. Dafür gibt es allgemein anerkannte Regeln.

69. Ist Gold eine Anlagealternative zum Euro?

Ja. Gold dient schon heute vielen Anlegern angesichts von möglichen Inflationsgefahren als Mittel der Wertbewahrung. Die starke Nachfrage nach Gold hat den Goldpreis in den vergangenen Jahren hoch getrieben. Im Jahr 2013 brach diese positive Entwicklung plötzlich ab. Wer sich auf Dauer gegen Inflation absichern will, ist mit einer Portion Gold als Anlage jedoch nach wie vor gut aufgehoben.

Grafik: Gold und Platin im Vergleich (Angabe in Euro)

70. Wie hoch soll der Anteil von Gold im Portfolio sein?

Darauf gibt es natürlich keine allgemeingültige Antwort. Bis vor einigen Jahren hieß es üblicherweise, ein Anteil von Gold in Höhe von fünf Prozent mache Sinn. Im Zuge der Euro- Krise wurde eher davon gesprochen, dass der Goldanteil bei 10 Prozent oder gar 15 Prozent liegen sollte. Das stellte sich in dem Moment, da die Euro- Krise abgeebbt ist, als Fehleinschätzung heraus.

71. Soll man Gold physisch oder in anderer Form erwerben?

Wer heute einen Teil seines Vermögens in Gold halten will, der hat die Qual der Wahl: Soll man Goldmünzen oder -barren kaufen oder einen der neumodischen Gold-ETF, also börsengehandelte Fonds, die physisch mit Gold hinterlegt sind? Münzen und Barren haben den Vorteil, dass man tatsächlich etwas in der Hand halten kann. Die Aufbewahrung im Schließfach verursacht geringfügige Zusatzkosten. Zu beachten ist, dass die Differenz zwischen An- und Verkaufspreisen bei kleinen Stückelungen sehr hoch ist. Die gängigen Münzen wiegen eine Unze (= 31,1 Gramm). Gold-ETFs (Exchange Traded Funds) haben im Gegensatz zu Münzen und Barren den Vorteil, dass sie wie Aktien über die Börse gekauft und verkauft werden können, deshalb sehr liquide sind und nicht den hohen Spread (Differenz zwischen An- und Verkaufskurs) der Münzen haben. Die Erfolgsgeschichte von Gold-ETFs wird in Deutschland vom Anbieter Deutsche Börse mit dem Produkt Xetra-Gold (ISIN DE000A0S9GB0) umgesetzt. In der Schweiz hat sich die Zürcher Kantonalbank bei Gold-ETF als Marktführer etabliert. Allen diesen Gold-ETFs ist gemeinsam, dass der Gegenwert des jeweiligen ETF vom Anbieter physisch in Gold hinterlegt ist. Im Fall der Fälle kann man sich das Gold gegen eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr ausliefern lassen. Der Nachteil dieser liquiden Gold-Anlagen besteht darin, dass im Fall der Fälle viele Anleger gleichzeitig aussteigen können und dies auch tun. Dies hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass der Goldpreis im Jahr 2013 phasenweise stark unter Druck geraten ist.

72. Welche Währungen entwickeln sich gegenüber dem Euro stark?

Für viele Anleger galt in allerhöchster Not: Hauptsache raus aus dem Euro! Solche panikartigen Fluchtreflexe haben, wie alle Anleger eigentlich wissen, mit einer vernünftigen Portfoliozusammenstellung nichts zu tun. Wer sich Gedanken um Fremdwährungen macht, der sollte eine Vorstellung von deren Schwankungsbreiten haben und festlegen, wie viel Anteile des Portfolios denn in Fremdwährungen gehalten werden sollen. Wer eine international ausgerichtete Vermögensanlage praktizieren will, der kommt um Anlagen in US-Dollar sicherlich nicht herum. Zusätzlich sollte deutlich zwischen den sogenannten Hartwährungen und Weichwährungen unterschieden werden.

