Witterungsbedingte Flugverspätung

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(verpd) Kommt der Flugplan einer Fluggesellschaft durcheinander, weil am Vortag extreme Witterungsverhältnisse geherrscht haben, so kann sich diese in der Regel nicht vor Ausgleichszahlungen wegen Flugverspätungen drücken. Das geht aus zwei Urteilen des Amtsgerichts Hannover hervor (Az. : 538 C 11519/13 und 565 C 850/14).

Zwei Flugzeuge einer Fluggesellschaft sind sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückflug mit mehr als dreistündiger Verspätung am Zielflughafen angekommen. Jeweils ein Flugpassagier der entsprechenden Flugzeuge machte gegenüber dem Unternehmen daher Ausgleichsansprüche im Sinne der EU Fluggastrechte-Verordnung 261/2004 geltend.

Extreme Witterungsverhältnisse

Die Fluggesellschaft wies die Forderungen beider Passagiere als unbegründet zurück. Zur Begründung berief sie sich darauf, dass wegen extremer Witterungsverhältnisse am Vortag der Flugplan durcheinandergeraten sei. Dies habe sich auch noch auf die Flüge des Folgetages ausgewirkt. Die Kläger hätten daher keinen Anspruch auf Ausgleichszahlungen.

Doch dem wollte sich das Amtsgericht Hannover nicht anschließen. Es gab den Klagen der beiden Passagiere statt. Nach Ansicht des Gerichts darf sich eine Fluggesellschaft bei witterungsbedingten Flugverspätungen nur dann auf höhere Gewalt berufen, wenn es sich um einen Flug handelt, der am Tag des Unwetters stattfinden sollte.

Kein außergewöhnlicher Umstand

„Wenn allerdings die Verspätung aufgrund einer entschuldigten Verspätung aus dem Vorumlauf des Vortages resultiert, ist dies kein außergewöhnlicher Umstand mehr“, so das Gericht. Es ist nämlich Sache einer Fluggesellschaft, wenn sie aus wirtschaftlichen Erwägungen die Auslastung der Maschinen so eng hintereinander taktet, dass selbst einen Tag vorher auftretende Verzögerungen nicht mehr ausgeglichen werden können.

In einem derartigen Fall hat sie nach Überzeugung des Gerichts nicht mehr alle ihr nach der Fluggastrechte-Verordnung zumutbaren Maßnahmen ergriffen, um Verspätungen zu vermeiden. Denn derartige Verspätungen liegen nicht in den nicht zu kalkulierenden Witterungsanomalien. Sie sind vielmehr ausschließlich dem wirtschaftlich ausgerichteten Planungsverhalten des Luftfahrtunternehmens geschuldet.

Die wichtigsten Rechte für Flugreisende im Überblick

Die wichtigsten Passagierrechte für Flugreisende sind im Webportal des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland (EVZ) aufgeführt. Zudem steht hier die kostenlos herunterladbare Broschüre „Fluggastrechte: Clever reisen!“ zur Verfügung. Entsprechende Informationen für Flugreisende gibt es zudem im Internet und per App von der Europäischen Kommission.

Mit einer Privatrechtsschutz-Police kann man übrigens sein Recht als Reisender ohne finanzielles Risiko durchsetzen. Besteht nämlich Aussicht auf Erfolg, werden unter anderem die Anwalts- und Gerichtskosten zum Beispiel für die Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen übernommen, wenn vorab eine Leistungszusage vom Versicherer erteilt wurde. Auch wenn der Prozess verloren geht, würde der Rechtsschutzversicherer die zugesagten Gerichts- und Anwaltskosten übernehmen.

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