Wenn es im Ausland zu einem Verkehrsunfall kommt

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(verpd) Ist man bei einem Verkehrsunfall im Ausland involviert, treten häufig Verständigungsprobleme auf. Für eine möglichst schnelle und unproblematische Schadensregulierung sollten insbesondere im Ausland Unfallbeteiligte einige Verhaltensregeln beachten.

Jedes Jahr sind nach Angaben des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) rund 150.000 Deutsche in einen Unfall im Ausland verwickelt. Um gerade in diesem Fall Schwierigkeiten zu vermeiden, sollten Auslandsreisende, die mit ihrem eigenen Kfz unterwegs sind, die „Grüne Karte“ mitnehmen. Diese wird vom eigenen Kfz-Versicherer kostenlos ausgegeben und bescheinigt das Bestehen des notwendigen Haftpflicht-Versicherungsschutzes nach den Bestimmungen des jeweiligen Gastlandes.

Empfohlen wird zudem, den mehrsprachigen europäischen Unfallbericht mitzuführen und im Schadenfall unbedingt zu verwenden. Das Formular ist unter anderem beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) bestell- und herunterladbar oder bei den Kfz-Versicherern erhältlich.

Wann die Polizei zu rufen ist

Wie in Deutschland auch, ist es bei einem Unfall generell wichtig, sofort anzuhalten und die Unfallstelle zu sichern. Hat es Verletzte gegeben, ist umgehend Erste Hilfe zu leisten. Mit der europaweit geltenden Notrufnummer 112 kann sowohl vom Handy als auch aus dem Festnetz kostenfrei und teils sogar in verschiedenen Sprachen entsprechende Hilfe wie Polizei und Notarzt angefordert werden.

Wichtig zu wissen: In einigen EU-Ländern wie in Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Slowenien, Slowakei, Tschechien und Ungarn ist für die problemlose Schadenregulierung ein polizeiliches Unfallprotokoll notwendig.

Bei hohem Sachschaden, wenn Personen verletzt wurden oder auch wenn ein Unfallbeteiligter sich unkooperativ zeigt und beispielsweise seine Anschrift nicht herausgibt oder gar Unfallflucht begeht, sollte nach Angaben von Verkehrsexperten grundsätzlich die Polizei gerufen werden.

Für eine reibungslose Schadenregulierung

Für eine problemlose Schadenregulierung ist es wichtig, den Unfallhergang und alle notwendigen Daten zu dokumentieren. Dazu gehören Name und Anschrift, Kennzeichen und Name und, wenn vorhanden, Versicherungsschein-Nummer der Haftpflichtversicherung des Unfallgegners, aber auch Namen und Adresse von Zeugen. Der mehrsprachige europäische Unfallbericht hilft dabei, Verständigungsprobleme zu umgehen und keine wichtigen Daten zu vergessen. Gut sind zudem Bilder der Unfallstelle aus verschiedenen Blickwinkeln.

Jeder Unfallbeteiligte sollte eine Kopie oder zumindest ein Foto des ausgefüllten Unfallberichtes erhalten, damit dieser im Nachhinein vom Unfallgegner nicht abgeändert werden kann. Spätestens fünf Tage nach dem Unfall sollte der Unfallbericht per Fax oder Einschreiben-Rückschein an die betreffende Kfz-Versicherung gesendet werden

Wer bei einem Unfall verletzt wurde, sollte sich nach Meinung von Rechtsexperten von einem Arzt des Reiselandes ein Attest ausstellen lassen, um bei Schmerzensgeld-Forderungen keine Schwierigkeiten mit der ausländischen Kfz-Haftpflichtversicherung zu bekommen. Hat der eigene Pkw bei dem Unfall einen Totalschaden erlitten, sollte vor der Verschrottung ein Kfz-Sachverständiger das Fahrzeug begutachten.

