Ihre Rechte als Passagier

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(verpd) EU-Bürger, die zu Wasser, zu Land oder in der Luft als Passagier ein Transportunternehmen im europäischen, aber auch im außereuropäischen Ausland nutzen, haben zahlreiche Schutzrechte. Doch nicht für alles gibt es eine finanzielle Wiedergutmachung.

Jedes Jahr reisen nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) alleine in Deutschland über 9,1 Milliarden Bürger im Linienverkehr mit Bus oder Straßenbahn, 2,6 Milliarden mit dem Zug und rund 181 Millionen mit dem Flugzeug. Die Europäische Union hat zumindest für die Passagiere in den europäischen Staaten eine Rechtsgrundlage eingeräumt, damit diese ab einer gewissen Verspätung oder bei stornierten Fahrten eine finanzielle Entschädigung bekommen.

Unterwegs mit dem Zug

Verzögert sich beispielsweise die Ankunft eines gewählten Zuges um 60 bis 119 Minuten, steht dem Bahnreisenden eine Entschädigung in Höhe von mindestens 25 Prozent des Fahrpreises zu. Ab einer Verspätung von 120 Minuten sind es mindestens 50 Prozent des Fahrpreises. Fällt der fahrplanmäßig letzte Zug des Tages aus oder muss in der Nacht zwischen 0 und 5 Uhr mit einer mindestens einstündigen Verspätung gerechnet werden, kann der Reisende die Erstattung der Kosten für alternative Verkehrsmittel wie Bus oder Taxi bis zu einem Betrag von 80 € verlangen.

Im Nahverkehr, also beispielsweise bei Reisen mit Regionalbahnen, haben Fahrgäste ab einer 20-minütigen Verspätung Anspruch auf die Benutzung eines alternativen Zuges, selbst wenn es sich um einen Fernzug handelt. Allerdings muss er laut Deutscher Bahn „bei Nutzung eines tariflich höherwertigen Zuges die zusätzlich erforderliche Fahrkarte zunächst bezahlen und kann die Kosten anschließend geltend machen“. Diese Regelung gilt jedoch nicht bei stark ermäßigten Tickets wie dem Schönes-Wochenende-Ticket, Quer-durchs-Land-Ticket oder Länder-Tickets.

Bis vor Kurzem musste die Bahn für Verspätungen nur dann zahlen, wenn ein technisches Problem oder eine Störung im Betriebsablauf dafür verantwortlich war. Nach einem aktuellen Urteil (Az. C-509/11) des Europäischen Gerichtshofes gibt es eine anteilige Fahrpreiserstattung auch dann vom Bahnunternehmen, wenn höhere Gewalt zu einer späteren Ankunft führt. Weitere Einzelheiten über die Rechte der Bahnreisenden stehen online auf den Webseiten des Tarifverbandes der Bundeseigenen oder Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE).

Wenn der Flieger sich verspätet

Bei der Personenbeförderung mit dem Flugzeug ist dies nicht so: Hier gibt es keine Entschädigung bei einer Verspätung oder Flugannullierung infolge höherer Gewalt oder aufgrund sonstiger außergewöhnlicher Umstände. Zu diesen Umständen zählen schlechte Witterungsbedingungen wie Starkregen oder dichter Nebel, Naturkatastrophen, nicht angekündigte Streiks von Flugpersonal, politische Unruhen, aber auch ein Vogelschlag, also wenn Vögel in das Triebwerk eines Flugzeugs geraten und es beschädigt wird.

In allen anderen Fällen haben Fluggäste, die wegen einer Überbuchung oder Annullierung ihres Fluges nicht zum gebuchten Ziel kommen, ein Anrecht auf eine Erstattung des Flugpreises, oder wenn möglich, einen Anspruch auf eine anderweitige Beförderung. Zudem muss die Airline durch die Überbuchung oder Stornierung des Fluges, aber auch bei Verspätungen, notwendige Betreuungsleistungen wie Mahlzeiten, Unterkünfte und Telefonate übernehmen.

