Direktbanken haften nur begrenzt

 - 

Die Empfehlungen einer Direktbank müssen zwar transparent und richtig sein, aber eine Verpflichtung zu einer umfassenden und vollständigen Anlageberatung besteht nicht.

Das ergibt sich aus einem kürzlich veröffentlichten Urteil des Amtsgerichts München vom 5.3.2010 (Az. 111 C 24503/09).

Das klagende Ehepaar war seit mehr als elf Jahren Inhaber eines "Direkt Anlage Depots" einer Direktbank. Die Vertragsbedingungen sahen zwar vor, dass die Bank ihre gesetzlichen Informations- und Nachfragepflichten zu erfüllen hat. Das Geldinstitut hatte ansonsten aber nur Kundenaufträge auszuführen und war zu keiner Anlageberatung verpflichtet.

Im Juni 2008 übersandte die Bank den Klägern einen Werbebrief, in welchem für verschiedene Geldanlageprodukte geworben wurde, zu denen auch die "Lehman Brothers 4x6 Prozent Deutschland Garant Anleihe" gehörte.

Das Ehepaar erteilte daraufhin einen Auftrag zur Zeichnung der Anleihe zu einem Wert von 1000 Euro. Doch kurz darauf musste Lehmann Brothers Insolvenz anmelden. Die Geldanlage wurde dadurch praktisch wertlos. In seiner gegen die Direktbank eingereichten Schadenersatzklage machte das Ehepaar geltend, dass das Geldinstitut seine Beratungspflichten verletzt habe.

Man sei weder darüber informiert worden, dass für die Anleihe kein Schutz über den Einlagensicherungsfond bestand, noch darüber, dass der Verkauf von Lehmann-Zertifikaten in Frankreich und Amerika wegen der finanziell angespannten Lage der Bank bereits verboten war. Bei einer sachgerechten Aufklärung hätten sie die Anlage nicht gezeichnet, so die Kläger.

Das Amtsgericht München wies die Klage trotz allem als unbegründet zurück. Nach Ansicht des Gerichts ist zwischen den Klägern und der Bank nämlich kein Beratungsvertrag zustande gekommen. Aus den Vertragsunterlagen ergibt sich lediglich, dass in erster Linie ein Wertpapierdepots eröffnet wurde, welches von den Klägern mithilfe von Fernkommunikations-Mitteln verwaltet wurde.

Schließt ein Kunde einen Depotvertrag mit einer Direktbank unter Ausschluss von Beratungsverpflichtungen ab, so entscheidet er sich bewusst für die Vorteile dieses Geschäftsmodells, das z.B. in günstigeren Konditionen besteht, argumentierte das Gericht.

Er entscheidet sich folglich gegen das klassische Angebot einer Filialbank mit persönlichem Kontakt und Beratung. Dadurch übernimmt er jedoch bewusst die Verantwortung im Umgang mit den von ihm erworbenen Finanzprodukten, so das Gericht.

Das entbindet eine Direktbank allerdings nicht von ihrer allgemeinen Verpflichtung, Rücksicht auf die Rechte und Interessen ihrer Kunden nehmen zu müssen. Sie darf daher weder die Risiken von Finanzprodukten beschönigen noch mögliche spezielle Kenntnisse über die Produkte verschweigen.
Den Vorwurf, gegen diese Pflichten verstoßen zu haben, musste sich die beklagte Bank nach Meinung des Gerichts jedoch nicht machen lassen. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme entsprach der dem Kläger überlassene umfangreiche Prospekt dem Wertpapier-Prospektgesetz. Die darin enthaltenen Informationen waren weder unrichtig noch irreführend. Er enthielt außerdem die Aufforderung, dass der Kunde sich zusätzlich informieren sollte.

Der Totalverlust, den die Kläger hinzunehmen hatten, war auch nicht das Ergebnis eines besonderen Risikos der von ihnen gezeichneten Anlage, über welches sie von der Direktbank hätten informiert werden müssen. Nach Überzeugung des Gerichts resultierte der Verlust nämlich ausschließlich aus der Insolvenz von Lehman Brothers. Die aber kam zum damaligen Zeitpunkt für die Finanzwelt trotz des Verkaufsverbots von Lehmann-Zertifikaten in Frankreich und Amerika überraschend.

Nach all dem war der beklagten Direktbank keine Pflichtverletzung nachzuweisen. Die Klage des Ehepaars wurde daher als unbegründet zurückgewiesen. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.

Tipp
Bedenken Sie, dass Zertifikate mit einem Emittentenrisiko verbunden sind. Geht die herausgebende Bank Pleite, ist das angelegte Kapital verloren. Um das Emittentenrisiko bzw. das Risiko einer Insolvenz zu begrenzen, hilft es, Zertifikate von verschiedenen Emittenten zu erweben, sodass im Falle der Insolvenz eines Emittenten nicht das ganze Geld verloren geht. Anleger sollten sich genau darüber informieren, wer das Zertifikat herausgibt und nur Papiere von Emittenten zweifelsfreier Bonität erwerben. Das ist umso wichtiger, je länger die Zertifikate laufen.

Weitere News zum Thema

  • Banknote zerrissen! Was tun?

    [] Wer kennt das nicht? Man vergisst den Zwanziger in der Jeans und ab damit in die Waschmaschine. Die ganz private Geldwäsche. Oder: Ratsch – der Reißverschluss des Portmonees reißt ein Stück der Banknote ab, die man gerade herausholen will. Was tun mit geschredderten oder verwaschenen Geldscheinen? mehr

  • Mehr Sicherheit beim Onlinebanking

    [] Immer wieder gibt es Berichte in den Medien, dass Cyberkriminelle Bankkonten ihrer Opfer geplündert haben. Wer selbst Onlinebanking nutzt, sollte daher unbedingt die Sicherheitstipps des Bundesverbands deutscher Banken e.V. beherzigen, denn so lässt sich das Risiko, Opfer eines Cyberbetrugs zu werden, minimieren. mehr

  • Nach dem Urlaub: Kontoauszüge und Kreditkartenabrechnungen überprüfen

    [] Inzwischen kann man sich nahezu überall auf der Welt an Geldautomaten mit Bargeld versorgen oder man zahlt im Reiseland direkt bargeldlos. Das geht bequem und schnell. Wichtig ist es aber, während des Urlaubs die Abrechnungen zu sammeln, damit es zu Hause keine bösen Überraschungen gibt. mehr

  • Alternativen bei der Absicherung eines Bankkredits

    [] (verpd) Eine Restschuldversicherung ist eine besondere Form der Risiko-Lebensversicherung und wird von vielen Banken zusammen mit einem Kreditvertrag angeboten. Eine solche Police stellt sicher, dass der Kredit auch an die Bank zurückbezahlt wird, wenn der Kreditnehmer verstirbt oder aus anderen im Vertrag vereinbarten Gründen die Kreditraten nicht mehr aufbringen kann. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.