Raus aus dem Dispo!

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Hohe Zinsen, zu wenig Einkommen und häufig auch noch unerwartete Ausgaben: Wer als Normalverdiener tief im Dispokredit steht, hat es schwer, seine Schuldenlast zu senken. Viele Bankkunden setzen in ihrer Not auf Ratenkredite. Doch einige Banken verweigern die Umschuldung. Eine Alternative bietet der Abrufkredit bei einer anderen Bank.

So ging es den Meiers aus Ulm: Eigentlich sollte der Dispokredit bei der örtlichen Raiffeisenbank nur für ein paar Wochen genutzt werden. Grund war eine teure Autoreparatur. Mit dem nächsten Gehaltseingang war die Rückführung der Kreditlinie geplant. Doch weitere unerwartete Ausgaben zwangen die Meiers, das Girokonto viel länger zu überziehen als geplant.

Vier Monate später steht die Familie bei ihrer Hausbank tief in der Kreide. Die sinnvolle Bitte der Meiers, den hohen Saldo durch einen Ratenkredit umzuschulden, beschied der Bankberater abschlägig. Begründung der Bank: eine zu schlechte Bonität. Eigentlich unverständlich, denn schließlich hatte die Kreditwürdigkeit der Meiers für die Einräumung des Dispos auch gereicht.

Häufig sind solche Entscheidungen der Kreditinstitute nur vorgeschoben. Denn mit den hohen Dispozinsen verdienen Banken deutlich mehr als mit günstigen Ratenkrediten. Unverständlicherweise zahlen Bankkunden bei den meisten Banken noch immer über 10 % Dispozinsen. Gerade kleine Banken auf dem Land langen hier kräftig zu. Mangels Konkurrenz vor Ort sehen sich die Institute oft nicht genötigt, die Disposchraube nach unten zu drehen. Dabei wäre das bei einem historisch niedrigem Leitzins von weiterhin 0,05 % längst überfällig.

Ist der Ratenkredit eine geeignete Lösung?

Wer es als Disposchuldner schafft, einen Ratenkredit zu erhalten, spart einen Großteil der Zinsbelastung ein. Je nach Bonität kostet Letzterer aktuell zwischen 3 % und 9 %. Die günstigen Konditionen erhalten jedoch lediglich Schuldner mit einwandfreier Bonität. Die meisten Antragsteller erhalten einen Durchschnittszinssatz zwischen 5 % und 6,5 %. Das ist immer noch deutlich weniger als beim Dispo der Hausbank.

Ob Ratenkredite tatsächlich günstiger sind, hängt davon ab, was Bank und Kunde miteinander vereinbaren. Häufig sind Bankberater daran interessiert, Kunden eine teure Restschuldversicherung zu verkaufen. Die übliche Begründung: »So können Sie Ihren Kredit auch zurückführen, auch wenn es mal finanziell eng wird«. Tatsächlich übernimmt die Restschuldversicherung die Kreditkosten bei langer Krankheit, Tod eines Angehörigen oder Arbeitslosigkeit.

Doch mit den meist teuren Beiträgen, welche auf die Kreditrate aufgeschlagen werden, steigt auch das Verschuldungsrisiko wieder an. Antragsteller sind daher gut beraten, auf eine Restkreditversicherung zu verzichten. Das gilt insbesondere dann, wenn es bereits eine Absicherung in Form einer Risikolebensversicherung und einer privaten Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung gibt.

Ist der Abrufkredit eine gute Alternative zu Dispo und Ratenkredit?

Eine relativ unbekannte Alternative ist der Abrufkredit – auch bekannt unter der Bezeichnung Rahmenkredit. Einmal von der Bank eingeräumt, kann der Bankkunde wie beim Dispokredit bis zur vereinbarten Kreditlinie frei über das Geld verfügen. Die Rückzahlung kann je nach Anbieter flexibel oder in regelmäßigen Raten erfolgen.

Mit Zinsen ab etwa 4 % (Stand August 2015) bieten Abrufkredite tatsächlich einen finanziellen Vorteil zum teuren Dispo. Auch ein entscheidender Vorteil zum Ratendarlehen wird deutlich: Die Konditionen sind nicht abhängig von der Bonität des Antragstellers. Wer eine ausreichende Kreditwürdigkeit für eine Zusage der Bank besitzt, erhält die attraktiven Konditionen, so wie sie in der Werbung versprochen werden. Auch leidige Diskussionen mit der Hausbank entfallen. Denn Abrufkredite werden meist von Direktbanken vergeben.

Worauf sollte beim Abrufkredit geachtet werden und welche Risiken gibt es?

Auch ein Abrufkredit ist ein Darlehen und muss zurückgezahlt werden. Empfehlenswert ist eine regelmäßige monatliche Rückzahlung wie beim Ratenkredit. Wenn die Bank nicht ohnehin schon eine Ratenzahlung verlangt, ist es für Kreditnehmer sinnvoll, für die Rückzahlung einen Dauerauftrag einzurichten.

Aufpassen sollten Antragsteller bei den Konditionen. Denn wie beim Dispokredit kann die Bank die Zinsen jederzeit ändern. Auch sind sehr günstige Konditionen oft zeitlich befristet. So heben einige Kreditinstitute den Zinssatz im zweiten Vertragsjahr häufig um zwei oder drei Prozent an. Wer sich für einen Rahmenkredit entscheidet, sollte sich die Darlehensbedingungen genau ansehen.

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