73. Sind Schweizer Franken die Lösung?

Der Schweizer Franken ist die klassische Safe-Haven-Währung. Bei jeglicher Unruhe, die die Finanzmärkte heimsucht, kaufen Anleger Schweizer Franken und machen den Franken damit immer stärker. Das drohte die exportorientierte Schweizer Wirtschaft derart zu belasten, dass die Schweizerische Nationalbank eine weitere Aufwertung des Euro verhindert hat. Die Verteidigung des Franken-Kurses von 1,20 bedeutet: Die Schweizerische Nationalbank kauft massenhaft Euro und lässt ein drastisches Anschwellen der Devisenreserven zu. Für Anleger bedeutet es: Kurzfristig ist der Wechselkurs des Schweizer Franken gegenüber dem Euro praktisch fix. Langfristig, das heißt auf Sicht mehrerer Jahre, hat der Franken sicherlich weitere Aufwertungsfantasie, denn ein Beitritt zur Europäischen Währungsunion kommt für unsere Eidgenössischen Nachbarn angesichts der Euro-Krise weniger denn je in Frage. Also wird die Schweiz ihren Insel-Status und die Sonderrolle ihrer Währung bewahren können. Schweizer Aktien, die von ausländischen Anlegern sehr gern gehalten werden, sind die Titel des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé oder des Pharmakonzerns Roche.

74. Welche anderen Währungen eignen sich zur Währungsdiversifikation?

Die Antwort ist einfach. Die nordeuropäischen Währungen aus Norwegen, Dänemark und Schweden sind sehr beliebt, wenn es gilt, dem Euro ein Stück auszuweichen. Wie kauft man diese Devisen dann in der Praxis? Sie kaufen diese Währungen am besten in Form von Anleihen, die in Norwegischen Kronen oder anderen Ausweichwährungen aufgelegt werden.

75. Wo finde ich Möglichkeiten zur Investition in norwegische Anleihen?

Das bestehende Angebot an norwegischen Anleihen hat sich aufgrund der regen Nachfrage zuletzt schon ziemlich verteuert. Eine gute Auswahl an Fremdwährungsanleihen Norwegische Kronen finden Sie im Internet auf den Seiten der Stuttgarter Börse.

76. Wo finde ich Möglichkeiten zur Investition in schwedische Anleihen?

Hier gilt das Gleiche wie bei den NOK-Anleihen: Auch Anleihen in Schweden-Kronen sind nicht mehr billig. Zudem hat die Schweden-Krone in letzter Zeit auch noch um einige Prozentpunkte aufgewertet, so dass die Chancen währungsseitig begrenzt sind. Anleihen auf schwedische Kronen finden Sie z.B. im Internet auf den Seiten der Stuttgarter Börse.

77. Welche Währungen kommen als Alternative zum Euro sonst noch infrage?

In Mode gekommen sind chinesische Renmimbi. Die Anleihen werden allerdings bisher nur in Stückelungen für institutionelle Kunden begeben. Da bleibt nichts anderes übrig, als einen Fonds zu kaufen. Immer wieder empfohlen werden auch Australische-Dollar oder Neuseeland-Dollar. Die Liste lässt sich beliebig auf Emerging-Markets-Währungen erweitern, wie z.B. den Brasilianischen Real oder die Türkische Lira. Was Sie wissen sollten: Die Devisen- und Anleihenmärkte dieser Nebenwährungen waren in der jüngeren Vergangenheit deutlich schwankungsanfälliger als die etablierten Märkte der Industrieländer. Deshalb ist dies keine einfache Materie.

78. Was macht der risikoscheue Anleger?

Risikoscheue Anleger haben bisher schwerpunktmäßig in festverzinsliche Wertpapiere investiert. Die Zinserträge von deutschen Bundesanleihen sind wirklich zum Heulen. Zudem kann heutzutage niemand mehr guten Gewissens deutsche Staatsanleihen empfehlen. Denn für den Fall, dass die Inflation anzieht, wird es da auch noch Kursverluste geben. Unserer Ansicht nach sind die konventionellen Risikoklassen, denen jeder Anleger vor dem Entscheid für eine Wertpapieranlage zugeordnet wird, heute in der überkommenen Form nicht mehr tragbar. Die Risikoklasse Kein Risiko/wenig Risiko = Staatsanleihe gibt es nicht mehr. Es gibt glücklicherweise Anleihe-Kategorien, die Abhilfe schaffen können. Auch ein Blick in Richtung Aktien ist hilfreich, denn die Dividendenrenditen sind derzeit so hoch wie noch nie.

