Schadenersatz bei Kinderlärm?

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(verpd) Wer eine Reise bucht, bei welcher das Mindestalter der Hotelgäste laut Prospekt 18 Jahre beträgt, hat einen Anspruch auf eine Minderung des Reisepreises, wenn er in der Unterkunft trotz allem mit stärkerem Kinderlärm konfrontiert wird.

Das hat das Amtsgericht Hannover vor Kurzem entschieden (Az. 558 C 2900/14).

Ein Mann hatte für sich und seine Begleiterin bei einem Reiseveranstalter eine zweiwöchige Reise in die Türkei gebucht und dafür rund 2.800 € gezahlt. Bei der Buchung hatte er bewusst ein Hotel gewählt, bei dem das Mindestalter der Gäste 18 Jahre betrug.

Lärm von 20 Kindern

Knapp drei Wochen vor der Reise teilte ihm der Reiseveranstalter mit, dass nicht vollständig ausgeschlossen werden könne, dass in der Hotelanlage auch Kinder anzutreffen sind. Er bot dem Mann gleichzeitig eine gebührenfreie Reiseänderung beziehungsweise eine Stornierung der Buchung an.

Weil der Mann angesichts der Aussage des Veranstalters nur mit vereinzelten Kindern rechnete, trat er die Reise an. Wenige Tage nach der Ankunft in dem Hotel rügte der Reisende gegenüber der Reiseleitung die Anwesenheit von circa 20 Kindern.

Nach seiner Rückkehr wurde ihm wegen der Kinder von dem Veranstalter auf freiwilliger Basis ein Betrag von zehn Prozent des Reisepreises erstattet. Doch das reichte dem Mann nicht aus. In seiner gegen den Reiseveranstalter eingereichten Klage machte er geltend, dass die Kinder sowohl beim Essen und am Pool als auch am hoteleigenen Strand den ganzen Tag über Lärm gemacht und Unruhe erzeugt hätten.

Insgesamt wertlos

Er hielt die Reise daher für insgesamt wertlos und forderte den Ersatz des gesamten Reisepreises nebst Anwaltskosten. Ohne Erfolg: Das Amtsgericht Hannover wies die Klage als unbegründet zurück. Als Basis für seine Entscheidung griff das Gericht auf Urteile wegen Baulärms zurück. In so einem Fall steht einem Reisenden je nach Intensität des Lärms eine Reisepreisminderung zwischen zehn und 50 Prozent zu.

Unter Berücksichtigung dieser Rechtsprechung hielt das Gericht im Fall des Klägers die ihm von dem Veranstalter bereits gewährte Reisepreisminderung von zehn Prozent für angemessen. „Denn bei der Bestimmung der Höhe einer angemessenen Ausgleichszahlung ist zu berücksichtigen, dass Kinderlärm, anders als die Geräusche eines Presslufthammers, als sozialadäquat hinzunehmen ist.“

Nach Ansicht des Gerichts ist auch zu berücksichtigen, dass ein Reisender eine völlige Ruhe im Poolbereich in Zeiten des Massentourismus selbst bei ausschließlich volljährigen Gästen nicht erwarten kann. Bei der Ermittlung der Höhe der Reisepreisminderung war nach Meinung des Gerichts außerdem zu berücksichtigen, dass der Kläger weder eine Beeinträchtigung der Nachtruhe noch der Verpflegungs- und Transportleistungen oder der übrigen Ausstattungsmerkmale der Hotelanlage zu beklagen hatte.

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