Kupon-Schneider aufgepasst: Luxemburg schafft Tafelpapiere ab

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Inhaber effektiver Wertpapiere von luxemburgischen Fonds müssen sich sputen. Gemäß einem luxemburgischen Gesetz werden in Luxemburg effektive Fondsanteile nun eingezogen.

Sie werden ab dem 18.2.2016 für ungültig erklärt.

Als Begründung, warum Luxemburg effektive Stücke abschaffen will, werden die Vermeidung von Geldwäsche und der regulatorische Druck besonders aus den USA genannt. Beim US-amerikanischen Gesetz FATCA, das alle Finanzinstitute weltweit zur Informationsweitergabe an US-Behörden zwingt, hatte die europäische Fondsbranche Erleichterungen für sich ausgehandelt. Im Gegenzug musste sie den Amerikanern versprechen, die Neuausgabe von effektiven Stücken einzustellen. Der luxemburgische Gesetzgeber ist einen Schritt weiter gegangen und lässt jetzt auch die noch im Umlauf befindlichen Tafelpapiere einziehen. Man kann davon ausgehen, dass über kurz oder lang eine ähnliche Regelung auch in Deutschland kommen wird.

Ab 18.2.2016 wertloser Verfall künftiger Kupons

Luxemburg ist das erste europäische Land, das effektive Fondsanteile abschafft. Das entsprechende Gesetz trat am 18.8.2014 in Kraft (Gesetz vom 28.7.2014 über die Immobilisierung von Inhaberaktien und -anteilen sowie die Registerführung von Namens- und Inhaberaktien). Demnach gilt: Wer seine Anteile bis zum 18.2.2015 nicht eingeliefert hat, darf keine Ausschüttung mehr erhalten und auch sein Stimmrecht wird ausgesetzt (in Luxemburg sind einige Fonds nämlich in einer gesellschaftsrechtlichen Form zugelassen, bei der Anleger ein Stimmrecht haben).

Stefan Lutz, Pressesprecher von Allianz Global Investors, erklärt die Prozedur, die nun in Luxemburg stattfinden muss: Der Anleger geht mit Mantel und Bogen zu seiner Bank. Diese nimmt die Papiere entgegen, schreibt sie dem Depot des Kunden gut und vernichtet anschließend die effektiven Papiere. Dabei werden auch die Ausschüttungen auf ältere Kupons, die noch nicht eingelöst wurden, gutgeschrieben. Ausschüttungen luxemburgischer Fonds haben kein Verfallsdatum.

Luxemburgische Fonds: Verfall ans Großherzogtum

Effektive Fondsanteile mit einer luxemburgischen ISIN-Nummer, die bis zum 18.2.2016 nicht eingeliefert werden, werden laut Gesetz für wertlos erklärt. Der Gegenwert dieser Stücke wird an die Luxemburger Caisse des Consignations überwiesen und wartet dort unverzinst auf den Berechtigten. Bei dieser Hinterlegungsstelle werden z.B. auch Gelder aus inaktiven Bankkonten aufbewahrt, bei denen über viele Jahre keine Bewegungen mehr stattgefunden haben und wo der Kontoinhaber bzw. dessen Erben nicht auffindbar sind. Dreißig Jahre lang warten die hinterlegten Beträge bei der Caisse des Consignations auf die Berechtigten. Wenn sie dann nicht eingefordert sind, fallen sie an das Großherzogtum.

Dies bedeutet, dass der Inhaber effektiver Fondsanteile nach dem 18.2.2016 lediglich den Anteilswert per 18.2.2016 beanspruchen kann und spätere Ausschüttungen und Wertsteigerungen nicht mehr berücksichtigt werden. Obwohl die Sache wirklich dringlich ist, gehen wir davon aus, dass längst nicht alle Fondsanteile bei der Rückrufaktion auftauchen werden, befürchtet Lutz und hat damit vermutlich recht. Viele Anleger wissen gar nicht mehr, dass sie im Safe oder irgendeiner Schublade noch effektive Anteilscheine verwahrt haben.

Betroffen sind viele Anleger – insbesondere ältere –, denn Tafelpapiere waren bis in die 1990er-Jahre hinein sehr populär. Auch wenn ab den 2000er-Jahren kaum mehr neue effektive Stücke ausgegeben wurden, sind noch viele im Umlauf; der Bestand lässt sich grob auf ein bis zwei Mrd. Euro schätzen.

Dieser Beitrag wurde von Diplom-Kauffrau Anke Dembowski, Wasserburg (Bodensee), verfasst. Frau Dembowski berät institutionelle und private Anleger; E-Mail: info@anke-dembowski.de

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