79. Was bringt ein Tagesgeldkonto?

Ausgewählte Anbieter bringen Ihnen deutlich mehr Zinsen für Geldmarktkonten als die Hausbank. Sie finden die besten Tagesgeldangebote im Internet oder in unseren Publikationen.

80. Was macht der Risikoliebhaber?

Risikoliebhaber freuen sich in der Regel über stark schwankende Kurse. Die Marktdellen im Rahmen der Euro-Krise waren für Aktienanleger allesamt gute Einstiegsgelegenheiten. Da reicht es, mithilfe von Exchange Traded Funds (ETFs) in Indizes einzusteigen. Eine gezielte Aktienauswahl war nicht erforderlich. Heute wird viel davon gesprochen, dass sogenannte Smart-ETFs, die risiko- oder fundamental-gewichtete ETFs anbieten, der Stein der Weisen seien. Der Beweis, dass solche Lösungen für den Anleger wirklich besser sind, steht allerdings noch aus.

81. Welche Anlagen sind bisher gut durch die Euro-Krise gekommen?

Die internationale Anlegergemeinde hat lange Zeit mit viel Skepsis auf Europa geblickt. Für das europäische Ringen um tragfähige Entscheidungen haben viele ausländische Beobachter und Investoren nur ein Kopfschütteln übrig. Diese internationale Skepsis hat europäische Aktien so lange ins Abseits geschoben, dass es da ziemlich starke Unterbewertungen gibt. Aus der Euro-Zone ragt zudem ein Land deutlich heraus. Das ist Deutschland. Deutschland hat sich international eine sehr gute Wettbewerbsposition erarbeitet. Wer international diversifizieren will, der muss gar nicht auf exotische Märkte ausweichen.

82. Warum US-Aktien eine gute Alternative sind?

Neben der Euro-Krise gibt es auch noch einen ganz normalen Konjunkturzyklus, in dessen Verlauf viele Unternehmen sehr gutes Geld verdienen, ihre Bilanzen gestärkt haben und aktionärsfreundliche Dividenden ausschütten oder Aktienrückkäufe tätigen. Die Aktienkurse in den USA – gemessen an den großen Aktienindizes – sind zudem traditionellerweise nicht so schwankungsanfällig wie europäische oder deutsche Aktien. Das lässt sich nutzen. Wer interessiert ist, kauft einen ETF (Exchange Traded Fund) auf den breiten US-amerikanischen Börsenindex S&P 500, zum Beispiel den iShares S&P 500 mit der ISIN DE000A0YBR 61.

83. Was hilft gegen die extrem niedrigen Zinsen?

Risikolose Zinsen sind in der gegenwärtigen Marktkonstellation nicht mehr zu haben – weder im Euro, noch im US-Dollar oder im Yen. Das bedeutet: Risikoreichere Zinsanlagen sind gefragt. Aber was hilft wirklich? Wir werfen ein kurzes Schlaglicht auf die Varianten Absolute Return, Short Duration High Yield und Wandelanleihen.

84. Können Absolute-Return-Strategien helfen?

Ja, aber was der Fondsmanager eines Absolute-Return-Fonds schlussendlich tut, das erfährt man in aller Regel nicht. Die Anlagestrategien sind intransparent. Und die Renditeerwartungen konnten bei Absolute-Return-Fonds, die sich im Anleihenbereich bewegen, in der Vergangenheit meist nicht erfüllt werden. Vor allem die Erwartung, stets positive Renditen zu erzielen, wurde enttäuscht. Es lässt sich derzeit nicht erkennen, dass dies anders werden sollte.