Bei Verspätungen gilt dies jedoch nur, wenn die spätere Ankunft mindestens zwei Stunden bei einer Strecke bis 1500 Kilometer, drei Stunden bei einer Strecke ab 1.500 bis 3500 Kilometer oder vier Stunden ab 3500 Kilometer beträgt. Bei fünf Stunden Verspätung oder mehr kann der Reisende den vollständigen Flugpreis zurückverlangen und vom Flug zurücktreten. Zudem kann er zum nächstmöglichen Zeitpunkt zum ersten Abflugort zurückfliegen, wenn durch die Verspätung eine Weiterreise, wie im ursprünglichen Reiseplan vorgesehen, zwecklos geworden ist.

Ausgleichszahlungen für Flugreisende

Des Weiteren haben die Flugpassagiere bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung von drei Stunden oder mehr Anspruch auf entfernungsabhängige Ausgleichszahlungen: Bei Flügen innerhalb der EU bis 1500 Kilometer sind es 250 €, bei mehr als 1500 Kilometer 400 €.

Bei Flügen von der EU in Nicht-EU-Länder sind es bis 1500 Kilometer 250 €, bei über 1.500 bis 3500 Kilometer 400 € und bei über 3500 Kilometer 600 €.

Wenn die Flugannullierung 14 Tage vor Abflug dem Fluggast mitgeteilt wird oder wenn die Fluglinie den Gast sieben Tage vor Abflug informiert und ihm zeitgleich ein Angebot einer zeitnahen Ersatzbeförderung unterbreitet, entfällt jedoch eine Ausgleichszahlung. Wird ein Ersatzflug angeboten, kann die Entschädigung um 50 Prozent gekürzt werden.

Mit dem Schiff unterwegs

Wer im Rahmen eines Personenverkehrs-Dienstes mit dem Schiff, zum Beispiel mit einer Fähre, unterwegs ist, hat bei Verspätungen und Annullierungen ebenfalls ein Recht auf Entschädigung. Fahrgäste haben je nach Verhältnis zwischen planmäßiger Fahrdauer und verspäteter Ankunft einen Entschädigungsanspruch von mindestens 25 Prozent und maximal 50 Prozent des Fahrpreises. Beträgt beispielsweise die normale Fahrtzeit bis zu vier Stunden und kommt das Schiff erst eine Stunde später an, hat der Fahrgast Anspruch auf 25 Prozent des Fahrpreises.

Kommt das Schiff erst nach zwei Stunden an, erhält er 50 Prozent. Des Weiteren muss eine Schifffahrts-Gesellschaft bei einer zu erwartenden Verspätung von mindestens 90 Minuten oder einer Annullierung die Kosten für eine anderweitige, angemessene Beförderungsmöglichkeit ohne Aufpreis übernehmen. Alternativ kann auch die Erstattung des Fahrpreises und wenn möglich eine kostenlose Rückfahrt zum Abfahrtsort verlangt werden.

Sind durch die Annullierung oder Verspätung eine oder mehrere Übernachtungen am Aufenthaltsort notwendig, muss die Schifffahrts-Gesellschaft für eine Unterbringung an Bord sorgen oder die Kosten einer Unterbringung auf dem Land für maximal drei Nächte und höchstens bis 80 € pro Nacht übernehmen. Die Anspruchsrechte gelten nicht, wenn die Annullierung oder Verspätung aufgrund extremer Wetterbedingungen oder außergewöhnlicher Umstände eintritt.

Rechtsstreit ohne finanzielles Risiko

Die wichtigsten Passagierrechte für Zug-, Bus-, Schiffs- und Flugreisende können im Webportal des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland (EVZ) nachgelesen werden. Zudem stehen hier die kostenlos herunterladbaren Broschüren „Fluggastrechte: Clever reisen!“ sowie „Fahrgastrechte: Clever reisen!“ für Zug- und Flugreisende zur Verfügung. Entsprechende Informationen gibt es zudem im Internet und per App von der Europäischen Kommission.

Mit einer Privatrechtsschutz-Police kann man übrigens auch sein Recht als Reisender ohne finanzielles Risiko durchsetzen. Besteht nämlich Aussicht auf Erfolg, werden unter anderem die Anwalts- und Gerichtskosten zum Beispiel für die Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen übernommen, wenn vorab eine Leistungszusage vom Versicherer erteilt wurde.

Auch wenn der Prozess verloren geht, würde der Rechtsschutzversicherer die zugesagten Gerichts- und Anwaltskosten übernehmen.

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