Wenn Motorradfahrer an wartenden Autos vorbeifahren

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(verpd) Ein Motorradfahrer, der eine vor einer Ampel wartende Fahrzeugkolonne links überholt, ohne dass dafür eine weitere Fahrtrichtungsspur zur Verfügung steht, verstößt gegen das Gebot der Rücksichtnahme und muss sich bei einem Unfall eine Mitschuld anrechnen lassen.

Das hat das Landgericht Tübingen in einem kürzlich bekannt gewordenen Urteil entschieden (Az. 5 O 80/13).

Eine Frau war mit ihrem Motorrad links an einer stehenden Fahrzeugkolonne vorbeigefahren, wobei die Straße nur insgesamt zwei Fahrspuren hatte. Gleichzeitig bog eine Pkw-Fahrerin mit ihrem Auto von einem Grundstück nach links in die Gegenrichtung ein. Sie nutzte dabei eine Lücke in der stehenden Kolonne.

Als das Auto etwas über die Mittellinie hinausgefahren war, berührte es das Motorrad. Die Kradfahrerin stürzte und zog sich erhebliche Beinverletzungen zu, die mehrfach stationär behandelt wurden. Dafür wollte sie den materiellen Schaden erstattet haben. Außerdem machte sie einen Haushaltsführungs-Schaden für ihren Zwei-Personen-Haushalt mit großem Garten und voll berufstätigem Ehemann vor Gericht geltend und verlangte ein Schmerzensgeld.

Mitschuld für Motorradfahrer

Die beklagte Pkw-Fahrerin sah eine Mitschuld der Klägerin an dem Unfall von einem Drittel, weil sie schneller als Schrittgeschwindigkeit gefahren sei. Außerdem hielt sie den Haushaltsführungs-Schaden für zu hoch angesetzt und ging angesichts der Halbtagstätigkeit der Klägerin von 30 Prozent Mitarbeit des Ehemanns im Haushalt aus.

Das Gericht folgte im Wesentlichen der Argumentation der Pkw-Fahrerin. Beide Seiten hätten gegen das allgemeine Gebot der Rücksichtnahme verstoßen. Die Beklagte habe sich nicht zentimeterweise in den Verkehrsfluss hineingetastet, wie es korrekt gewesen wäre. Die Klägerin dagegen sei definitiv „in Vorwärtsbewegung“ gewesen, wie der Umfang der Schäden beweist. Wäre sie zudem ordnungsgemäß in der Kolonne gefahren beziehungsweise gestanden, wäre der Unfall vermieden worden.

Die Forderungen der Kradfahrerin wurden entsprechend um ein Drittel gekürzt. Beim Haushaltsführungs-Schaden wurde dabei von einer Verteilung von 20,25 Stunden für die Klägerin zu 10,75 Stunden für den Ehemann ausgegangen. Während der Klinikzeiten wurden ihr deshalb fiktiv 12,25 Stunden pro Woche zu einem Stundensatz von zwölf Euro angerechnet.

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