85. Können Hochzinsanleihen helfen?

Ja, aber nur dann, wenn Anleger jetzt sogenannte Short Duration High Yields, also Hochzinsanleihen mit kurzer Restlaufzeit, kaufen. Dann sind die Zinsrisiken sehr begrenzt, die hohen Kupons kommen voll zum Tragen. Diese Anlageform sollte jeder Anleger, der jetzt noch ordentliche Zinserträge haben will, kennen und im Depot haben. Um die Anleihen nicht selbst auswählen zu müssen, empfiehlt es sich hier, einen konventionellen Investmentfonds zu kaufen. Wie viel Rendite können Sie hier erwarten? Antwort: Rund fünf bis sechs Prozent sind hier realistischerweise derzeit noch drin– pro Jahr. Das ist meiner Ansicht nach derzeit die beste Alternative. Was für ein Risiko geht man mit Hochzinsanleihen ein? Anleihen von Unternehmen mit schlechten Bonitäten kommen in einer Rezession unter Druck. Dann kann es sein, dass man zeitweilige Kursverluste von zehn, schlimmstenfalls fünfzehn Prozent wegzustecken hat.

Fonds mit kurz laufenden Hochzinsanleihen

Fonds

Gesellschaft

ISIN

Ausgabeaufschlag/Sonstiges

Axa US Short Duration High Yield A thes. EUR hedg.

Axa Funds Management

LU0292586350

3 % Mindestanlage 10.000,00 €

BGF Local Emerging Markets Short Duration

Black Rock

LU0278457204

5 % Mindestanlage 4.000,00 €

DWS Invest Short Duration Credit

DWS

LU0236145453

3,09 % Mindestanlage 1.000,00 €

Swisscanto (LU) Bond Invest Global High Yield EUR

Swisscanto (LU)

LU0556185345

5 % Keine Mindestanlage

86. Können Wandelanleihen helfen?

Ja. Wandelanleihen sind eine eigene Anlageklasse, bei der die Eigenschaften von Anleihen und Aktien kombiniert werden. Es handelt sich dabei nicht um neumodische Finanzierungsinstrumente, sondern um eine traditionelle Anlageform, die zeitweilig etwas in Verruf geriet, weil sich zu viele Hedge Fonds in diesem Marktsegment tummelten. Wandelanleihen bieten sowohl Zinserträge in Form von Kupons als auch eine Beteiligung an Aktienkursentwicklungen im Wege einer Optionskomponente. Wandelanleihen heißen auf Englisch Convertibles. Es gibt einige kleine Anbieter, die sich auf das Asset Management von Wandelanleihen spezialisiert haben, wie die Schweizer Gesellschaft Fisch Asset Management (vgl. Tabelle). Die großen Häuser (Deka, DWS) beherrschen das Thema nicht so gut.

Fonds mit Wandelanleihen

Fonds

Gesellschaft

ISIN

Ausgabeaufschlag/Sonstiges

Fisch Bond Fund (CHF)

Fisch Fund Services

LU0102603379

Keine Angaben

Flossbach von Storch – Wandelanleihen Global

Flossbach von Storch

LU0366179009

5 % Mindestanlage 1.000,00 €

Deka Wandelanleihen

Deka

LU0158528447

3 % Mindestanlage 50,00 €

DWS Convertible

DWS

LU0179219752

87. Können inflationsindexierte Anleihen helfen?

Ja, denn wenn die Inflation kommt, gehen die Kupons der Inflationsindexierten mit der Inflation nach oben. Da ist das Angebot leider Mangelware – und teuer. Neuemissionen könnten interessant sein; es gibt hierzulande aber nur sehr wenige. Da müsste der Anleger in den Dollar-Bereich ausweichen und TIPS (= Treasury inflation-protected securities) kaufen.

88. Können Anlagen in den Emerging Markets helfen?

Anlagen in Emerging Markets sind Investitionen in wachstumsstarke Regionen. Als Allheilmittel gegen die Euro-Krise können oder sollten Sie nicht dienen. Anlagen in Emerging Markets sind etwas für Investoren, die nicht nur im eher wachstumsschwachen Europa anlegen wollen. Das Anlagethema Emerging Markets sollte jedermann völlig unabhängig von der Euro-Krise in Betracht ziehen.

