Wenn Kinder im Auto mitfahren

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(verpd) Auch wenn es keinen hundertprozentigen Schutz vor Unfällen gibt, lassen sich viele schwerwiegende Verletzungen bei Kindern mit Kinderrückhalte-Systemen, wie sie der Gesetzesgeber vorschreibt, verhindern.

Prinzipiell dürfen Kinder unter zwölf Jahren, die kleiner als 1,50 Meter sind, laut Paragraf 21 StVO (Straßenverkehrsordnung) nur in einem geeigneten und dem Alter entsprechenden Kinderrückhaltesystem als Insassen im Auto mitfahren. Das gilt für alle Strecken, die mit dem Wagen zurückgelegt werden, egal wie lang oder kurz die Fahrt ist oder wie schnell oder langsam das Auto unterwegs ist.

Wer sich nicht daran hält, kann im Übrigen mit bis zu einem Punkt im Fahreignungsregister (bisher Verkehrszentralregister) in Flensburg und 70 € Geldbuße bestraft werden.

Hohes Verletzungsrisiko durch unzureichende Sicherung

Nach Angaben des Deutschen Verkehrs-Sicherheitsrats (DVR) haben ungesicherte Kinder im Auto ein siebenmal höheres Risiko, schwer verletzt oder getötet zu werden. Dennoch missachten viele Autofahrer die Vorschrift und sichern ihre mitfahrende Kinder gar nicht oder nur mit einem Erwachsenengurt und somit nicht ausreichend.

So war 2012 nach Aussagen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) jedes zehnte Kind bei Fahrten auf der Landstraße nicht mit einem entsprechenden Rückhaltesystem gesichert. Innerorts waren es sogar 17 Prozent aller mitfahrenden Kinder.

Noch schlechter war die Quote der Kinder ab sechs Jahren – hier saßen innerorts nur 73 Prozent der Kinder auf altersgerechten Kindersitzen. 27 Prozent waren damit nicht richtig gesichert. Ein Prozent der ab Sechsjährigen fuhr sogar ohne jegliche Sicherung im Wagen mit.

Sicherung je Alter, Gewicht ...

Wie die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) betont, ist für die Mitnahme von Neugeborenen eine Babyschale, die immer rückwärts und am besten auf der Rückbank eingebaut wird, Pflicht. Ein Kind gehört so lange in die Babyschale, bis der Kopf an den Schalenrand reicht.

Abhängig von ihrem Gewicht sollten Kinder bis etwa 4,5 Jahren in einem Kindersitz der ECE-Gruppe I, ältere Kinder in Kindersitzen der ECE-Gruppen II und III transportiert werden. Von der Verwendung gebrauchter Kindersitze rät die DGUV ab, wenn man den Verkäufer nicht kennt und nicht weiß, ob der Kindersitz eventuell beschädigt ist.

Wer ein Isofix-System, also eine Steckverbindung zur Fixierung des Kindersitzes im Pkw einsetzen möchte, sollte sich vorab im Internet beispielsweise bei der Unfallforschung der Versicherer informieren, da nicht jedes Modell in jedem Fahrzeugtyp einsetzbar ist. Die DGUV rät dringend davon ab, einfache Sitzerhöhungen ohne Rückenlehne und Kopfstützen zu benutzen.

... und Größe

Zwar darf ein Kind, das älter als zwölf Jahre, aber kleiner als 1,50 Meter ist, auch ohne zusätzliche Sicherungsmaßnahmen im Auto mitfahren, allerdings raten Verkehrsexperten in diesem Fall dazu, trotzdem eine Sitzerhöhung zu verwenden. Denn die serienmäßig eingebauten Sicherheitsgurte für Erwachsene sind in der Regel nur für Personen mit einer Größe ab 1,50 Meter konstruiert und verlaufen nur dann auch über die richtigen Körperstellen.

Bei kleineren Personen kann es sein, dass der Gurt statt über das Becken über den Bauch und statt über die Schulter direkt am Hals vorbeiläuft. Deshalb kann die Sicherung mit einem standardmäßigen Sicherheitsgurt bei einem Unfall dazu führen, dass eine Person unter 1,50 Meter Größe unter dem Gurt durchrutscht oder dass der Gurt innere Organe oder die Halsschlagader verletzt.

Auch ein fehlerhaft eingebauter Kindersitz büßt dadurch oftmals seine Sicherheitsfunktionen ein. Daher sollte sich jeder beim Kauf eines Kindersitzes zeigen lassen, wie dieser richtig in das jeweilige Auto eingebaut und das Kind darin gesichert wird. Häufig führt auch mangelnde Sorgfalt beim Einbau zu Fehlern. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) erklärt unter anderem in der kostenlos herunterladbaren Broschüre Kinder sichern im Auto, welche und wie die Kindersicherung im Auto am besten benutzt wird.

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