Bankkunden haften künftig für Zahlendreher

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Ein besonderes Lesevergnügen waren diese Briefe wirklich nicht: Die Kreditinstitute informierten jüngst auf mehreren Dutzend eng beschriebener Seiten in Juristensprache über ihre neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Hintergrund dieser Aktion sind die ab Ende Oktober 2009 inkraft getretenen neuen Spielregeln für Banken.

Mit der Änderung ihrer Allgemeinen Geschäftsbedingungen setzen die Banken eine EU-Richtlinie über Zahlungsdienste im Binnenmarkt um. Mit vollem Namen heißt das Gesetz "EU-Gesetz für den Zahlungsverkehr, für Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen". Ziel ist es, den Zahlungsverkehr innerhalb der Europäischen Union mehr als acht Jahre nach der Euro-Einführung zu vereinheitlichen und schneller zu machen. Geldtransfers und Kartenzahlungen innerhalb Europas sollen ebenso zügig abgewickelt werden wie im Inland.

Folgende Regelungen sind seit 31.10. 2009 gültig

Karten-Missbrauch: Die wichtigste Änderung betrifft die Haftung beim Verlust der ec-Karte. Unabhängig vom Verschulden des Kunden kann die Bank oder Sparkasse bei Kartenmissbrauch, etwa nach Diebstahl, künftig bis zu 150 Euro Selbstbeteiligung fordern. "Unabhängig vom Verschulden" heißt: Die  150 Euro können in Rechnung gestellt werden, selbst wenn der Kunde alles richtig gemacht hat. Nicht alle Banken nutzen jedoch den neuen Spielraum aus. Viele Sparkassen z. B. ersetzen den Kunden auch künftig den vollen Schaden, wenn der Kunde sorgfältig im Umgang mit Karte und Geheimzahl war. Verhält der Kunde sich dagegen grob fahrlässig, weil er z.B. die Geheimnummer auf seiner ec-Karte notiert hatte, so gilt der Verfügungsrahmen pro Tag als Haftungsgrenze. Wie bisher gilt: Nach Kartensperrung geht der Schaden allein zulasten der Bank.

Tipp
Aus dem Schneider sind Sie dann, sobald Sie Ihre ec-Karte nach Verlust oder Diebstahl sperren lassen. Deshalb sollten Sie die Telefon-Nummer des zentralen Sperrnotrufs 116 116 stets dabei haben oder auswendig wissen.


Fehl-Überweisungen: Künftig sind bei Überweisungen Kontonummer und Bankleitzahl die einzig wichtigen und maßgeblichen Details. Banken haben bei handschriftlich ausgefüllten (beleghaften) Überweisungen nicht mehr die Pflicht, den Empfängernamen mit der Kontonummer abzugleichen. Zahlendreher bei einer Kontonummer sind so künftig Ihr Problem und können dazu führen, dass Ihr Geld beim Falschen landet. Bei Überweisungen, die per Telefon oder Internet in Auftrag gegeben wurden, hatten Banken schon bisher keine Kontrollpflicht.

Tipp
Verwechslungen oder Zahlendreher beim Ausfüllen von Überweisungsträgern können künftig gravierende Auswirkungen haben. Zwar können Banken das Geld zurückbuchen. Verbirgt sich jedoch hinter der falschen Kontonummer eine Person, die das Geld bereits ausgegeben hat, wird es schwierig. Wer aber seinen Fehler schnell bemerkt, kann den Prozess noch aufhalten. Solange das Geld nicht bei der Empfängerbank angekommen ist, können Kunden die Überweisung stoppen.


SEPA-Lastschriften und Stornierungsfristen: Bisher konnten Unternehmen und Verbraucher das Lastschriftverfahren nur bundesweit nutzen. Das neue Europäische SEPA-Lastschriftverfahren (SEPA steht für Single European Payments Area = einheitlicher europäischer Zahlungsraum) ermöglicht europaweite Zahlungen. Wer z. B. seine Stromrechnung für die Ferienwohnung in Spanien regelmäßig bezahlen will, kann das nun auch mit der SEPA-Lastschrift vom eigenen Bankkonto in Deutschland aus erledigen: Das SEPA-Lastschriftverfahren funktioniert wie das bekannte nationale Einzugsermächtigungsverfahren. Das bedeutet: Der Zahlungspflichtige muss dem Empfänger via Lastschriftmandatsformular vor der ersten Buchung eine von ihm unterschriebene Einzugsermächtigung erteilen. Für die sog. SEPA-Lastschriften gelten besondere Rückholfristen. Lastschriften sollen damit in der Eurozone vereinheitlicht werden. Deutsche Bankkunden sind es gewohnt, Lastschriften innerhalb von sechs Wochen ab Rechnungsabschluss stornieren zu können. Rechnungsabschluss ist meist das Quartalsende. Künftig kann nur bis zu acht Wochen nach der Abbuchung das Geld zurückgefordert werden.

Tipp
Die Umstellung auf SEPA-Lastschriften ist erst ab dem 1.11.2011 zwingend. Für inländische Lastschriften bleibt es bis dahin bei der alten Frist.

Gutschriften-Tempo: EU-Überweisungen müssen spätestens nach vier Geschäfttagen dem Empfängerkonto gutgeschrieben werden. Für elektronische Überweisungen gilt ab dem 1.1.2012: Innerhalb Europas muss das Geld nach maximal zwei Tagen auf dem Konto eingegangen sein, innerhalb Deutschlands nach einem Tag. Für inländische Überweisungen gelten bereits nach alter Rechtslage kurze Fristen: Für Überweisungen in Inlandswährung innerhalb einer Haupt- oder einer Zweigstelle eines Kreditinstituts gestattet das BGB nur einen Bankgeschäftstag, für andere institutsinterne Banken längstens zwei Geschäftstage.

Änderungen Kredite: In Zukunft wird Ihnen sicherlich verstärkt Werbung von Kreditkartengesellschaften wie z.B. Visa oder American Express ins Haus flattern, Denn diese dürfen ab sofort Kredite mit einer Maximallaufzeit von 12 Monaten ausgeben.

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