Krankenkassenbeiträge schmälern die Rente

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Viele ältere Arbeitnehmer machen sich Sorgen wegen ihrer Steuerlast im Ruhestand. Doch hauptsächlich sind es die Krankenversicherungsbeiträge, die große Löcher in die Geldbeutel der Rentner reißen. Die Belastung durch die Krankenversicherung ist meist wesentlich höher als die durchs Finanzamt.

Besonders hoch ist die Belastung vor allem für geschiedene oder verwitwete Frauen mit kleiner Altersrente, die früher bei ihrem Mann mitversichert waren, oder für Rentnerinnen, die sich ab einer eigenen Rente von 365 Euro pro Monat selbst krankenversichern müssen.

Wer weiß, welche Kosten ihn im Ruhestand erwarten, kann wenigstens seine exakte Rentenlücke abschätzen und ein Finanzpolster anlegen. Die Größe der Rentenlücke hängt davon ab, ob man in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) pflichtversichert oder in einer Kasse freiwillig versichert ist.

Nicht jeder Neu-Rentner ist automatisch in der KVdR pflichtversichert. Wer es ist, kann sich glücklich schätzen, denn die Pflichtversicherung ist bei Einnahmen zusätzlich zur gesetzlichen Rente günstiger als eine freiwillige Versicherung. Freiwillig gesetzlich Krankenversicherte müssen nämlich nicht nur für ihre gesetzlichen, betrieblichen und staatlich geförderten Renten Beiträge an die Krankenkasse abführen, sondern auch für alle anderen Einkünfte.

Voraussetzungen für die Pflichtversicherung

Die meisten Rentner erfüllen die Vorgaben für die Pflichtmitgliedschaft. Dazu gehört, mindestens neun Zehntel der zweiten Hälfte des Berufslebens in einer Krankenkasse pflichtversichert gewesen zu sein – egal, ob freiwillig, familien- oder pflichtversichert. Auch wer Zeit seines Berufslebens freiwillig krankenversichert war, kann also im Alter pflichtversichert sein.

Allerdings müssen dafür die beitragspflichtigen Einnahmen als Rentner unter der KV-Beitragsbemessungsgrenze liegen (2010: 45.000 Euro; 2011: 44.550 Euro). Angerechnet werden auch Zeiten, in denen man beim Ehepartner mitversichert, in einem EU-Land gesetzlich versichert oder in der ehemaligen DDR abgesichert war.

Wer die Mindestzeiten nicht erfüllt oder die Einkommensgrenzen überschreitet, kann sich als Rentner nur dann freiwillig versichern, wenn er in den letzten fünf Jahren seines Erwerbslebens 24 Monate in einer gesetzlichen Krankenkasse oder direkt vor Rentenbeginn mindestens ein Jahr pflicht-, familien- oder freiwillig versichert war. Ansonsten muss er sich privat krankenversichern.

Wer bereits in einer privaten Krankenversicherung und älter als 55 Jahre ist, kann auch als Rentner nicht mehr in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren.

Welche Einkünfte sind beitragspflichtig?

Gesetzlich pflichtversicherte Rentner müssen nicht nur auf ihre Altersbezüge vom Staat Beiträge zahlen, und zwar bis zu einer Grenze von 3.750 Euro monatlich (2010; ab 2011: 3.712,50), sondern auch auf sämtliche Zusatzeinnahmen, die einen beruflichen bzw. steuerlichen Bezug haben. Also auf Betriebsrenten, Direktversicherungen, Riester- und Rürup-Renten, auf Geld aus Pensionskassen oder Pensionsfonds sowie auf Lebensversicherungen als Direktzusage – sobald diese zusammen über der aktuellen Geringfügigkeitsgrenze von 127,75 im Monat liegen.

Tipp
Bei einer beruflich veranlassten Altersvorsorge kann es ratsam sein, bei Arbeitslosigkeit den Vertrag ruhen zu lassen und die Altersvorsorge privat fortzuführen. Das ist im Hinblick auf die Krankenversicherungspflicht der Auszahlungen vorteilhaft.

Auf ihre staatliche Bruttorente müssen Neu-Ruheständler derzeit den allgemeinen Beitragssatz der Kassen von 14,9 Prozent bezahlen. Davon zahlen die Senioren 7,9 Prozent, die Rentenversicherung die restlichen 7 Prozent. Für alle anderen Renten sind die vollen 14,9 Prozent aus der eigenen Tasche zu zahlen (ab 2011 dann 15,5 Prozent).

Noch viel teurer kommt die Krankenversicherung alle freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse versicherten Rentner. Bei ihnen zieht die Kasse zusätzlich zu Erst- und Zweitrenten auch noch alle privaten Einkünfte heran. Was zählt, ist die "gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit", also auch Einkünfte aus Kapitalvermögen, aus Vermietung und Verpachtung sowie aus Lebens- und privaten Rentenversicherungen.

Auf ihre gesetzliche Rente und Zweitrenten müssen freiwillig Versicherte 14,9 Prozent Beitrag bezahlen. Zu den Beiträgen für die gesetzliche Rente zahlt die Deutsche Rentenversicherung einen Zuschuss von 7 Prozent. Die Beiträge für andere Renten sind in voller Höhe aus der eigenen Tasche zu zahlen. Auf Einkünfte wie Zinsen, Dividenden, Kursgewinne oder Pacht und Miete verlangt die Krankenkasse nur den ermäßigten Beitragssatz von 14,3 Prozent.

Privatversicherung als Alternative?

Die Beiträge in der privaten Krankenversicherung richten sich nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Krankheitsrisiko. Der Basistarif liegt bei etwa 570 Euro plus 55 Euro Pflegeversicherung. Das entspricht in etwa dem Höchstsatz der gesetzlichen Kassen. Auch zu privaten Beiträgen zahlt die Deutsche Rentenversicherung einen Zuschuss in Höhe von 7 Prozent der gesetzlichen Rente.

Tipp
Können Rentner ihre Krankenversicherungsbeiträge nicht bezahlen – ob gesetzlich oder privat –, können sie Grundsicherung beantragen.

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