Medikamente, die Autofahrer meiden sollten

 - 

(verpd) Arzneimittel werden in der Regel genommen, um das Wohlbefinden und den Heilungsprozess zu verbessern. Doch sie können auch das Reaktions- und Wahrnehmungsvermögen mindern. Wer bedenkenlos rezeptpflichtige, aber auch frei erhältliche Medikamente einnimmt und dann mit dem Auto oder Motorrad fährt, bringt unter Umständen nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr.

Zahlreiche chronische Erkrankungen, wie Diabetes oder Bluthochdruck, erfordern von den Betroffenen eine regelmäßige Medikamenteneinnahme. Doch auch bei Unwohlsein, beispielsweise bei Kopf- oder Magenschmerzen, Husten, Schnupfen oder Übelkeit, greifen viele gerne zu Arzneimitteln. Nach einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) beeinflussen jedoch rund ein Fünftel aller legalen Arzneimittel das Reaktionsvermögen.

Medikamentenwirkstoffe können beispielsweise die Reaktionszeiten verlangsamen, zu Fehleinschätzungen von Gefahrensituationen führen, das Sehvermögen beeinträchtigen, aber auch Müdigkeit oder ein aggressives Fahrverhalten hervorrufen. Entsprechend den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes gab es im Jahr 2011 insgesamt 1.391 Unfälle mit Personenschaden, die sich unter dem Einfluss „anderer berauschender Mittel“ – darunter auch Drogen – ereignet haben.

Der Arzt oder Apotheker hilft weiter

Grundsätzlich ist es daher ratsam den Arzt oder Apotheker zu fragen, ob und wann man nach der Einnahme des verschriebenen oder gewünschten Arzneimittels wieder ein Fahrzeug fahren kann. Eventuell gibt es auch ein Alternativpräparat, das die Fahrtüchtigkeit nicht beeinflusst. Zudem sollte der Medikamenten-Beipackzettel unbedingt gelesen werden.

„Im Gegensatz zu Alkohol ist die Wirkung von Arzneimitteln von Fall zu Fall unterschiedlich zu beurteilen. Daher lassen sich bei Medikamenten keine Grenzwerte wie die Promillegrenze bei Alkohol festlegen“, betont Martin Katzenbach von der Apothekerkammer Nordrhein.

Er erklärt weiter: „Meist werden Menschen durch Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Psychopharmaka fahruntauglich. Aber auch Blutdrucksenker, Hustenblocker oder Schmerzmittel können problematisch sein. Hinzu kommt, dass viele Menschen mehrere Mittel gleichzeitig einnehmen, die sich gegenseitig beeinflussen können.“

Kaskoschutz in Gefahr

Nach Angaben von Experten ist im Straßenverkehr bei folgenden Arzneimitteln Vorsicht geboten: Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Herzmittel, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antiallergika, Augentropfen, Psychopharmaka, Hustenblocker, Erkältungsmittel, Insulin und andere Diabetes-Präparate, alkoholhaltige Medikamente, Mittel gegen Magen-Darm-Erkrankungen sowie Epilepsie-Präparate.

Wer für eine ambulante Behandlung ein Narkosemittel verabreicht bekommen hat, sollte nach Expertenmeinung mindestens 24, besser 48 Stunden danach kein Kfz selbst fahren. Dies gilt selbst bei lokalen Betäubungen durch den Zahnarzt.

Tipp: Das neue Informationsportal www.dvr.de/medikamente des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) informiert über die Risiken von Medikamenteneinfluss im Straßenverkehr. Hier erfahren Interessierte mehr über die beeinträchtigende Wirkung unterschiedlicher Arzneimittel auf das Fahrverhalten. Abgerundet werden die Informationen mit Hinweisen und Tipps für Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer zum Umgang mit Medikamenten.

Unwissenheit schützt nicht vor einer Strafe

Verkehrsteilnehmer, die Medikamente einnehmen, ohne sich über deren möglichen Auswirkungen zu informieren, handeln unter Umständen grob fahrlässig.

Wird die Medikamenteneinnahme als Unfallursache nachgewiesen, kann der Kfz-Versicherer je nach Anteil der groben Fahrlässigkeit am Gesamtschaden die Kaskoleistung mindern oder sogar ganz verweigern.

Eventuell könnte auch die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers einen Regress von 5.000 € von ihm einfordern. Zusätzlich drohen Bußgeld, Punkte im Verkehrszentralregister, ein Fahrverbot und sogar der Führerscheinentzug.

Weitere News zum Thema

  • Streit um das Parken auf schmalen Straßen

    [] (verpd) Die in der Straßenverkehrsordnung enthaltene Vorschrift, dass das Parken gegenüber Grundstückseinfahrten und Ausfahrten auf schmalen Fahrbahnen verboten ist, ist teilweise unwirksam. Das geht aus einem aktuellen Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg hervor (Az. 5 S 1044/15). mehr

  • Sicher unterwegs mit dem Vierbeiner im Auto

    [] (verpd) Ein mittelgroßer Hund mit 20 Kilogramm Gewicht entwickelt ungesichert bei einem Aufprall mit 50 Stundenkilometern eine Wucht von bis zum 30-Fachen seines Körpergewichts, also 600 Kilogramm. Das ist lebensgefährlich für die Insassen und den Hund. Deshalb schreibt der Gesetzgeber vor, dass Tiere im Auto entsprechend gesichert werden müssen. Anderenfalls drohen ein Bußgeld und sogar Punkte im Flensburger Fahreignungsregister. mehr

  • Ärger vermeiden beim Gebrauchtwagenkauf

    [] (verpd) Wer sich einen Gebrauchtwagen kauft, sollte sich nicht allzu sehr von Emotionen leiten lassen. Denn auch, wenn ein infrage kommender Wagen optisch gut aussieht sowie die gewünschte Ausstattung und Motorisierung hat, garantiert das noch lange keinen dauerhaften Fahrspaß. Denn viele Mängel und Schaden erkennt man nicht auf den ersten Blick. Eine Checkliste hilft beim Überprüfen des Fahrzeugs, um teure Überraschungen zu vermeiden. mehr

  • Wenn der Hund mit in den Urlaub fährt

    [] (verpd) Vieles, was für eine problemlose Reise notwendig ist, wenn man einen Hund dabeihat, wie zum Beispiel bestimmte vorgeschriebene Papiere, notwendige Impfungen und auch ein tiergerechtes Reisedomizil, lässt sich häufig nicht in letzter Minute regeln. Daher sollte man sich je nach Reiseland mindestens zwei oder mehr Monate vor der Reise um die entsprechenden Formalitäten und Impfungen kümmern. mehr

  • Tipps für den Wechsel von Winterreifen

    [] (verpd) Eine vielen bekannte Faustformel für den Einsatz von Winterreifen lautet von Oktober bis Ostern. Wichtiger ist es jedoch, auf die Außentemperatur zu achten, um sinnvollerweise von Winter- auf Sommerreifen umzusteigen. In diesem Jahr war es nach Ostern noch sehr kalt, daher haben alle Autofahrer, die noch nicht auf Sommerreifen umgestiegen sind, das Richtige getan. Experten erklären, ab wann die Sommerreifen aufgezogen werden sollten. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.