Zentralruf der Autoversicherer

Zusätzliche Informationen, was im Einzelfall nach einem Unfall zu tun ist und wie die Schadenregulierung abläuft, ist der kostenlos herunterladbaren Broschüre „Unfall im EU-Ausland: Praktische Tipps für Autofahrer“ des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland zu entnehmen. Die wesentlichen Verhaltensregeln, die bei einem Auslandsurlaub zu beachten sind, können auf den Internetseiten der GDV Dienstleistungs-GmbH & Co. KG (GDV DL) nachgelesen werden.

Der GDV DL rät unter anderem allen, die im Ausland an einem Unfall beteiligt sind: „Melden Sie den Schaden in jedem Fall Ihrer Versicherung, am besten umgehend, spätestens aber innerhalb einer Woche. Auch wenn Sie glauben, der andere sei für den Unfall verantwortlich, informieren Sie Ihre Versicherungs-Gesellschaft.“

Der vom GDV DL betriebene Zentralruf der Autoversicherer ermittelt notfalls auch die zuständige Versicherung des Unfallgegners für alle im europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder der Schweiz zugelassenen Fahrzeuge, damit eine Schadenregulierung möglich ist. Zudem kann hier der in Deutschland zuständige Schadenregulierungs-Beauftragte erfragt werden, wenn der Unfallgegner zum Beispiel einen ausländischen Kfz-Versicherer hat. Anrufer aus dem Ausland erreichen den Zentralruf unter der Telefonnummer +4940 300 330 300.

Unterschiede bei der Schadenregulierung

Normalerweise richtet sich die Schadenregulierung nach dem Recht des Landes, in dem sich der Unfall ereignet hat. Die Höhe der Deckungssummen für Personen- und Sachschäden, aber auch die Kostenarten, die nach einem Unfall erstattet werden, können daher erheblich von den deutschen Standards abweichen. In einigen Ländern wie in Spanien und Rumänien werden zum Beispiel keine Nutzungsausfall-Entschädigung sowie keine Mietwagen- und Gutachterkosten erstattet.

Mit der richtigen Versicherungslösung lassen sich jedoch Unfallfolgekosten absichern. Bei Auslandsreisen mit dem Pkw sollte der Versicherungsschutz der eigenen Kfz-Haftpflicht- und Kaskoversicherung grundsätzlich im jeweiligen Land gelten.

Viele Kfz-Versicherer bieten zudem einen zusätzlichen Auslandschadenschutz an, der verhindert, dass man auf diversen Kosten nach einem Unfall, die man beispielsweise in Deutschland, nicht jedoch im Ausland bezahlt bekommt, nicht sitzen bleibt. Ein unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelter Versicherter erhält je im Rahmen des Auslandsschutzes nach Vereinbarung nämlich die gleichen Leistungen, die ihm nach deutschem Recht vom Unfallgegner zustehen würden. Zudem übernimmt der Versicherer die Schadenregulierung mit dem ausländischen Kfz-Versicherer.

Zusätzliche Absicherungslösungen

Autofahrer, die einen Schutzbrief abgeschlossen haben, bekommen je nach Vertragsvereinbarung vom Versicherer die Kosten erstattet, wenn der eigene Pkw nach einem Unfall oder einer Panne abgeschleppt, geborgen oder nach Deutschland zurückgeholt werden muss. Je nach Versicherungsumfang werden auch Mietwagenkosten und eine Ersatzteilbeschaffung ins Ausland gezahlt.

Da im Ausland die gesetzlichen Versicherungssummen oft deutlich niedriger sind als hierzulande, ist jedem, der im Ausland einen Mietwagen nutzt, eine sogenannte Mallorca-Deckung zu empfehlen, die im eigenen Kfz-Vertrag oft gegen einen kleinen Zusatzbetrag mitversichert werden kann.

Die Mallorca-Deckung sichert den Mietwagen hinsichtlich der Kfz-Haftpflichtversicherung so ab, als wäre er in Deutschland versichert. Sie sorgt damit dafür, dass man bei großen Schäden die Differenz zwischen der Schadenhöhe und der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestdeckungssumme des Landes nicht aus der eigenen Tasche zahlen muss.

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