Erweiterte Informationspflichten der Banken vor einer Kreditaufnahme

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Wegen der Wirtschaftskrise kam es im Jahr 2009 zu einen Anstieg des Kreditvolumens an Privatpersonen um rund 10 Mrd. Euro. Von 132 Mrd. Euro Ende 2008 stieg das Volumen auf 142 Mrd. Euro im März 2010. Nach einer neuen europäischen Verbraucherkreditrichtlinie sind Bankberater gesetzlich verpflichtet, dem Darlehensnehmer vor Abschluss eines Kreditvertrags umfangreiche Erläuterungen zu geben.

Bereits vor Vertragsabschluss haben Verbraucher seit dem 11.6.2010 das Recht, alle notwendigen Informationen von der Bank in einer vom Gesetzgeber vorgeschriebenen tabellarischen Form zu erhalten. Der Kunde soll damit in die Lage versetzt werden, zu beurteilen, ob der Vertrag dem verfolgten Zweck und seinen Vermögensverhältnissen gerecht wird.

Tipp
Beim Abschluss eines Kreditvertrags sollten Sie auf Aufklärung über alle Konditionen bestehen. Scheuen Sie sich nicht, bei Unklarheiten sofort nachzufragen und ihren Bankberater direkt darauf anzusprechen.

Bessere Kündigungsmöglichkeiten

Die wichtigste Änderung betrifft all jene, die ihre Kredite vorzeitig zurückzahlen wollen. Seit 11.6.2010 können Kunden jederzeit aus dem Kreditvertrag aussteigen. Bislang kamen Kunden bei Kreditverträgen frühestens nach neun Monaten frei. Sechs Monate mussten sie Zins und Tilgung zahlen (Mindestlaufzeit) und die Kündigungsfrist betrug drei Monate. Jetzt kommen sie – ohne vertragliche Regelung – jederzeit frei. Maximal einen Monat darf die Bank als Kündigungsfrist in den Vertrag schreiben. Diese Änderung gilt für Ratenkredite wie Leasingverträge und Abzahlungskäufe wie etwa der finanzierte Autokauf.

Vorfälligkeitsentschädigung für alle

Dieser Schutz hat seinen Preis: Die neue Richtlinie sieht dafür eine Entschädigung der Bank vor. Wer seinen Kreditvertrag vorzeitig beendet, muss der Bank den entgangenen Zinsgewinn ersetzen – mindestens 0,5 bis 1 Prozent der Darlehenssumme. Diese Vorfälligkeitsentschädigung war bislang nur bei der Immobilienfinanzierung bekannt. Jetzt trifft sie Verbraucher auch bei Ratenkrediten.

Das neue Kündigungsrecht gilt lediglich für Ratenkredite. Baufinanzierungen haben in der Regel feste Laufzeiten und sind daher außen vor. Wollen Kunden aus dem Immobilienkredit aussteigen, müssen sie mit der Bank verhandeln, von Ausnahmefällen abgesehen, z.B. dem Verkauf des Hauses. Ein kurzfristiges Kündigungsrecht ist nur in Ausnahmen möglich.

Geschlossene Verträge sind widerrufbar

Da mit den neuen Regeln auch Kreditverträge per Mausklick im Internet möglich sind, gelten die Schutzvorschriften des Online-Shoppings. Kreditnehmer haben ein Widerrufsrecht – und das ist neu: auch für Immobilienkredite aus dem Netz. Seit dem 11.6.2010 haben Sie zwischen 14 Tagen und einem Monat Zeit, den Vertrag zu widerrufen. Unüberlegte Abschlüsse etwa zur Kauffinanzierung können dann wieder aufgelöst werden.

Darauf ist beim Vergleich zu achten

Wer wissen will, wie teuer sein Kredit bei Bank A, B oder C ist, kommt auch mit den neuen Vorschriften um eines nicht herum: Er muss vergleichen. Kluge Verbraucher schielen dabei nicht nur auf den Effektivzinssatz, sondern achten auch auf die Laufzeit, Ratenhöhe und Restschuld am Ende.
Wer also in den Kreditvergleich einsteigt – gleich ob Raten- oder Immobiliendarlehen – muss vergleichbare Größen nehmen: gleiche Laufzeit, gleiche Raten, gleiche Tilgungshöhe. So erfährt er am besten, ob die Kosten bei Bank A oder B niedriger sind.

 

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