Finanzkrise: Ist Ihr Geld bei Banken und Sparkassen noch sicher?

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Kriseln die Banken, stellen sich Anleger immer wieder dieselbe Frage: Wie sicher sind meine Anlagen? Die Antwort hängt von der Art der Bank ab.

Dass bei Kunden deutscher Banken die Sorge vor einer bedrohlichen Schieflage steigt, verwundert nicht. Es traf bereits die IKB, ein Institut für die Mittelstandsfinanzierung, das mit 6,15 Mrd. Euro von der Kreditanstalt für Wiederaufbau und weiteren Banken gestützt werden musste und nun verkauft werden soll. Die Sachsen LB wurde gar mit einer Notkreditzusage in Höhe von 17,3 Mrd. Euro durch die Sparkassen vor dem Kollaps bewahrt. Und WestLB sowie die Bayerische Landesbank haben ebenfalls im Zuge der Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt Milliardenbeträge eingebüßt. Nicht zuletzt haben viele Anleger noch die Bilder aus Großbritannien im Kopf, als sich vor den Filialen der Northern-Rock-Bank lange Schlangen bildeten. In nur drei Tagen räumten die Kunden umgerechnet drei Mrd. Euro ab, bis die Bank of England die Sicherheit der Einlagen garantierte.

Zwar bestreitet niemand, dass die meisten Spareinlagen bei Banken in Deutschland weitestgehend sicher sind. Dennoch gab es in den vergangenen Jahren immer wieder einzelne Pleitefälle, obwohl die Branche aus der Krise der Kölner Herstatt-Bank gelernt hat. Das Geldhaus verzockte sich 1974 mit Währungswetten und "Revolver-Krediten", bei denen kurzfristige Darlehen in langfristige Verbindlichkeiten getauscht wurden, und ging pleite. Als Konsequenz richteten die Verbände von Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaften daraufhin Stützungsfonds ein, die die Einlagen der Kunden auch im Krisenfall durch ein engmaschiges Netz schützen.

Was gilt für deutsche Banken und Sparkassen?

Welche Regeln gelten für Banken in Deutschland? Wenig komfortabel ist die gesetzliche Einlagensicherung. Ihr kommt aber auch in anderen Ländern vergleichsweise geringe Bedeutung zu, weil der tatsächliche Schutz in der Regel weit über den gesetzlichen hinausgeht. Das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz schützt 90 Prozent der Einlagen, maximal jedoch 20.000 Euro. Den Entschädigungsfall stellt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) fest. Bei der KfW-Bankengruppe existieren zu diesem Zweck Entschädigungseinrichtungen, die den Einlagenschutz sicherstellen sollen. Diese unterteilen sich nach der Art der Institute. Zudem haben einige Verbände eigene Entschädigungseinrichtungen. Diese Sicherungssysteme sind jedoch auf Einzelfälle ausgelegt. Eine allgemeine Krise aller Banken könnten sie nicht auffangen.

Die Sicherungseinrichtungen der einzelnen Institutsgruppen:
  • Für Privatbanken tritt die "Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH" ein, sofern das Institut dieser Einrichtung angeschlossen ist. Durch den Einlagensicherungsfonds ("Feuerwehrfonds") sind die Guthaben jedes einzelnen Kunden bis zur Höhe von 30 Prozent des maßgeblichen haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank zum Zeitpunkt des letzten veröffentlichten Jahresabschlusses voll gesichert. Da zur Gründung einer Bank nach dem KWG fünf Mio. Euro Kapital als Mindesteinlage vorgeschrieben sind, ist der Einlagenschutz also recht beachtlich. Dabei umfasst dieser Schutz alle "Nichtbankeneinlagen", also die Guthaben von Privatpersonen, Wirtschaftsunternehmen und öffentlichen Stellen. Bei den geschützten Einlagen handelt es sich im Wesentlichen um Sicht-, Termin- und Spareinlagen und auf den Namen des Kunden lautende Sparbriefe. Verbindlichkeiten, über die eine Bank Inhaberpapiere ausgestellt hat, wie zum Beispiel Inhaberschuldverschreibungen und Inhabereinlagen-Zertifikate, werden dagegen nicht geschützt.
  • Öffentliche Banken: Die Entschädigungseinrichtung des "Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands" (BÖBD) gewährt im Wesentlichen den gesetzlichen Einlagenschutz. Darüber hinaus sichert der Einlagensicherungsfonds des BÖBD alle Nichtbankeneinlagen, die über den maximalen gesetzlichen Entschädigungsanspruch hinausgehen. Dieser Schutz erstreckt sich nicht auf Einlagen von Banken, Einlagen des Bundes und der Länder sowie Inhaberschuldverschreibungen, Pfandbriefe und Kommunalobligationen.
  • Volks- und Raiffeisenbanken sind der Sicherungseinrichtung des "Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken" (BVR) angeschlossen. Diese schützt die Einlagen und Inhaberschuldverschreibungen zu 100 Prozent und ohne Betragsbegrenzung.
  • Die Sicherungseinrichtung der Sparkassen gewährt eine unbegrenzte Absicherung und ist mehrstufig aufgebaut. Die erste Stufe bilden 11 regionale Sparkassenstützungsfonds und der Fonds der Landesbausparkassen, die zweite Stufe ist die Sicherungsreserve der Landesbanken und Girozentralen. Stufe drei ist der Sparkassenstützungsfonds als Gesamtvolumen aller regionalen Stützungsfonds. Dazu kommt als vierte Stufe die Gewährträgerhaftung, wodurch die Gebietskörperschaften die Garantie für den Bestand der Sparkasse bzw. Landesbank übernehmen. Die vierte Stufe gilt aber nur für Ansprüche, die vor dem 18.7.2005 entstanden sind.
  • Für Wertpapierhandelsunternehmen springt die "Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen" (EdW) ein und gewährt den gesetzlichen Einlagenschutz. Dies gilt aber nur für Mitgliedsunternehmen. Diese Problematik hat sich im Betrugsfall Phönix gezeigt, in dem zahlreiche Mitgliedsunternehmen den Verband verließen, bevor der Entschädigungsfall festgestellt wurde.
  • Bausparkassen: Bausparverträge und die aufgelaufenen Zinsen werden in voller Höhe zum einen durch die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken gesichert. Die meisten Bausparkassen sind zudem dem "Bausparkassen-Einlagensicherungsfonds e.V.". angeschlossen. Hierdurch sind alle Einlagen inklusive der Zinsen bis zu 250.000 Euro gesichert. Bausparkassen, die zu großen Banken gehören, unterliegen dem Einlagensicherungsfonds für Bank-Bausparkassen, der die Guthaben eines jeden Kunden inklusive Zinsen in praktisch unbegrenzter Höhe sichert. Öffentliche Bausparkassen, also Landesbausparkassen (LBS), werden durch das Sicherungssystem des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands gesichert, dem auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall angehört.

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