89. Wie groß ist die Bedrohung durch Überschuldung in Japan?

Staatsschulden werden in den kommenden Jahren ein Dauerthema bleiben – nicht nur in Europa, sondern vor allem in den USA und Japan. Kein Land der Welt ist so hoch verschuldet wie Japan – hier beträgt der Schuldenstand mehr als 200 % des BIP. Das hat die Finanzmärkte bisher noch nicht auf den Plan gerufen, weil die japanischen Schulden weitgehend von den Japanern selbst gehalten werden. Doch auch in Japan wird dieser Zustand nicht ewig dauern. Die neue japanische Regierung unter Regierungschef Abe wehrt sich mit drastischen Massnahmen (Abenomics), derzeit gegen die jahrelange Deflation. Kurzfristig mit Erfolg. Mittel- bis langfristig wird diese Politik sehr skeptisch beurteilt. Die japanische Schuldenwirtschaft war lange Jahre wegen starker Kapitalexporte unanfechtbar. Das hat sich mit Fukushima und der Abschaltung von Atomreaktoren geändert. Japan weist inzwischen einen Leistungsbilanzdefizit aus. Das wird nachhaltige Folgen haben.

90. Welches sind die fünf Wege zur Reduzierung der Schuldenlast?

Nach der größten Rezession seit der Großen Depression kämpfen die Industriestaaten nun mit einer hohen öffentlichen wie privaten Verschuldung und einem schleppenden Wachstum. Die politischen Entscheidungsträger haben, die Wirtschaft mit umfangreichen Konjunkturprogrammen wieder in Ganggebracht, und die Zentralbanken haben Unsummen an Geld in das Wirtschaftssystem gepumpt. Der Abbau der Schuldenberge steht momentan bei den Industriestaaten ganz oben auf der Tagesordnung. Im Wesentlichen gibt es fünf Wege zur Reduzierung der Schuldenlast:

  • Wirtschaftswachstum

  • Finanzpolitische Sparmaßnahmen

  • Explizite Ausfälle oder Restrukturierungen

  • Inflation

  • Finanzielle Repression (durch niedrig gehaltene/negative Realzinsen)

Es sieht weiterhin so aus, als wollten Politik und Notenbanken es mit einer Kombination aus Sparmaßnahmen und finanzieller Repression versuchen. Dieser Weg ist mit erheblichen Risiken behaftet, da sich parallel zur extrem expansiven Politik der Notenbanken auf Dauer erhebliche Inflationsrisiken aufbauen.

91. Wie wurden Schuldenberge in der Vergangenheit abgetragen?

Nach dem Ersten Weltkrieg sind viele Länder an ihren Schuldenbergen zugrunde gegangen oder haben die ausstehende Schuldenlast restrukturiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat eine Kombination aus Inflation und geringen Nominalzinsen (d.h. niedrige/negative Realzinsen) zur Reduzierung der Schulden beigetragen.

92. Was passiert in der nächsten Rezession?

Besonders bedrohlich werden die jetzt schon hohen Schuldenstände wirken, wenn die Weltwirtschaft abermals in Richtung einer mehr oder minder tiefen Rezession abgleiten sollte. Dann stehen den Haushaltspolitikern, die sich streng an die Vorgaben des Fiskalpakts halten, nur sehr wenige Möglichkeiten offen, um konjunkturelles Gegensteuern zu ermöglichen. Konjunkturprogramme nach dem Muster der vergangenen Rezession wird es in diesem Ausmaß keinesfalls noch einmal geben. Derart begrenzte Handlungsspielräume im Konjunkturabschwung lassen befürchten, dass Rezessionen länger und härter werden können.

