Schmerzensgeld nach gefährlichem Hotelaufenthalt?

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(verpd) Ein Pauschalurlauber, der sich in einem Hotel verletzt, weil ein Stuhl unter ihm zusammengebrochen ist, hat nicht in jedem Fall einen Anspruch auf Zahlung von Schadensersatz und Schmerzensgeld durch den Reiseveranstalter. Es kommt vielmehr auf die Umstände des Einzelfalls an. Das geht aus einem jüngst veröffentlichten Beschluss des Koblenzer Oberlandesgerichts hervor (Az. 2 U 1104/10).

Ein Hotelgast hatte auf dem Balkon seines Hotelzimmers auf einem Plastikstuhl gesessen, als der Stuhl wegen eines wegknickenden Beines plötzlich unter ihm zusammenbrach. Bei dem dadurch verursachten Sturz verletzte sich der Kläger schwer. Er schlug mit dem Kopf gegen eine Wand und brach sich einen Halswirbel.

Der Pauschalreisende verklagte den Reiseveranstalter auf Zahlung von Schadensersatz und Schmerzensgeld. Als Argument führte er an, dieser sei für den Vorfall verantwortlich, weil er seine Verkehrs-Sicherungspflicht verletzt habe.

Verkehrs-Sicherungspflicht

Doch dem wollten die Richter des Koblenzer Oberlandesgerichts nicht folgen. Sie wiesen die Klage als unbegründet zurück.

Grundsätzlich, so das Gericht, trifft einen Reiseveranstalter bei der Vorbereitung und Durchführung einer Reise eine Verkehrs-Sicherungspflicht. Dazu gehört es, sich zu vergewissern, dass ein von ihm angebotenes Hotel einen ausreichenden Sicherheitsstandard bietet und von seinen Einrichtungen wie zum Beispiel Treppen, Schwimmbädern und elektrischen Anlagen keine Gefahr für die Hotelgäste ausgeht.

In welchem Umfang und wie oft eine Überprüfung eines Hotels stattzufinden hat, hängt nach Meinung der Richter unter anderem von der Qualität der Unterkunft ab. In dem entschiedenen Fall konnte der Reiseveranstalter nachweisen, dass der Stuhl, der dem Kläger zum Verhängnis wurde, erst kurz zuvor angeschafft worden war und ein Sicherheitszertifikat (CE-Zeichen) trug.

Überzogene Forderung

Es kam hinzu, dass das Hotelzimmer einschließlich des Balkons täglich gesäubert wurde. Dabei wurden zwangsweise auch die Balkonmöbel in Augenschein genommen, ohne dass dem Reinigungspersonal ein Schaden an dem Stuhl aufgefallen wäre.

Nach Ansicht des Gerichts durfte der Reiseveranstalter unter den gegebenen Umständen darauf vertrauen, dass von den Balkonstühlen keine Gefahr für die Hotelgäste ausgeht. Denn es wäre völlig überzogen zu erwarten, dass er die Möbel der durch ihn vermittelten Hotelzimmer ständig überprüfen lässt. Der Kläger kann den Reiseveranstalter daher nicht zur Verantwortung ziehen.

Wie der Fall zeigt, kann bei einem unverschuldeten Unfall nicht immer ein anderer dafür haftbar gemacht werden. Wer durch einen solchen Vorfall jedoch einen bleibenden Schaden davonträgt, dem droht unter Umständen ohne eine private Absicherung zum Beispiel durch eine Unfall- und/oder eine Berufsunfähigkeits-Versicherung ein finanzielles Desaster.

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