Wie sicher ist Ihre ec-Karte?

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Unberechtigte Bargeldabhebungen mit gestohlener ec-Karte sind ein Dauerstreitthema zwischen Kunden und ihrer Bank. Jetzt hat erneut das OLG Frankfurt entschieden.

Geklagt hatte eine Verbraucherschutzzentrale, die sich die Ansprüche von zwölf Kunden der beklagten Bank hatte abtreten lassen. Alle Kunden behaupteten, ihre ec-Karte und ihre PIN-Nummer verloren zu haben, anschließend hätten Unberechtigte Bargeld abgehoben.

Immer wieder stellt sich in solchen Fällen die Frage nach der Sicherheit der ec-Karte. Das OLG Frankfurt hat in seinem jetzt veröffentlichten Urteil allerdings keine Anhaltspunkte dafür gesehen, dass Sicherheitsmängel bei dem von der beklagten Bank verwandten Verschlüsselungssystem (Triple-DES-Schlüssel, bestehend aus 128 Bit) bestanden. Die Richter befanden, dass es bei dem zwischen Dezember 1999 und Februar 2003 verwendeten Verschlüsselungssystem praktisch ausgeschlossen sei, dass Kriminelle den Sicherheitsschlüssel hätten knacken können (OLG Frankfurt/Main, Urteil vom 4.1.2008, Az. 23 U/05).

Die Richter orientierten sich dabei an einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 5.10.2004, wonach der sog. Beweis des ersten Anscheins dafür spreche, dass der Karteninhaber die PIN auf der ec-Karte notiert oder gemeinsam mit dieser verwahrt habe, wenn zeitnah nach dem Diebstahl der Karte und Eingabe der PIN am Geldausgabeautomaten Bargeld abgehoben werde. Um diesen zugunsten der Bank wirkenden Anscheinsbeweis zu entkräften, müsse der Karteninhaber einen atypischen Verlauf beweisen, d.h., er müsse darlegen, dass er nicht zur missbräuchlichen Verwendung der Karte beigetragen habe.

Ein solcher Fall könne dann vorliegen, wenn ein Dritter das PIN-System "knacken" könne. Doch solche Sicherheitsmängel sahen die Richter im vorliegenden Fall nach Anhörung eines Sachverständigen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nicht gegeben. Damit behielt die klagende Bank recht, die ihre Zahlungsverweigerung damit begründet hatte, die Kunde hätten gegen ihre Pflicht verstoßen, die Karten mit besonderer Sorgfalt aufzubewahren und dafür Sorge zu tragen, dass kein unbefugter Dritter Kenntnis von der PIN erhalte.

Geldtipp
Falls Ihnen Ihre ec-Karte gestohlen wird und jemand Geld abhebt, sollten Sie trotz der negativen Entscheidung des OLG Frankfurt nicht vorschnell aufgeben. Nehmen Sie Kontakt mit der nächsten Verbraucherzentrale auf. Im vorliegenden Fall wurde nämlich lediglich ein Sachverständigengutachten des BSI berücksichtigt. Andere Beweiserhebungen, die die Verbrauchschutzzentrale zur Möglichkeit von Manipulationen beantragt hatte, zum Beispiel zur Frage der Verwendung von auf der Karte gespeicherten Daten zur PIN-Verifikation, hat das Gericht im aktuellen Verfahren abgelehnt. Andere Prozesse können deshalb u.U. zu einem anderen Urteil führen.

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