93. Sind Immobilien die Rettung?

Die Deutschen lieben ihr Betongold. Besonders jetzt, denn für sicherheitsorientierte Anleger sind Festgelder wie auch Staatsanleihen mit historisch niedriger Verzinsung wenig attraktiv. Da auch die Hypothekenzinsen immer noch sehr niedrig sind, ist der Erwerb von Wohneigentum für viele private Haushalte erschwinglich geworden und weiterhin attraktiv. Die verstärkte Nachfrage nach Wohnimmobilien hat insbesondere in den deutschen Ballungszentren die Kaufpreise zuletzt deutlich steigen lassen. Befürchtungen, hier könnte sich eine neue Blase bilden, wird üblicherweise entgegnet, der Preisanstieg sei bislang fundamental gerechtfertigt. Tatsächlich ist in vielen Großstädten, in denen die Bevölkerungszahl weiterhin zunimmt, bei nach wie vor sehr geringer Neubauaktivität Wohnraum knapp. Auch gilt der deutsche Wohnungsmarkt im internationalen Vergleich als stabil. Dieser Einschätzung liegt die schwache Entwicklung der Wohnimmobilienpreise in den Jahren vor der Finanzkrise zugrunde, als die Hauspreise in den USA und auch in vielen europäischen Ländern kräftig zugelegt hatten. Leider zeigt die Historie von Finanzmarktblasen, dass vorab nicht feststellbar ist, wann genau ein Preisanstieg noch fundamental gerechtfertigt ist und wann die spekulative Preisbildung beginnt. Bei fortgesetzt kräftigem Preisanstieg deutscher Wohnimmobilien ist daher auf mittlere Frist eine Überhitzung in Teilmärkten nicht auszuschließen. Darüber hinaus dürften trotz der im internationalen Vergleich eher konservativen Finanzierungspraxis langfristig die Refinanzierungsrisiken zunehmen. Vielen Haushalten, die derzeit Wohneigentum mit hohem Fremdkapitalanteil zu rund 3 % erwerben, könnte in 10 oder 15 Jahren die Refinanzierung schwerfallen, wenn sich das Zinsniveau normalisiert hat. Zur Erinnerung: Die Hypothekenzinsen mit 10-jähriger Bindung lagen in Deutschland im Zeitraum 1990 bis 2000 bei durchschnittlich 7,7 %.

94. Hilft mir mein Bankberater durch die nächste Finanzkrise?

Im Zweifelsfall nein. Ihr Bankberater müsste Ihnen sonst attraktive Tagesgeldprodukte anderer Banken empfehlen sowie diverse Anlageprodukte der Konkurrenz. Das können Sie von Ihrem Bankberater nicht erwarten. Bitte halten Sie auf jeden Fall jetzt Abstand von Aktienprodukten mit sogenannten Sicherheitsnetzten (Bonusprodukte, Discountprodukte). Solche Produkte werden heute an Privatanleger abermals gern verkauft, um mit vermeintlichen Sicherheitsnetzen in die Aktienmärkte zu locken.

95. Hilft ein Berater weiter, der nur auf Honorar arbeitet?

Das kann eine Lösung sein. Der Honorarberater legt ein Konzept vor, das eine gute Mischung von Anlagen beeinhalten sollte. Er kassiert keine Provision. Aber die Frage ist: Was ist mit kontinuierlicher Betreuung?

96. Was ist eine vernünftige Lösung?

Der Mix macht es. Sicherlich nicht verkehrt ist ein ausgewogenes Verhältnis von Anlagen und Schulden, um kein Opfer der Inflation zu werden. Bei Vermögensanlagen muss es nach wie vor nicht immer der Euro sein. Fremdwährungen bieten Nutzen, denn wenn der Euro fällt, erzielen Sie Währungsgewinne. Bei Zinsanlagen sind das klassische Sparbuch und Staatsanleihen mit niedrigster Verzinsung auf Verluste programmiert. Es gibt Alternativen (vgl. oben). Ein Aktienanteil von 25 % des Vermögens – und sei es noch so klein – ist empfehlenswert. Bei Edelmetallen müssen Sie daran denken, dass es hier keine laufenden Erträge gibt! Lösungen für verschiedene Anlegermentalitäten stellen wir in unseren Produkten zum Thema Geld regelmäßig vor.

97. Wie ist die Aussicht bei den Zinsen?

Schlecht. Denn die Notenbanken halten die Zinsen weiter niedrig. Im September 2013 hat die US-Notenbank eine Fortsetzung ihrer Niedrigzinspolitik angekündigt, die Europäische Zentralbank hat dies ebenso getan. Aber: Für Tagesgeld gibt es bei verschiedenen seriösen Online-Banken immerhin 1,50 % Zinsen. Wer derzeit Geld ganz einfach ohne Verzinsung auf dem Konto hält, sollte sich zumindest ein ordentlich verzinstes Tagesgeldkonto zulegen. Das Geld bleibt jederzeit verfügbar. Die Angebote finden Sie im Internet oder bei unseren Veröffentlichungen.

98. Wie ist die Aussicht bei Aktien?

Gut. Aber das ist immer nur ein Spiel auf Zeit. Ein Aktienanleger muss jederzeit bereit sein, Schwankungen in Kauf zu nehmen. Um mit Aktien Geld zu verdienen, muss ein Anleger Kursverluste aushalten können. Der beste Einstiegszeitpunkt ist für Aktien derzeit nicht, wie ein Blick auf den langfristigen Chart des DAX unschwer zeigt.

99. Kommt die Inflation?

Nein. Vorerst nicht. Dennoch zählen viele Sparer ihren Sparstrumpf und fürchten um ihre Ersparnisse. Zu Unrecht: Denn für Inflation braucht es einen Mix aus steigenden Löhnen, Preiserhöhungsspielräumen, deutlich mehr Krediten an Unternehmen, steigenden Geldmengen und steigenden Zinsen - und dadurch steigende Inflationserwartungen. Das ist derzeit kein Thema.

100. Was bringt die neue deutsche Regierung für den Euro?

Frau Merkel hat ihren Einsatz für den Euro immer wieder bekundet - vielen Menschen fehlt bei Merkel dabei eine Portion Emotionalität zum Bekenntnis zu Europa (und nicht nur da). Der wesentliche Punkt im Regierungsprogramm der CDU lautet folgendermaßen:

Keine Eurobonds. Das bedeutet: Keine direkte Schuldenaufnahme unter Beteiligung Deutschlands für die Eurozone. Diese Position ist derzeit zum Schutz des deutschen Top-Schulden-Ratings machbar, weil Deutschland wirtschaftlich stark ist. Diese starke wirtschaftliche Position ist jedoch nur zu Teilen ein Ergebnis der Merkel-Politik der vergangenen Regierungsjahre, sondern zu wesentlichen Teilen ein Ergebnis der Agenda 2010 und der Rentenreformen, deren Früchte jetzt geerntet werden. Ein wesentlicher Merkel-Anteil an deutschen wirtschaftlichen Erfolgen ist die Überwindung der Wirtschaftskrise 2008/2009 (Stichwort: Kurzarbeit). Die Besitzstandswahrung für deutsche Bürger hat Frau Merkel den Machterhalt gesichert – das hat Deutschland allerdings eine Verschuldung gebracht, die viel zu hoch ist.

Verwechseln Sie bitte diese Eurobonds, die unter Beteiligung Deutschlands zur Bewältigung der Schuldenkrise begeben werden könnten, nicht mit denjenigen Eurobonds, die es seit Jahren gibt. Der Begriff Eurobonds steht eigentlich für alle Anleihen, die am internationalen Euro-Kapitalmarkt begeben werden. Das ist eine ganz normale, seit Jahren erprobte Sache, von Unternehmen und Staaten genutzt wird.

101. Kann die Euro-Krise wieder aufflammen?

Ja. So, wie sich die Akteure an den Finanzmärkten zuletzt von den Problemen der Eurozone abgewendet haben, um Devisen, Anleihen und Aktien der Emerging Markets wieder einmal unter Beschuss zu nehmen, können auch europäische Anlagen abermals ins Visier der Finanzmärkte geraten. Anfällig für Attacken bleibt weniger Griechenland, wo schon weitere Hilfsmilliarden erwartet werden. Anfällig sind alle kleinen Länder. Portugal oder Slowenien können jederzeit in die Schusslinie der internationalen Finanzmärkte geraten. Ein neuerlicher Flächenbrand wie in den letzten Jahren ist jedoch auszuschließen - allein deshalb, weil Profis wissen, dass an den Finanzmärkten eine nächste nachhaltige Attacke nicht nach einem bekannten Muster verlaufen wird.

102. Euro-Optimismus?

Ja, trotz allem. Die Eurozone repräsentiert einen Wirtschaftsraum von fast 10000 Milliarden Euro. Das Währungsverhältnis gegenüber dem US-Dollar hat in den Jahren seit der Einführung nach anfänglich starken Schwankungen an Stabilität gewonnen. Europa ist dabei, mit einiger Verzögerung den Weg zu finden, um in der globalen wirtschaftlichen Triade USA-Europa-Asien zu behaupten.

EUR/USD: Schwankungen haben nachgelassen

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